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Nach guter Premiere will Athanasiou mehr

von Nicholas Cotsonika / NHL.com

DETROIT -- Andreas Athanasiou hat damit begonnen sich bei den Detroit Red Wings einen Namen zu machen, auch wenn aktuell noch immer nicht alle diesen überhaupt richtig aussprechen können.

In Spiel 1 der ersten Eastern Conference Playoffrunde parierte Tampas Torhüter Ben Bishop im dritten Drittel zweimal herausragend. Im Gespräch mit der Tampa Bay Times nach der Begegnung hatte er keine Schwierigkeiten den Namen des Spielers zu benennen, den er zuerst stoppte: Brad Richards.

"Der Zweite" sagte Bishop "war 'Happy to See You.' (‘Schön Dich zu sehen’)"

Wer?

"Wie spricht man den aus?" fragte Bishop.

Ah-tha-nah-SEE-you.’, wurde ihm gesagt.

"Ja, der war das." bestätigte Bishop mit einem Lächeln.

Und Bishop war nicht gerade glücklich, als er Athanasiou in Spiel 3 dann wiedersah.

Athanasiou, der damit aufwuchs sich Youtube-Videos seines zukünftigen Teamkameraden Pavel Datsyuk anzuschauen, um sich vor einem Spiel so richtig emotional aufzupumpen, gab sein Bestes im ersten Drittel, umkurvte Verteidiger Jason Garrison zunächst auf der einen Seite, verlud ihn dann anschließend vollends, so dass dieser auf die Knie sank. Und obwohl Athanasiou den sehenswerten Spielzug letztendlich dann nicht mit einem Treffer abschließen konnte, gelang es ihm Bishop im zweiten Drittel dann noch zu bezwingen. Die Red Wings siegten letztendlich mit 2:0. Es war der einzige Erfolg für sie in der Serie.

Die Red Wings erreichten die Playoffs 25 Mal in Serie, verloren zuletzt aber dreimal in Folge, und vier von fünf Jahren, in der ersten Runde. Ob es ihnen gelingen kann demnächst wieder deutlich länger bei den Playoffs mitzumischen, das wird in erster Linie von Entwicklung ihrer jungen Talente abhängen. Darunter eben auch Athanasiou.

Athanasiou, ein Viertrundendraftpick aus dem NHL-Draft des Jahres 2012 (Nr. 110), der am Samstag 22 Jahre alt wird, machte bei seiner begrenzten Eiszeit in seiner Premierensaison schon einigen Eindruck. Er erzielte neun Tore und fünf Assists in seinen ersten 37 Hauptrundenspielen. Seine durchschnittliche Eiszeit lag dabei bei 9.01 Minuten, was ihm in der Stunde eine durchschnittliche Trefferquote 1.62 Toren und 2.52 Punkten bescherte. Mannschaftsintern beides Bestwerte.

Seine Aktionen fanden sich regelmäßig auf den Zusammenschnitten der Highlights. So auch am 29. Februar gegen die Dallas Stars, als er Verteidigerroutinier Johnny Oduya spektakulär ausspielte und Torhüter Antti Niemi mit einer Rückhand letztendlich keine Chance ließ. Es war sein zweiter Treffer in diesem Spiel, welches letztendlich mit 3:2 gewonnen werden konnte.

Natürlich fragte man sich so, warum Athanasiou nicht mehr Spielzeit bekam.

“Das ist natürlich eine schwierige Situation.” sagte auch er selber am Montag, als er mit Kindern beim Red Wings Jugendcamp in der Joe Lewis Arena arbeitete. „Mit der Mannschaft die wir haben, mit so vielen zuverlässigen Spielern im Kader, da ist es nicht einfach allen gerecht zu werden. Da muss man die Reihen einigermaßen flexibel gestalten. Ich denke, das ist uns insgesamt ganz gut gelungen. Leider hat es für mich persönlich nicht zu mehr Eiszeit gereicht. Aber ich beschwere mich nicht. Natürlich hätte ich gerne mehr gespielt, aber ich habe meinen Fuß jetzt in der Tür.“

Stellt sich die Frage, ob es in der neuen Saison größere Spielanteile sein werden. Zumal die Red Wings ein Überangebot an Stürmern haben und sie in der Vergangenheit grundsätzlich viel Geduld mit jungen Talenten bewiesen haben.

