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Spieler im Fokus: Dennis Seidenberg in Boston

von Uwe Werkmeister / NHL.com

Zwei deutsche Spieler gewannen bisher die wichtigste Trophäe im Eishockey Sport, den begehrten Stanley Cup. Der aktuelle Cheftrainer bei den Eisbären Berlin, Uwe Krupp, 1996 mit den Colorado Avalanche und Dennis Seidenberg 2011 mit den Boston Bruins. Bei dieser Franchise verfügt er über einen Vertrag noch bis 2018.

Die vergangene Saison verlief unglücklich für den Verteidiger. Allein in der regulären Saison verpasste er 48 Spiele, davon die letzten 44 am Stück und somit ebenso die Playoffs. Aus diesen schieden seine Mannschaftskameraden für viele überraschend schon in der zweiten Runde gegen die Montreal Canadiens aus. In dieser Saison sollte nun alles besser werden für Seidenberg und die Bruins. Nach einem durchwachsenen Saisonstart läuft es derzeit aber alles andere als rund in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts.

Beim Gastspiel der Bruins in Winnipeg am 19. Dezember haben wir den 31-jährigen Deutschen getroffen, um über die derzeitige Situation zu reden.

"Danke, es geht mir sportlich gut, ich fühle mich fit und spüre nur noch Kleinigkeiten aus den vergangenen Verletzungen", antwortete er gewohnt freundlich auf die Frage nach seinem Befinden und ergänzte: "Leider läuft es im Team nicht so gut, wir haben ganz gut begonnen, aber zuletzt war es schlecht und ich hoffe der letzte Sieg (in Minnesota 3:2 OT-Sieg, Anmerkung der Redaktion) gibt uns Auftrieb. Wir haben dort nicht unser bestes Hockey gespielt, aber wir müssen alle Punkte mitnehmen und ich glaube das Spiel war ganz wichtig."

Anschließend versucht er die Ursachen für die schlechte Bilanz zu erklären. Hockey wäre ein absoluter Mannschaftssport und wenn nicht alle wie gewohnt mitzögen, kämen auch keine positiven Resultate dabei heraus. Derzeit stehen die Bruins nur auf Platz 5 in der Atlantic Division und haben beispielsweise bei drei mehr absolvierten Spielen nur einen Punkt Vorsprung auf die Florida Panthers, einem Team, welchem die Experten vor der Saison deutlich weniger zugetraut hatten, als dem Titelträger von 2011.

"Im Moment fehlt unserem Spiel einfach der Zusammenhalt, der Teamspirit. Abseits der Eisfläche verstehen wir uns zwar gut, aber das Zusammenspiel läuft nicht so, wie wir es gewohnt sind", gibt Seidenberg einen Einblick in das Innenleben der Mannschaft. "Wir sind als Team eine solche Situation nicht gewohnt und deshalb ist die Stimmung insgesamt auch nicht die Beste. Wir müssen uns dringend finden, um Spiele zu gewinnen."

Die Bruins, in den vergangenen Jahren immer sehr offensivstark, haben derzeit nur 91 Tore geschossen und verfügen über eine ausgeglichene Tordifferenz. Das bedeutet im Schnitt wurden lediglich 2,6 Treffer pro Spiel erzielt. Kein guter Wert für eine Mannschaft, die in den Vorjahren einen Wert von ca. Drei geschafft hatte.

Seidenberg meint, dass die Grundeinstellung schon eher etwas defensiver wäre, aber auch hier wäre das oben schon aufgeführte Problem, dass es einfach nicht richtig liefe. Hinten ließe man zu viel zu, die Spieler würden mentale Fehler machen und vorne würde das Tor nicht getroffen werden. "Wir verteidigen nicht gut und schießen keine Tore", bringt er es auf den Punkt.

Auf die Situation an der blauen Linie angesprochen, antwortet er: "Es stehen immer fünf Spieler auf dem Eis und von allen ist es die Aufgabe, gut zu spielen und am Ende auch zu gewinnen."

Bemerkenswert, wie offen und ehrlich Seidenberg die Probleme im Team anspricht. Keine Ausreden bildeten die schwerwiegenden Ausfälle, beispielsweise seines Verteidigungskollegen Zdeno Chara oder des 1. Reihe Centers David Krejci, die beide weniger als die Hälfte der bislang absolvierten Partien bestritten haben.

Am Abend hatten wir dann die Gelegenheit, die Bruins im MTS Center in Winnipeg gegen die einheimischen Jets zu beobachten. Alles, was am Morgen erzählt wurde, konnten die Beobachter nun live erleben. Schwacher Start der Bruins, schnelles Gegentor, viele Einzelaktionen und kaum ein vernünftiges Zusammenspiel. Das Spiel ging mit 2:1 an die gastgebenden Jets und Seidenberg stand bei beiden Gegentoren auf dem Eis.

Nach dem Spiel diktierte der Bruins Coach Claude Julien den wartenden Journalisten in die Mikrofone: "Wenn wir so weiterspielen, haben wir im April, der Zeit der Playoffs, frei". Dem ist aktuell nichts hinzuzufügen.

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