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Spieler im Fokus: Michael Grabner im Interview

von Stefan Herget / NHL.com

Michael Grabner begann seine Karriere - wie auch sein Freund Michael Raffl (Philadelphia Flyers) - beim EC VSV in der österreichischen Eishockeyliga, wo er in der Saison 2003/2004 im Alter von nur 16 Jahren in der Herrenmannschaft debütierte. Nach dieser Saison wagte er den Schritt über den großen Teich und wechselte nach Nordamerika. Sein Weg führte ihn über Vancouver und Florida nach New York.

Seit 2010 steht er bei den New York Islanders unter Vertrag und konnte bereits in seiner Rookie-Saison überzeugen. Grabner war mit 34 Toren bester Torschütze unter den Rookies und wurde sogar für die Calder Memorial Trophy (bester Liganeuling) nominiert.

Im Mai 2011 verlängerte er seinen Vertrag bei den New York Islanders um weitere fünf Jahre bis Ende Juni 2016.

Michael Grabner ist verheiratet und hat mit seiner Frau Heather zwei Kinder. Martin Stichauner und Patrick Kristler trafen den 27-jährigen Österreicher zu einem Interview.

NHL.com/de: Hallo Michael, Ihr seid gerade zum zweiten Mal Eltern geworden. Wir gratulieren euch herzlich! Wie geht es euch?

GRABNER: Danke vielmals! Meiner Familie und mir geht es zurzeit sehr gut. Es ist einfach ein tolles Gefühl und wir sind froh, dass alle gesund sind. Für den Job zu Hause ist eher meine Frau zuständig (lacht), ich bin ja doch oft unterwegs und trotzdem immer froh wenn ich nach Hause komme und lachende Gesichter sehe. Wenn ich aber daheim bin, dann bin ich zu 100% für meine Frau und die Kinder da.

NHL.com/de: Während privat alles zu laufen scheint, war es sportlich aufgrund der Verletzung bislang eine eher schwierige Saison für dich, oder?

GRABNER: Sportlich läuft es nicht so optimal. Ich hatte letzte Saison eine Gehirnerschütterung und auch heuer immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, musste auch an der Leiste operiert werden. Es lief dann kurzzeitig optimal, aber ich denke dass ich halt ein wenig zu früh wieder auf dem Eis gestanden bin. Für mich persönlich ist es so gesehen zwar ein hartes Jahr, aber der Erfolg im Team zählt vorrangig und da läuft es bei uns super!

NHL.com/de: Die Islanders spielen heuer eine extrem starke Saison. Was läuft anders als im letzten Jahr?

GRABNER: Wir spielen heuer einfach konstanter und haben uns auch mit sehr guten Spielern verstärkt. Wir haben mit Nick Leddy und Johnny Boychuk zwei Leute geholt, die bereits den Stanley-Cup geholt haben und die bringen natürlich einiges an Erfahrung und Ruhe mit auf das Eis. Mit Jaroslav Halak haben wir auch die Torhüterposition extrem stark besetzt.

Wir hatten in dieser Saison fast so gut wie nie längere Schwächephasen, sind immer sofort nach Niederlagen wieder gut zurückgekommen. Wir sind als Team, obwohl wir noch eine sehr junge Mannschaft sind, einfach reifer geworden.

NHL.com/de: Ihr werdet eure Heimspiele in der kommenden Saison 2015/16 im Barclays Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn austragen. Wie sehr ist dies bei euch Gesprächsthema in der Kabine?

GRABNER: Wir haben schon darüber gesprochen. Für mich persönlich wird sich natürlich einiges ändern. Vermutlich auch privat, da der Anfahrtsweg von Long Island, wo ich derzeit wohne nach Brooklyn eher mühsam ist. Ein Umzug ist daher nicht ausgeschlossen.

NHL.com/de: Freust du dich schon auf die neue Halle?

GRABNER: Natürlich freut man sich darauf. Wir ziehen in eine neue topmoderne Halle. Bezüglich Fans wird es natürlich auch schwer, da viele auf Long Island wohnen, wir hoffen aber doch, dass wir weiter auf ihre Unterstützung zählen können.

NHL.com/de: Wenn du einmal nicht gerade Eishockey spielst. Was machst du in deiner knappen Freizeit?

