Skip to main content

Stimmen zum Spiel: Warum es bei den Wild wieder läuft

von Bernd Roesch / NHL.com

Das Stadium Series Spiel zwischen den Chicago Blackhawks und den Minnesota Wild am vergangenen Sonntagnachmittag war ein voller Erfolg - vor allem für die Gastgeber unter Interimscoach John Torchetti. Über 50.000 Zuschauer im TCF Bank Stadium trauten ihren Augen nicht. War das die gleiche Mannschaft, die 13 ihrer letzten 14 Partien vor der Beurlaubung von Trainer Mike Yeo verloren hatte? War das die Mannschaft die scheinbar das Tore schießen verlernt hatte und bis auf den vorletzten Platz in der Central Division abgerutscht war? War es dieses Team, das acht Spiele zuhause in Folge verloren hatte? Die Wild machten aus dem Open Air Event ein Festival für ihre Fans und ließen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Stimmung zum Brodeln bringen. Wie passend war da die Pauseneinlage von Cheap Trick, die live auf der Bühne 'I want you to want me' anstimmten. Schon zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Wild in die Herzen ihrer Fans gespielt.

Auf einmal läuft bei den Wild die Scheibe wieder wie am Schnürchen, plötzlich erzielen sie Tore, obwohl der Puck nicht einmal im Netz landet, wie beim Treffer von Erik Haula, der alleine auf den leeren Kasten der Blackhawks zulief und von hinten von Patrick Kane gefoult wurde. Folgerichtig entschieden die Schiedsrichter auf Tor und es stand 6-1. 6-1 gegen den amtierenden Stanley Cup Champion, der in seinen zwei Partien zuvor zwölfmal getroffen hatte. Was ist in Minnesota passiert? Wilds österreichischer Stürmer Thomas Vanek, der bereits nach gut sieben Minuten das 2-0 markiert hatte, erklärte es folgendermaßen: "Wenn du ohne Zuversicht, ohne Selbstvertrauen auf dem Eis stehst, dann kannst du nicht gewinnen. Durch den Trainerwechsel, ob er richtig war oder nicht, haben wir alle wieder bei null begonnen. Wir schießen Tore, gehen in Führung und fürchten auch nicht mehr, dass wir diese abgeben könnten."

Unter Torchetti hat sich das Spiel der Wild verändert. Er lässt seine Spieler wieder mehr Freiraum in der Offensive. "Wenn wir im Angriffsdrittel waren, hatten wir Angst, dass wir bloß kein Tor kassieren. So kannst du nicht Eishockey spielen. Wir waren so berechenbar geworden. Nun fühlen wir uns richtig gut und haben klasse Spielzüge drauf. Dennoch weiß jeder, dass er auch nach hinten arbeiten muss, wenn er einmal die Scheibe verlieren sollte", sagte Zach Parise nach der gestrigen Partie. Auch Jason Pominville, der es auf ein Tor und zwei Assists gegen die Blackhawks gebracht hatte, ist voll des Lobes über den neuen Übungsleiter: "Er kam mit neuen Ideen, die unser Offensivspiel verbesserten. Unter Yeo musste ich auf verschiedenen Positionen spielen, auch auf Positionen, auf denen ich zuvor nie stand, zum Beispiel als Center vor dem Tor. Nun stehe ich wieder etwas tiefer, wie in meiner gesamten Profikarriere zuvor. Da fühle ich mich wohl."

Das Ambiente tat ihr ihriges dazu, wie Ryan Carter, dem ein Tor und ein Assist gelang, bestätigte: "Das war wie nach Hause kommen. Als es im ersten Drittel leicht zu schneien begann, habe ich auf die Ränge geschaut, ich sah ein paar White Bear Jerseys und erinnerte mich an meine College-Tage. [Carter spielte von 2004 bis 2006 für Minnesota State Mankato in der WCHA] Es war wie eine Zeitreise durch meine Karriere. Im dritten Drittel als wir schon fünf oder sechs Tore geschossen hatten, lehnte ich mich zurück und dachte, dass es richtig cool sei hier dabei zu sein."

Wilds Kapitän Mikko Koivu stimmte dem zu: "Diesen Moment, wenn du zum ersten Mal ins Stadion einläufst, vergisst du nie." Die Wild ließen sich nicht von der eindrucksvollen Kulisse beängstigen, sondern sahen sich von ihr motiviert. Sie waren von Beginn das wachere Team, gaben kaum einen Puck verloren und gewannen die Zweikämpfe. Selbst nach ihrer deutlichen Führung zur zweiten Drittelpause ließen sie nicht nach und gaben auch im Schlussabschnitt noch Vollgas.

Vanek brachte es auf den Punkt. "Ein solcher Tag macht nur Spaß wenn Du gewinnst - und wir haben gewonnen."

Mehr anzeigen