Skip to main content

Kanadische NHL-Teams sind auf dem Vormarsch

NHL Pulse: Nach einer Schwächephase mischen die Mannschaften aus dem Mutterland des Eishockeys die Liga auf

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

In der Rubrik "NHL Pulse" beleuchtet NHL.com/de an jedem Montag aktuelle Themen, Diskussionen und Entwicklungen der Saison 2018/19, die im Hintergrund des Spielgeschehens liegen.

Heute geht es um die Rolle der NHL-Teams aus Kanada.

Die sieben NHL-Klubs aus dem selbsternannten Mutterlands des Eishockeys, aus Kanada, gelten traditionell als wichtige Zugmaschinen der gesamten Liga mit ihren insgesamt 31 Mannschaften. Auch in Europa erfreuen sich viele dieser Organisationen, trotz der großen Übermacht aus den USA, seit langem großer Beliebtheit bei den Eishockeyfans. 

Ihre wirtschaftliche Bedeutung für die Liga ist hingegen seit Jahren in einem stetigen Sinkflug begriffen. Neue NHL-Standorte südlich der Grenze, die früher von vielen als sehr kritisch angesehen wurden, da viele von ihnen an unkonventionell erscheinenden Plätzen etabliert wurden, konnten sich im Laufe der Zeit mehr und mehr erfolgreich einen festen Namen machen. 

Die Nashville Predators (SC-Finalteilnehmer 2017) und die Los Angeles Kings (Champions 2012 und 2014) sind in der jüngsten Vergangenheit durch ihre ausgesprochen große Fan-Unterstützung aufgefallen. Unvergessen die Begeisterungswellen, die sich rund um die Kings und die Predators aufgebaut haben, als diese zu ernsthaften Titelkandidaten wurden. Die Stanley Cup-Paraden der Kings erfreuten Hunderttausende in der Downtown der Filmmetropole. Die Public Viewing-Veranstaltungen am Broadway in Nashville sind heute noch legendär. Nur wenige Jahre zuvor war beides so gar nicht vorstellbar.

Auch die Erfolgsgeschichte der Vegas Golden Knights, erstmals im Oktober 2017 in der Liga angetreten, ist aus den Stanley Cup Playoffs im Frühsommer 2018 bestens in Erinnerung. Dort entstand auf Anhieb eine Begeisterung für das jüngste Team der NHL-Familie, die viele im Vorfeld nicht für möglich gehalten hätten.

Orte, an denen früher nicht ernsthaft mit Eishockey von Weltformat gerechnet werden konnte, sind längst fest etabliert, wie zudem ein Blick zu den Tampa Bay Lightning oder den Anaheim Ducks zeigt. Die Liste ließe sich leicht weiter fortsetzen. 

Der großen Beliebtheit der, nach dem Umzug der Atlanta Thrashers nach Winnipeg im Jahre 2011, sieben Klubs aus Kanada hat dies auf der anderen Seite keinerlei Abbruch getan. 

Die Montreal Canadiens, die Edmonton Oilers und die Toronto Maple Leafs stehen unverändert hoch in der Gunst der Eishockeytraditionalisten. Die Calgary Flames, die Winnipeg Jets und Vancouver Canucks haben weltweit ebenfalls eine große Fanbasis.

Lediglich die Ottawa Senators tun sich von den sieben Kandidaten noch immer etwas schwer, wenn es um den Aufbau einer großen eigenen Fangemeinde vor Ort und überregional geht. Als einziges Team hatten die Senators wiederholt Schwierigkeiten alle verfügbaren Tickets ihrer Playoff-Heimspiele 2017 erfolgreich an den Mann oder die Frau zu bringen. Dies ist in diesem Kreis allerdings die Ausnahme.

Kein Wunder also, das vielen Eishockeyfans in Anbetracht dieser großen Beliebtheit regelrecht das Herz aufgeht, wenn sie zum Jahreswechsel auf die Tabellen der NHL-Divisionen schauen. 

