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Niederreiter kann positiv nach vorne blicken

von Bernd Roesch / NHL.com

Vor Saisonbeginn galten die Minnesota Wild für einige, und ich schließe mich mit ein, als Geheimfavorit in der Western Conference.

Man ging zwar nicht davon aus, dass sie am Ende der regulären Saison in der Tabelle ganz oben stehen würden, doch dass sie das Potenzial dazu haben in den Playoffs den einen oder anderen Titelaspiranten ein Bein zu stellen, davon war man überzeugt.

Die Wild sind aktuell weit davon entfernt, eine solche Gelegenheit überhaupt wahrnehmen zu können. Das Team liegt auf dem drittletzten Tabellenplatz mit acht Punkten Rückstand auf die zweite Wildcard im Westen. Dabei hatte die Spielzeit 2014/15 für sie, mit sieben Siege in den ersten zehn Partien, ganz gut begonnen.

Anschließend ging es stetig bergab. Im November konnten sie immerhin noch die Hälfte ihrer Partien gewinnen.

Ab Mitte Dezember mussten sie dann ihre erste längere Niederlagenserie wegstecken. Fünfmal in Folge, dreimal davon unglücklich erst nach Verlängerung, verließen sie das Eis als Verlierer.

Zuversicht, dass es im Neuen Jahr besser wird, hatte auch der Schweizer Jungstar Nino Niederreiter, der sich zum Jahreswechsel kämpferisch zeigte. Prompt gelang ihm am 2. Januar in der Heimpartie gegen die Toronto Maple Leafs ein Scorerpunkt beim 1-0 Führungstreffer von Kyle Brodziak.

Zuvor hatte der 22-jährige Schweizer sechs Partien hintereinander nicht mehr gepunktet.

Bis Ende Dezember war der Churer mit 14 Treffern noch Minnesotas Toptorjäger gewesen.

Was ihn aber damals schon stark geärgert hat, war seine negative +/-Bilanz von -11, der schlechteste Wert unter allen seinen Teamkollegen. "Ich bin im Minus und das ist wirklich sehr frustrierend. Ich fühle mich nicht so schlecht, sondern denke, dass ich gut und viel nach hinten arbeite."

Niederreiter hätte es sicher leichter, wenn er öfters in der zweiten Sturmformation auflaufen dürfte.

Sein Trainer Mike Yeo begründet die Entscheidung, ihn dort weniger einzusetzen, folgendermaßen: "Natürlich ist es leicht nur das Gute zu sehen, was ein Spieler in einem Spiel macht, doch ich möchte sicher gehen, dass er sich weiterentwickelt.

Wir betrachten das Ganze und es gibt eben einige kleine Dinge, die noch verbesserungswürdig sind, die wir sie so wie sie sind nicht sehen möchten. Dementsprechend arbeiten wir daran, dass er immer besser wird."

Dass dieses Vorhaben gelingen wird, daran gibt es so gut wie keine Zweifel. Der flinke Rechtsaußen hat so viel spielerisches Potenzial, dass er als erster Schweizer Stürmer, der sich in der NHL etablieren kann, in die Eishockeygeschichte eingehen wird.

Er selbst weiß es auch, dass es im Leben eines Sportlers immer wieder Up und Downs gibt. Momentan läuft es eben nicht so gut. Die Heimpartie der Wild gegen die Blue Jackets in der Nacht von Montag auf Dienstag war symptomatisch für den gesamten Saisonverlauf:

Zuerst verschoss Zach Parise im Mittelabschnitt beim Stande von 1-1 einen Penalty, anschließend klebte auch Niederreiter das Pech am Schläger, als er nur den Pfosten traf.

Obwohl die Wild das aktivere Team waren verloren sie am Ende die Begegnung mit 1-3.

Kurz vor der Weihnachtspause hatte Niederreiter in einem Interview mit der lokalen Presse noch einmal erklärt, dass es an der Zeit sei ein neues Kapitel aufzuschlagen:

"Wir müssen jetzt nach vorne schauen. Es sind noch 50 Spiele (zum damaligen Zeitpunkt) zu bestreiten und nun gilt es alles daran zu setzen, dass wir noch einen Playoffplatz ergattern."

Es folgten sechs weitere Niederlagen, in denen die Wild nur zehn Tore schossen, aber insgesamt 29 Gegentreffer kassierten. Nino Niederreiter gelangen im Januar vier Assists.

Das, was seinem Trainer aber besonders gefallen dürfte: Der +/-Wert des Schweizers hat sich, trotz der teilweise herben Niederlagen, nur um -1 verschlechtert. Auch aus ihrem gestrigen Auftritt in der Joe Louis Arena von Detroit können die Wild Mut schöpfen. Sie unterlagen zwar den Red Wings nach Penaltyschießen mit 4-5, konnten aber im Schlussabschnitt der regulären Spielzeit einen 3-Tore Rückstand aufholen.

Mitten in der Krise wurde auch schon die Frage gestellt, ob der Trainer das Team überhaupt noch erreichen kann. Das Detroit-Spiel lässt den Schluss zu Ja. Nach der Niederlage gegen Columbus hatte Yeo von seinen Spielern gefordert, häufiger zu schießen. Gegen Detroit suchten die Wild 38 Mal den Abschluss und wurden am Ende mit einem Zähler belohnt.

Nino Niederreiter schoss in dieser Partie dreimal auf das gegnerische Gehäuse, nur Wilds Kapitän Parise (8 Schüsse) und Thomas Vanek (6 Schüsse) waren noch aktiver als der sympathische Schweizer, dem in seinem Heimatland alle Fans kräftig die Daumen drücken, dass es in naher Zukunft für ihn und sein Team wieder aufwärts geht.

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