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Spieler im Fokus: Reto Berra im Wartestand

von Stefan Herget / NHL.com

Semyon Varlamov ist das Maß aller Dinge im Tor der Colorado Avalanche. Da war es klar, dass es für jeden Backup Goalie schwer werden würde, Einsätze zu bekommen. Die Wahl des Managements fiel auf den Schweizer Reto Berra, der bereits zur Trading Deadline 2014 von den Calgary Flames als Absicherung für den verletzungsanfälligen Jean-Sebastien Giguere geholt wurde.

Giguere beendet schließlich auch zum Ende der Saison wegen seiner anhaltenden Rückenprobleme erwartungsgemäß seine Karriere. In Berra wurden entsprechend die Hoffnungen gesetzt, die gesetzte Nummer 1 Varlamov zu vertreten.

Als der Russe sich Anfang Dezember verletzte und einige Zeit ausfiel, schien die Zeit von Berra gekommen. Doch zur negativen Überraschung des 28-jährigen gebürtigen Bulachers zog Trainer Patrick Roy ihm den 22-jährigen Calvin Pickard vor. Dieser konnte sich fortan präsentieren und überzeugte weitgehend mit 93,6 Prozent Fangquote und einem Gegentrefferschnitt von 2,18.

Roy sah keine Veranlassung auf Berra, der zuvor in zehn Einsätzen nur 88,2 Prozent der Schüsse hielt und 3,57 Tore im Schnitt kassierte, zurückzugreifen. Schließlich wurde er Anfang Januar sogar zum Farmteam in die AHL, den Lake Erie Monsters, geschickt.

Die Nachricht wurde in seiner eidgenössischen Heimat, wo Berra aufgrund seiner Leistungen in der NLA und der Nationalmannschaft einen guten Ruf genießt, sehr kritisch zur Kenntnis genommen. Nicht wenige empfohlen dem Torhüter in die Schweiz zurückzukehren, wie es kürzlich auch Damien Brunner nach seiner Abschiebung durch die New Jersey Devils in der AHL getan hatte und beim HC Lugano angeheuerte.

Doch Berra nahm die Herausforderung an und zeigte starke Leistungen. Er holte drei Siege in fünf Spielen bei 2,57 Gegentorschnitt und 91,4 Prozent Fangquote. Grund genug, dass er Ende Januar wieder zu den Avalanche kam.

„Es war wirklich gut für mich fünf Spiele zu machen“, sagte Berra der Denver Post. „Vielleicht auch einmal für zwei Wochen herauszukommen. Aber das größte war es zu spielen. Das war überragend. Ich fühle mich nach diesen zwei Wochen jetzt richtig gut. Das ist gut für meine Zuversicht. Jetzt bin ich froh zurück zu sein. Das ist der große Unterschied gegenüber von vor zwei Wochen.“

Zwar hatte er seitdem noch keinen Einsatz, weil Varlamov stets eingesetzt wurde, aber Berra ist überzeugt wieder seine Chance zu bekommen, sich zu beweisen. „Natürlich“, betonte er überzeugt in dem Interview. „Wenn nicht, wäre ich sehr wahrscheinlich nicht hier und jetzt zurückgeholt worden. Ich fühle mich gut, ich bin zuversichtlich, ich bin bereit.“

Aufmerksamkeit verschaffte sich Berra durch sein erzieltes Tor in seinem ersten Auftritt für die Monsters. Im Sieg gegen die Chicago Wolves traf er mit einem Weitschuss ins am Ende zu Gunsten eines weiteren Feldspielers verlassene Gehäuse der Gegner.

„Das war ein großartiges Gefühl“, erzählte Berra. „Jeder Torhüter träumt davon und denkt irgendwann darüber nach. In diesem Spiel haben sie die ganze Zeit den Puck nur tief gespielt und ich hatte ein gutes Gefühl an diesem Abend. Ich habe viele Pässe gespielt und am Ende, waren wir zwei Tore vorne und sie haben ihn wieder nur tief zu mir gespielt und dann habe ich ihn fliegen lassen. Man braucht natürlich Glück dazu. Aber e war ein unglaubliches Gefühl… es war das erste Tor, das ich erzielt habe, aber ich habe es schon einmal in der Schweiz probiert und habe das Tor verfehlt.“

Etwas Ärger brachte ihn ein, dass er sich anschließend von seinen Teamkollegen feiern ließ wie ein Feldspieler, indem er aus dem Tor fuhr und alle anderen an der Bande abklatschte. Die Gegner werteten dies als Überheblich- und Unsportlichkeit ihnen gegenüber.

„Es war so ein emotionaler Moment“, entgegnete Berra. „Ich habe selbst nicht gewusst, was ich da mache. Ich habe nur die Jungs an der Bande gesehen, die nach vorne gelehnt waren, als ob sie ein Abklatschen erwarten, so dachte ich mir OK und fuhr hin. Es ist ein Mannschaftssport. Ich ging und ließ mich von meinen Teamkollegen abklatschen. Es ist normal nach einem Tor. Vielleicht war es auch nicht das Beste, ich weiß es nicht. Einige Spieler von Chicago waren verärgert, aber nach ein paar Sekunden war alles gut.“

Es wäre positiv, wenn Berra sein gutes Gefühl aus diesem Spiel weiter begleiten könnte und er endlich beweisen kann, dass er durchaus in der Lage ist, in der NHL zu überzeugen und all diejenigen Lügen straft, die ihn schon zum Scheitern verurteilt hatten.

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