 

[Ähnliches: Sven Bärtschi mit gelungenem Comeback]

 

Bis auf die zurzeit im sportlichen Neuaufbau befindlichen Senators konnten sich alle Kandidaten aus dem Mutterland des Eishockeys in aussichtsreichen Positionen beim Kampf um einen Playoff-Platz festsetzen. Vieles deutet Ende 2018 darauf hin, dass die Playoffs im kommenden April eine besonders kräftige Portion Würze aus Kanada erhalten werden.

Nach einem Jahrzehnt, in denen das Abschneiden dieser Mannschaften insgesamt eher enttäuschend verlief, sind das die guten Nachrichten für Millionen von Eishockeyfans in aller Welt. 

Alle kanadischen Franchise durchliefen in den vergangenen Jahren einen vollständigen Neuaufbau des Kaders. Lediglich den Vancouver Canucks gelang es von den Sieben im Jahre 2011, als das Team in den Finalspielen um den Stanley Cup am Ende den Boston Bruins in der Serie mit 3:4 unterlag, in der KO-Phase einmal intensiver auf sich aufmerksam zu machen. Kein anderer Verein aus dem Norden machte sich ansonsten in den letzten Jahren ernsthafte Gedanken um einen möglichen Titelgewinn. 

Diese lange Phase der sportlichen Bescheidenheit geht offensichtlich zu Ende. Der überraschende Einzug in das Western Conference Finale 2018 durch die Jets, wo sie den Golden Knights unterlagen, dürfte diesbezüglich mit hoher Wahrscheinlichkeit nur ein erster Vorgeschmack des Erfolges für Kanada gewesen sein. 

Nicht unwahrscheinlich, dass schon bald wieder ein Stanley Cup-Sieger aus dem Eishockeymutterland kommt. Es wäre das erste Mal seit 1993, als letztmalig die Canadiens den heiß begehrten Cup in die Höhe stemmen durften.

Bei drei Klubs (Toronto, Calgary und Winnipeg) bestehen zum Jahresbeginn 2019 kaum ernsthafte Zweifel an einer kommenden Endrundenteilnahme. Edmonton, Vancouver und Montreal haben zumindest realistische Chancen unter die 16 Teams zu kommen, die nicht schon Mitte April in den sprichwörtlichen Golf-Urlaub gehen müssen. Lediglich in den Reihen der Senatos dürften nur die allergrößten Berufsoptimisten auf die nächsten Playoffs im April schielen.

Die Kollegen des kanadischen TV-Senders 'TSN' haben sich vor einigen Tagen einmal die Mühe gemacht und den zu erwartenden Ausgang der laufenden Hauptrunde anhand verschiedener statistischer Modelle komplett berechnet. Dementsprechend besteht, nach knapp der Hälfte aller zu absolvierenden Hauptrundenspiele, eine statistische Chance von rund 75%, dass mindestens vier der sieben Kandidaten am Ende den Einzug in die Playoffs bewerkstelligen werden. Immerhin zu rund 28% Wahrscheinlichkeit wird es den Kollegen zur Folge sogar einen fünften Teilnehmer aus diesem kleinen Kreise geben.

Eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu vielen Vorjahren. In 2017/18 waren es lediglich zwei Teilnehmer aus Kanada (Jets, Maple Leafs), von denen nur Winnipeg die erste Runde erfolgreich überstand. In der Saison 2015/16 gingen die KO-Spiele in der NHL gar komplett ohne Beteiligung aus dem Norden Amerikas über die Bühne.

Diesmal wird das sehr wahrscheinlich völlig anders sein. Zudem haben zumindest Toronto und Winnipeg durch die jüngsten Entwicklungen und Erfolge ernsthafte Titelambitionen entwickelt. Beide Organisationen zählen zum engeren Favoritenkreis. 

Das Titelrennen um Lord Stanleys Cup in der Saison 2018/19 verspricht, dank des Wiedererstarkens der kanadischen Mannschaften, besonders spektakulär zu werden. In Anbetracht dieser zweifelsohne erfreulichen Aussichten dürfen wir uns gleich noch mehr auf die kommenden Wochen und Monate freuen!

Mehr anzeigen

Die NHL verwendet Cookies, Web Beacons und andere ähnliche Technologien. Durch die Nutzung der NHL Websites oder anderer Online-Dienste stimmen Sie den in unseren Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen beschriebenen Praktiken einschließlich unserer Cookie-Richtlinien zu.