GRABNER: Ich bin generell ein Typ der auch in der Freizeit Sport treibt und verbringe daher auch viele Stunden in der Kraftkammer. Die wenige Freizeit, die ich während einer Saison habe, widme ich hauptsächlich meiner Familie. Ich spiele viel mit meinem Sohn, der jetzt auch vor einem halben Jahr mit dem Eislaufen begonnen hat und mittlerweile schon zur Schule geht.

NHL.com/de: Deine Trikotnummer ist die 40. Hat diese Nummer für dich eine Bedeutung oder hast du sie einfach willkürlich ausgewählt?

GRABNER: Ich hatte in meiner Jugendzeit immer die Nr. 7 bzw. die Nr. 17. Als ich dann gedraftet wurde, wurde mir eine Nummer zugewiesen. Draftpicks bekommen in der Regel immer hohe Nummern. Ich bekam eben die Nr. 40. Diese Nummer wird nicht von vielen Spielern getragen und sie ist bei vielen Teams frei, somit ist das optimal und ich bin sehr zufrieden damit.

NHL.com/de: Mit wem teilst du dir das Zimmer bei den Road-Trips?

GRABNER: Mit niemanden. Wir haben alle Einzelzimmer und finden das auch alle gut so. Man hat einfach mehr Privatsphäre und man kann sich den Tagesablauf einfach selbst einteilen. Die Chemie im Team ist ohnehin optimal, da wir abends immer viel unternehmen, gemeinsam Essen gehen usw. Ich bin mit unserem Kapitän John Tavares sehr gut befreundet, aber ich unternehme auch einiges mit den jungen Spielern wie Brock Nelson oder Ryan Strome. Wie gesagt, es stimmt einfach die Chemie, wir sind da ein eingeschworener Haufen.

NHL.com/de: Hast du noch viel Kontakt zu deinem ehemaligen Mitspieler und Landsmann Thomas Vanek?

GRABNER: Ja natürlich, wir schreiben viel miteinander. Er hatte einen schwierigen Start in Minnesota, da viel von ihm erwartet wurde. Es läuft für ihn zurzeit super, man benötigt halt immer eine gewisse Anlaufphase wenn man zu einem neuen Team, neuem Trainer, neuem System stößt. Er ist seit seiner Zeit bei den Islanders ein guter Freund von mir geworden.

NHL.com/de: Wie bereitest du dich auf ein Match vor? Hast du immer den gleichen Ablauf?

GRABNER: Ich habe da keine besonderen Ticks oder Macken. Ich komme in die Kabine, bin vollkonzentriert und bereite mich auf das Match vor. Der Tagesablauf mit Morning Skate, Essen, Ruhephase, Snack bleibt immer derselbe. Es gibt aber bei uns in der Kabine einige Spieler, da muss zum Beispiel der Schläger immer an derselben Stelle stehen. Ich bin da eher der lockere Typ, der in die Kabine kommt, sich in Ruhe vorbereitet und einfach bereits ist, wenn es auf das Eis geht.

NHL.com/de: Du spielst heuer erstmals ohne Visier. Was war der Grund für die Umstellung?

GRABNER: Ich habe im Sommer immer bereits ohne Visier trainiert und mich dabei einfach besser gefühlt.

NHL.com/de: Wer gehört deiner Meinung nach heuer noch zu den Cup-Favoriten?

GRABNER: Heuer ist es ganz eng. In den letzten Jahren waren immer die Kings oder die Blackhawks zu favorisieren, heuer sind es viele Teams, die am Ende ganz oben stehen könnten. In den Playoffs beginnt alles bei Null. Es ist egal, ob du als Erster oder Achter in die Playoffs startest, jeder hat die gleiche Chance, jeder kann jeden schlagen.

NHL.com/de: Die Playoffs sind aber so gut wie fix, was spricht für euch, dass Ihr am Ende den Stanley Cup holen werdet?

GRABNER: Wir spielen heuer einfach sehr konstant und haben die besten Teams der Liga bereits geschlagen. Wir arbeiten sehr hart. Zuletzt gab es 4 Niederlagen am Stück, wir müssen da jetzt raus kommen, um dann mit einem positiven Gefühl in die Playoffs starten zu können.

In den Playoffs ist es dann komplett anders. Es ist alles schneller, härter, intensiver. Jeder Wechsel kann einfach für die Serie entscheidend sein, das Pendel kann ganz schnell auf die Eine bzw. die andere Seite ausschlagen.

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