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Gehalten, was versprochen

Conference-übergreifende Spitzenspiele sind immer etwas ganz Besonderes

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Wenn eines der drei punktbesten Teams im Westen gegen eine der drei Mannschaften, die im Osten ganz vorne liegen, antritt, dann handelt es sich um ein sogenanntes 'Spitzenspiel'.

Eine solche Partie weckt im Vorfeld das besondere Interesse der Medien und der Fans, aber auch der Spieler, ist es doch ein Aufeinandertreffen zwischen Kontrahenten, die im Laufe einer langen Saison nur zweimal, einmal zuhause und einmal auswärts, gegeneinander antreten. Schließlich messen in diesen Begegnungen zwei potenzielle Stanley Cup Finalteilnehmer ihre Kräfte, und bei einem Aufeinandertreffen auf Augenhöhe müsste doch Spannung bis zur Schlussminute drin sein?

Gerne würde man daraus auch Rückschlüsse ziehen, welche Conference die stärkere ist. Geht nach einem Erfolg über ein Topteam der anderen Conference ein Ruck durch den Sieger, kann er seinen Höhenflug fortsetzen oder schleicht sich der Schlendrian ein, da die Protagonisten, an folgende, vermeintlich leichtere Aufgaben nicht mehr so konzentriert herangehen?

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Im vergangenen Monat gab es sieben Conference-übergreifende Aufeinandertreffen zweier Spitzenmannschaften, also zwischen zwei Teams, die einen der ersten drei Plätze in ihrer Conference innehaben.

An drei Spielen waren die Chicago Blackhawks, die Washington Capitals und die Minnesota Wild, an zwei die Pittsburgh Penguins sowie die Columbus Blue Jackets und an einem die Anaheim Ducks beteiligt. Ging es dabei wirklich knapp zu?

Eine Partie endete mit einem Tor Unterschied nach der regulären Spielzeit (MIN @ CLB 0-1) und eine weitere wurde erst in der Verlängerung entschieden (WAS @ MIN 5-4 OT).

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Konzentriert gingen die Blackhawks an ihre Herausforderungen heran: Zweimal bezwangen sie die Penguins relativ deutlich, am 1. März zuhause mit 4-1 und am 29. März in Pittsburgh mit 5-1 Toren, und in der Nacht auf Samstag auch noch die Blue Jackets mit 3-1. Chicagos Flügelstürmer Patrick Kane präsentierte sich in jeder dieser Begegnungen hochmotiviert. Drei Tore und fünf Assists waren die beeindruckende Ausbeute des 28-jährigen Flügelflitzers - Kane punktete aber auch in den anderen 13 Partien der Blackhawks im vergangenen Monat mit schöner Regelmäßigkeit (7 Tore, 7 Assists).

Der Art Ross Trophy Gewinner von 2016 misst solchen Spielen schon eine gewisse Bedeutung bei, wie er nach dem Auftritt gegen Columbus NHL.com erzählte: "Das war eine weitere gute Mannschaft aus dem Osten. Es ist eine Messlatte, an der du erkennen kannst, wo man im Vergleich zur anderen Conference steht."

Dank Kane und seiner Blackhawks liegt der Westen mit einer Bilanz von 4-2-1 gegenüber dem Osten vorne.

Die drei Niederlagen kassierten die Wild, die im März mit zwölf Niederlagen aus 16 Spielen (4-10-2) insgesamt den Nachweis schuldig geblieben waren, dass sie sich in Bestform befinden. Ihre Auftritte gegen Washington, in denen sie jeweils im dritten Drittel zu einer Aufholjagd ansetzten, sowie ihr Gastspiel in Columbus, wo Sergei Bobrovsky mit 38 Saves und einem Shutout wieder einen seiner Sonnentage erwischt hatte, zählten dabei noch zu den besseren.

Wild Coach Bruce Boudreau stimmte dem am vergangenen Dienstag zu: "Es wird besser. Wenn du gegen die Mannschaft mit der besten Defensive in der Liga zwei Tore in den letzten fünf Minuten schießt, dann gibt das Grund zur Hoffnung."

Es ist durchaus vorstellbar, dass die starke Vorstellung der Wild gegen den Ligaprimus Einfluss auf die Psyche der Spieler hatte. Auf jeden Fall beendeten sie 48 Stunden später mit einem 5-1 Triumph gegen die Ottawa Senators eine Niederlagenserie von vier Spielen.

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Der vierte Sieg des Westens gelang den Anaheim Ducks in ihrer Heimpartie gegen Washington am 12. März. Mit 5-2 Toren gaben sie den Capitals das Nachsehen. Randy Carlyle sagte anschließend: "Wir gingen mit viel Energie in diese Begegnung. Das war vom Eröffnungsbully an zu spüren." Zum Matchwinner avancierte Corey Perry mit zwei Treffern und einem Assist. In den letzten neun Partien bis Ende März gelangen dem 31-jährigen Rechtsaußen sechs Tore und zwei Vorlagen, in den neun Partien zuvor waren es ein Treffer und zwei Vorlagen gewesen.

Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass ein erfolgreich bestrittenes 'Spitzenspiel' auch Einfluss auf den weiteren Saison-, und vielleicht sogar auf den Playoffverlauf, eines Teams haben kann.

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