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Moritz Seider berichtet über seine Eindrücke (3. Ausgabe)

Der junge deutsche Verteidiger erzählt in seinem Blog, wie es ihm in seiner ersten Saison in den USA ergeht

von Moritz Seider @NHLde / exklusiv für NHL.com/de

Moritz Seider war selbst überrascht, als er beim NHL Draft 2019 schon an sechster Stelle von den Detroit Red Wings gedraftet wurde. Deren General Manager Steve Yzerman wollte sich die Dienste des deutschen Verteidigers unbedingt sichern. Seitdem versucht Seider, der in der vergangenen Saison mit den Adlern Mannheim die deutsche Meisterschaft feierte, sein Glück in Nordamerika, musste allerdings nach den Trainingscamps zunächst ins Farmteam zu den Grand Rapids Griffins. In einer regelmäßigen Kolumne wird Seider exklusiv für NHL.com/de über seine erste Saison in Nordamerika berichten.

Hier die dritte Ausgabe:

Gestern war Thanksgiving hier in den USA. Bei dieser Gelegenheit wird in fast allen Familien ein großes Fest gefeiert. Es war sehr schöner Tag für mich, denn die älteren Spieler und deren Frauen haben uns jüngere Spieler zu einer Feier eingeladen. Das hat mich unheimlich gefreut. Wir haben zusammen Football geschaut und es gab natürlich einen großen Truthahn. Wir hatten dabei die Gelegenheit, auch einmal über andere Dinge als Eishockey zu reden.

Ich habe Thanksgiving zum ersten Mal hautnah in den USA miterlebt. In Deutschland hatte ich nur davon gehört, wie der Tag gefeiert wird und was so die Traditionen sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass es viel Football gibt, viel gequatscht wird und man sehr viel zu essen bekommt.

Am Black Friday versuche ich auch das ein oder andere Schnäppchen zu machen, obwohl wir ein Spiel haben und ich nicht überall herumfahren kann. Aber online werden ich sicher zuschlagen. Ich bin nämlich ein Shopping-Typ, muss ich gestehen. Ich freue mich daher, den Black Friday jetzt mal in den Staaten zu erleben. Im Vergleich zu Deutschland ist das ein himmelweiter Unterschied. In den USA hat das ganz andere Ausmaße.

Ich suche eigentlich nichts Bestimmtes, sondern schaue einfach was es gibt und entscheide mich dann spontan. Vielleicht finde einen besseren Fernseher oder passende Einrichtungsgegenstände für mein Appartement.

Grand Rapids ist eine eher ruhige Stadt. Wenn man in Deutschland in die Innenstadt geht, findet man viele kleine Läden und Cafés, in denen man sich mal gemütlich hinsetzen kann. Das fehlt mir hier ein wenig. Die Downtown ist geprägt von vielen Büros und großen Gebäuden. Dazu gibt es einige Shopping-Center.

Was mir noch auffällt ist: Viele Menschen in der Gegend sind sehr religiös sind und verbringen viel Zeit in der Kirche. Sogar wir haben einen eigenen Priester im Team, der uns zweimal im Monat besucht. Das ist schon cool, was man in einem anderen Land so alles mitbekommt.

Es gibt einige Leute im Team, die uns auf kulturelle Unterschiede hinweisen. Unsere Managerin ist immer ansprechbar für uns und kümmert sich wirklich super um uns. Sie ist so eine Art Ersatzmama. Allein in einem anderen Land und auf einem anderen Kontinent zu leben, ist ja nicht immer einfach. Aber alle haben ein offenes Ohr. Das schätze ich sehr.

Bei all dem kommt mir entgegen, dass ich relativ gut Englisch sprechen. Das Fach hat mich in der Schule schon immer sehr interessiert, weil es die Weltsprache ist. Aber auch das letzte Jahr bei den Adler Mannheim hat mir dabei unheimlich geholfen, weil wir viele Ausländer im Team hatten. Wenn man jeden Tag gezwungen wird, Englisch zu sprechen, lernt man umso mehr. Ich merke, dass es jeden Tag besser wird. Aber trotzdem bin ich froh, wenn ich zwischendurch ein bisschen Deutsch mit Freunden oder der Familie reden kann.

Im sportlichen Bereich läuft es weiter gut für mich. Ich habe mein erstes Tor geschossen und es war gleich der Gamewinner. Es fiel etwas glücklich, weil ich direkt von der Strafbank kam und den Konter einfach mitgegangen bin. Ich musste den Pass nur noch über die Linie drücken. Es ist komisch, aber man baut sich mit der Zeit Druck auf, um sein erstes Tor in der neuen Liga zu machen. Deswegen ist mir danach eine Last von den Schultern gefallen.

Punkte sind zwar nicht alles, aber es ist schön, wenn man als Verteidiger dem Team dadurch helfen kann. Von daher war das Spiel gegen San Antonio sicher eines meiner besten bisher, weil mir außerdem noch ein Assist gelungen ist und wir gewonnen haben.

Ganz besonders freue ich mich darauf, dass es im Dezember für mich nach Europa zur Junioren-Weltmeisterschaft geht und ich dort die Jungs aus der Nationalmannschaft treffen und mit ihnen spielen darf. Ich bin glücklich, dass mir die Red Wings die Freigabe erteilt haben. Vor der WM kann ich noch ein paar Tage zu Hause verbringen. Das wird mir sicher guttun. Ich habe dadurch die Möglichkeit, Weihnachten mit meiner Familie bei den Großeltern in Erfurt zu verbringen.

Als wir letztes Jahr den Aufstieg geschafft haben, hat sich ganz Eishockey-Deutschland darüber gefreut. Es ist einfach etwas anderes, wenn man in der Top-Division dabei ist und gegen die USA, Kanada, Schweden oder Russland spielt. Wir haben jetzt die Gelegenheit dazu und wollen versuchen, den ein oder anderen Gegner zu ärgern.

Unser klares Ziel ist der Klassenerhalt, aber am liebsten würden wir ins Viertelfinale kommen. Viel wird auf die ersten Spiele gegen die USA und Tschechien ankommen. Da müssen wir von Anfang an als Team alles geben. Dann kann die Reise ganz weit gehen.

Toll für mich ist, dass mein Mitbewohner und Mitspieler Joe Veleno wahrscheinlich für Kanada auflaufen wird. Wir haben uns schon intensiv darüber unterhalten, dass es sicher lustig wird, gegeneinander anzutreten.

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