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Penguins: Junge Wilde zahlen Vertrauen zurück

von Axel Jeroma / NHL.com

Goalie Henrik Lundqvist von den New York Rangers schien bereits früh zu ahnen, in welche Richtung sich der Samstagabend im Consol Energy Center von Pittsburgh entwickeln würde. Als Penguins-Linksaußen Carl Hagelin aus kurzer Distanz das zwischenzeitliche 1-1 erzielt hatte, verdrehte er genervt die Augen, skatete zur Seite und holte ein paarmal tief Luft. Im zweiten Drittel schwoll seine Übellaunigkeit noch weiter an. Viermal flog ein Puck an ihm vorbei ins Netz. Das war nicht nur die Vorentscheidung im fünften Duell zugunsten der Pittsburgh Penguins, sondern in der gesamten Erstrunden-Serie der Playoffs. Resigniert beantragte Lundqvist beim Stand von 2-6 nach 40 Minuten den vorzeitigen Dienstschluss, den ihm sein Trainerstab ohne Widerrede gewährte.

Geradezu euphorisch war dagegen zu diesem Zeitpunkt die Stimmungslage bei den Penguins und ihrem Anhang. Daran änderte sich auch nichts mehr, als man im letzten Abschnitt noch ein Gegentor kassierte. Das 6-3 war eine Demonstration hoher Spielkunst. So wie im Grunde die gesamte Serie der Penguins gegen den Kontrahenten aus New York, der sich in den vergangenen beiden Jahren noch als unüberwindbares Hindernis erwiesen hatte.

Das Wort Revanche nach dem 4-1 in der Serie vernahm man an diesem Abend jedoch nur am Rande – aus gutem Grund. Lediglich sieben Spieler, die vor Jahresfrist gegen die Rangers ausgeschieden waren, standen am Samstag auf dem Eis. Zehn Akteure, die mit dem Sieg in Spiel 5 den Einzug in die zweite Runde der Playoffs klar machten, verdienten in der vergangenen Saison ihr Geld in einer anderen NHL-Organisation oder in der American Hockey League.

Eine große Aktie an dieser Veränderung und damit am Erfolg der Penguins haben General Manager Jim Rutherford und Coach Mike Sullivan. Nachdem Sullivan im Dezember den Platz an der Bande eingenommen hatte, ging es steil bergauf.

Selbst längere Verletzungspausen von Schlüsselspielern wie Evgeni Malkin, Nick Bonino oder Schlussmann Marc-Andre Fleury im Laufe der Saison warfen das Team nicht aus der Bahn. Rutherford und Sullivan reagierten auf diese Malaise nicht etwa mit der Verpflichtung gestandener Profis. Sie schauten sich vielmehr beim Reserveteam um und kommandierten von der dortigen Belegschaft Goalie Matt Murray sowie die Stürmer Tom Kuhnhackl, Conor Sheary und Bryan Rust nach Pittsburgh ab.

Die Entscheidung der sportlichen Leitung, diesen jungen Kräften das Vertrauen zu schenken, erwies sich als goldrichtig. Der Sieg am Samstag lieferte einen letzten Beweis für diese Einschätzung, so er denn überhaupt noch nötig gewesen wäre. Rust schoss zwei Tore und lieferte noch eine Vorlage. Sheary erzielte seinen zweiten Treffer in der Serie und war wie in den vier Spielen zuvor ein Unruheherd für die Rangers. Kühnhackl steuerte einen Assist bei und kam auf eine Bilanz von plus 2. Torhüter Murray wehrte 38 Schüsse ab. Bei seinen drei Einsätzen gegen New York ließ er nur vier von 89 Schüssen passieren.

"Ich wusste, dass die Jungs auf diesem hohen Niveau spielen können. Sie haben uns heute und in der Serie zum Sieg verholfen", lobt Sullivan seine jungen Wilden. "Sie stecken das gesamte Team mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Energie an. Das tut uns allen gut."

"Es fühlt sich großartig an, dass wir uns gegen die Rangers durchgesetzt haben. Wir haben wieder einmal unsere Art Hockey gespielt - schnell und hart. Ich habe heute eine Menge Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben getankt", frohlockte der 23-jährige Rust im Anschluss an die Samstagspartie in den Katakomben. Rust bildet zusammen mit Kühnhackl und Routinier Matt Cullen eine Angriffsreihe. Neun Punkte hat das Trio nach den fünf Erstrunden-Begegnungen auf dem Konto.

Dabei liegt der Fokus in der Stellenbeschreibung dieser Formation gar nicht so sehr auf der Attacke, wie Kühnhackl verrät. "Unsere Reihe ist in erster Linie dafür da, dass wir keine Gegentore bekommen und stabil in der eigenen Zone stehen." Wenn bei diesen Aktivitäten vorne trotzdem etwas Zählbares herausspringt, umso besser.

Der 39-jährige Cullan ist wie Trainer Sullivan angetan von der Leistung seiner Nebenleute und der übrigen jungen Spieler. "Sie sind phantastisch drauf und haben im Grunde unsere Saison gerettet. Es ist gut zu wissen, dass wir diese Tiefe im Kader haben. Das hat uns gerade jetzt gegen die Rangers geholfen", sagt der Center, der 2015 von Nashville nach Pittsburgh wechselte.

Vor den nächsten Aufgaben haben die Penguins erst einmal ein paar Tage Pause. Zeit, die sie zur aktiven Erholung nutzen. Danach wollen sie in der zweiten Playoff-Runde der Eastern Conference wieder für schlechte Laune beim gegnerischen Goalie sorgen – egal wie er heißt.

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