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Viel Luft nach oben

Das Powerplay der Ottawa Senators steckt in einer Krise und Coach Boucher steht unter Zugzwang

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Am Donnerstag bei der 5-1 Niederlage im Heimspiel gegen die Nashville Predators sprangen zwar keine zählbaren Punkte für die Ottawa Senators heraus, doch einen Befreiungsschlag landeten sie: Die Senators schafften es gegen die Predators doch tatsächlich, eine von sechs Überzahlgelegenheiten erfolgreich abzuschließen. Zuvor blieben die Senators in fünf Partien in Folge im Überzahlspiel glücklos. Bei der 2-1 Heimniederlage gegen die Buffalo Sabres am 5. November war es Mike Hoffmann, der den letzten Powerplayerfolg feiern konnte. Der wegen seines tödlichen Abschlusses gefürchtete Hoffmann verwandelte ein Karlsson/Ryan Zuspiel gekonnt per Handgelenkschuss. Seitdem ließen sie 15 Gelegenheiten erfolglos verstreichen. 

Damit knüpfen die Senators nicht nur an die magere Performance der Vorsaison an, als sie mit 38 Toren bei 259 Überzahlspielen eine Quote von 15,8 erzielten und weit unter dem Ligaschnitt lagen, vielmehr noch kränkelt ihr Überzahlspiel in der laufenden Saison wie nie zuvor. Mit einer Ausbeute von lediglich 9,8 Prozent rangiert Ottawa auf dem vorletzen Platz. Während für die Senators erst fünf Powerplaytore zu Buche stehen, konnten beispielsweise die Philadelphia Flyers bereits 17 Mal einnetzen.

Es ist verblüffend, dass das mit Sniper Hoffmann, Offensivverteidiger Erik Karlsson und den kreativen Mark Stone, Bobby Ryan und Kyle Turris gespickte Team im Powerplay keinen Stich macht. Dabei war es eines der größten Anliegen von Coach Guy Boucher, der im Mai die Nachfolge von Dave Cameron antrat, ein effektives Überzahlspiel bei den Senators zu implementieren. Bereits auf der Pressekonferenz zu seiner Amtseinführung am 9. Mai deckte er seine Pläne auf:

"Ich bin ein Fan von schnellem Powerplay. Dieses System lehre ich schon seit 20 Jahren. Im Powerplay geht vielmehr um Details als bei allem anderen. Ich muss mit den Spielern sprechen. Ich werde nicht hergehen und mir das Powerplay der letzten Saison ansehen und sagen: 'Ich würde dies und jenes besser machen.' Ich habe eine Idee. Ich weiß was ich tun möchte. Ich habe einen Plan. Ich hatte immer Erfolg damit und ich plane damit auch weiterhin Erfolg zu haben."  

Dieser Erfolg wollte sich bisweilen noch nicht einstellen, obwohl mit dem neuen Übungsleiter auch ein ausgewiesener Überzahlexperte im Sommer zu den Senators kam. Derick Brassard, der am 18. Juli in einem Trade von den New York Rangers verpflichtet wurde, sollte das Powerplay befeuern. Im vergangenen Jahr verbuchte der Center 22 seiner 58 Punkte (acht Tore, 14 Assists) in Überzahl, doch dem Powerplay der Senators verhalf er noch nicht zu mehr Durchschlagskraft. Dem 29-jährigen Linksschützen, der neben Stone, Ryan, Karlsson und Hoffman in der ersten Überzahlformationen wirken darf, gelang bisher lediglich ein Assist und ein Treffer.  

Im Umfeld der Senators werden erste Stimmen laut, die ihr Personal im Überzahlspiel in neuen Rollen sehen möchten. Coach Boucher folgte diesen und ließ beim Montagstraining Chris Neil die entscheidende Rolle vor dem Tor einnehmen. Fünfmal wurde er angeschossen, "drei davon haben wehgetan", gab Neil später zu.

Noch schmerzhafter ist nur noch der Blick auf die eigene Überzahlbilanz: 51 Chancen, 4 Tore

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