Er hat dabei allerdings zwei grundlegende Eigenschaften vorzuweisen, die man nicht lernen kann: Geschwindigkeit und Talent. Nun gilt es für ihn mehr Konstanz in allen Bereichen zu erreichen, sich das Vertrauen seines Trainers auch in der Defensive zu verdienen. Dann wird er auch in mehr Situationen eingesetzt werden, wenn es zu einem erneut harten Kampf um die Playoffs kommen dürfte. Die Eiszeit muss er sich verdienen, und sein Coach Jeff Blashill muss ihm die Chance dazu geben.

„Ich bin in der glücklichen Lage mit einer Grundschnelligkeit ausgestattet zu sein.“ so Athanasiou. „Der Rest wird dazu kommen. Die Grundlagen sind da, den Rest werde ich mir mit harter Arbeit nach und nach erarbeiten.“

Ein paar Dinge darf man dabei nicht vergessen:

Als erstes, ist es natürlich längst nicht sicher, dass eine Ausweitung seiner Spielanteile dann auch automatisch damit verbunden ist, dass er seine gute Punkte- und Trefferquote ebenfalls entsprechend mit ausweiten kann.

Die einzigen Spieler mit einer besseren Quote als 1,62 Tore in 60 Spielminuten, welche auch mehr als 37 Spiele gespielt haben, sind Alexander Ovechkin von den Washington Capitals (1,87), welcher die Rocket Richard Trophy als bester Torjäger der Liga (50 Treffer) erhielt, und Patrick Kane von den Chicago Blackhawks (1,65), der die Art Ross Trophy gewann (46 Tore, 106 Punkte).

Ist Athanasiou wirklich schon so gut? Oder wird er dann aus der Spitzengruppe herausfallen?

Die Liste der Spieler mit mehr als 2,52 Punkten in 60 Spielminuten und mehr als 37 Saisonspielen ist länger, aber sie besteht aus echten Stars, Veteranen und jungen Spielern wie Artemi Panarin von den Chicago Blackhawks. Und Connor McDavid von den Edmonton Oilers.

Doch auch wenn Athanasiou diese Zahlen nicht würde halten können, wenn er mehr eingesetzt würde, hätten die Red Wings wohl durchaus Grund ihn mehr einzusetzen.

Doch GM Ken Holland und seine Trainer haben junge Spieler zuletzt schon nicht automatisch in Führungsrollen gesteckt. Und ohne einen grundsätzlichen Auftrag zum Neuaufbau des Teams wird sich daran so schnell wohl auch nichts ändern.

Die Red Wings haben sich von Datsyuk und Richards getrennt, haben aber mit Darren Helm behalten und die Stürmer Frans Nielsen und Thomas Vanek geholt (Sie haben auch Steve Ott verpflichtet, aber Ott wird wohl um einen Platz in der 4. Reihe kämpfen. Und das dürfte Athanasiou vermutlich nicht betreffen, da dieser wohl für die ersten neun Plätze in Frage kommen dürfte.) Solange die Red Wings also keinen weiteren Stürmer für einen Verteidiger tauschen, bleibt es also bei einem Überangebot an Offensivkräften.

Athanasiou kann also nichts als selbstverständlich betrachten. Er muss, wie er selbst sagte, hart an sich arbeiten um ‚jede Nacht in Topform zu agieren‘. Wenn ihm das gelingt, dann kann aus ihm eine feste Größe werden. Und Blashill muss ihm den entsprechenden Raum zum Wachsen geben.

Am Montag wussten die Teilnehmer am Jugendcamp schon wer Athanasiou war. Kein Zweifel, dass einige von ihnen wohl auch schon seine Highlights auf Youtube betrachtet haben, so wie er selber es damals mit Datsyuk tat.

„Vielen von Ihnen kamen direkt auf mich zu und begrüßten mich.“, bestätigte Athanasiou.

Und vielleicht können im nächsten Jahr dann auch noch mehr Leute seinen Namen schon richtig aussprechen.

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