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Zurzeit läuft alles schief

Sharks absolvierten ihre schlechteste Auswärtstour seit 24 Jahren, bleiben aber zuversichtlich

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Reisen bildet und erweitert den Horizont, doch für die San Jose Sharks war ihr Auswärtstrip vor allem eines, eine Tortur. In der vergangenen Woche mussten sie innerhalb von sechs Tagen vier Niederlagen in der Fremde einstecken, kassierten hierbei 17 Gegentore und waren selbst nur fünfmal im Abschluss erfolgreich. Seit mittlerweile sechs Partien warten die Sharks auf einen Punktgewinn.

Zum ersten Mal seit 24 Jahren, seit dem März 1993, verloren die Sharks auf einer Auswärtstour viermal in der regulären Spielzeit. Ihren schon sicher geglaubten ersten Platz in der Pacific Division haben sie an die Anaheim Ducks abgeben müssen und es könnte sogar noch passieren, dass sie bis auf den vierten Rang zurückfallen, den aktuell noch die Calgary Flames mit einem Rückstand von drei Punkten auf San Jose belegen.

Zu allem Unglück verletzte sich bei der herben 2-7 Auswärtsschlappe am vergangenen Samstag in der Bridgestone Arena von Nashville auch noch Center Logan Couture. Beim Stande von 2-4 hatte Sharks drittbester Scorer (25 Tore, 27 Assists) nach einem Schlagschuss von Brent Burns den Puck ins Gesicht abbekommen und musste die Partie vorzeitig verlassen.

Patrick Marleau, von dessen Schläger die Scheibe abgefälscht wurde, war nach der Begegnung gegenüber NHL.com sichtlich betrübt: "Wir können ihn [Couture] nicht ersetzen. Doch sollte er tatsächlich nächste Woche ausfallen, dann müssen wir anderen Jungs die Flaute beenden."

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Leichter gesagt als getan, denn bei den Spielern liegen die Nerven blank. Micheal Haley revanchierte sich gut sieben Minuten vor Spielende beim Stande von 2-5 mit einem Faustschlag ins Gesicht von Calle Jarnkrok, der ihn kurz zuvor regelwidrig an der Bande gecheckt hatte. Für Haley war das Spiel aufgrund einer Matchstrafe wegen Verletzungsabsicht ebenso vorzeitig beendet wie für den Center der Predators, der sich blutend auf den Weg in die Kabine machen musste.

Coach Pete DeBoer verteidigte nach der Partie Haley: "Wenn du einen Spieler so an der Bande mit der Schulter checkst, dann musst du dich nicht wundern, wenn du danach eine ins Gesicht bekommst."

Unabhängig davon, ob man sich dieser Meinung anschließen möchte, kommt die Krise der Sharks zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Kurz bevor die Stanley Cup Playoffs beginnen, sollte sich eine Mannschaft in Topform befinden, doch bei den Sharks hapert es an beiden Enden des Eises. In der Verteidigung agierten sie zeitweise so vogelwild, dass ihre beiden Schlussleute Martin Jones, er kassierte die sieben Tore gegen Nashville, und Aaron Dell, der 24 Stunden zuvor gegen die Dallas Stars sechsmal hinter sich die Scheibe aus dem Netz holen musste, nicht zu beneiden sind. San Joses Verteidiger Brent Burns und Paul Martin kamen in den letzten sechs Spielen jeweils auf einen +/-Wert von -9.

Mit Marleau, der drei von den fünf Auswärtstoren der Sharks erzielen konnte, ist es ausgerechnet der zweitälteste Spieler im Kader, der annähernd zu seiner Normalform findet. Der tschechische Center Tomas Hertl wartet seit 13 Spielen auf ein Torerlebnis und Joel Ward kam im gleichen Zeitraum nur auf einen Treffer und einen Assist.

DeBoer sieht darin jedoch keinen Grund zur Panik und verbreitet Optimismus: "Jede Mannschaft macht während einer Saison solche schwierigen Zeiten durch. Nun sind wir halt gerade dran. Wir haben so viel Charakter in unserer Truppe, das überstehen wir."

Am Dienstagabend treten die Sharks zuhause gegen die New York Rangers an (10:30 pm ET), anschließend begeben sie sich auf die Reise in den Westen Kanadas, wo sie neben den Vancouver Canucks auch auf ihre direkten Verfolger, die Edmonton Oilers und Calgary Flames treffen. Danach werden wir wissen, ob die Sharks momentan nur ein kleines Tal durchschreiten oder sich in einem tieferen Abgrund befinden.

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