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Mit den San Jose Sharks ist immer mehr zu rechnen

von Stefan Herget / NHL.com

Als es vor dem Beginn der Playoffs um Kandidaten für den Gewinn des Stanley Cups ging, wurden die üblichen Verdächtigen, wie Chicago Blackhawks oder Los Angeles Kings, auch die Anaheim Ducks genannt. Diese Mannschaften sind aber nach der ersten Runde bereits im Sommerurlaub oder deren Spieler bereiten sich auf die IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft vor.

Die entstandene Lücke müssen nun andere schließen und in den Fokus spielt sich immer mehr eine Mannschaft, die seit Jahren versucht in den Playoffs für Furore zu sorgen, doch die KO-Runde galt bislang wahrlich nicht als Stärke der San Jose Sharks.

In den Jahren 2008 bis 2011 wurden die Kalifornier vier Jahre in Folge Pacific Division Champion, 2008 gewannen sie sogar die Presidents Trophy für das punktbeste Team der regulären Saison. Doch mehr als zwei Einzüge in das Western Conference Finale 2010 (0-4 gegen Chicago) und 2011 (1-4 gegen Vancouver Canucks) sprang für die Haie in der Post-Lockout Ära noch nicht heraus. Zumeist war in der ersten oder zweiten Runde Endstation.

In diesem Jahr sieht es so aus, als wenn erneut das Conference Finale winkt. Am Sonntag stellten die Sharks das 2-0 in der Serie gegen die Nashville Predators her und es deutet einiges darauf hin, dass es für ihre Gegner sehr schwer werden wird, das Endergebnis noch zu ihren Gunsten zu drehen.

San Jose fährt mit dieser Führung im Rücken gestärkt nach Nashville, zumal sie im bisherigen Saisonverlauf auswärts besser agiert haben als zu Hause. Mit einer Bilanz von 28-10-3 waren sie das beste Team in der Fremde während der regulären Saison noch vor den Washington Capitals und mit 18-20-3 die drittschlechteste Heimmannschaft knapp vor Vancouver und der Colorado Avalanche.

Aber nur der Trend auf Reisen setzte sich in den Playoffs bisher fort. In der ersten Runde gegen die Kings gewannen die Sharks alle drei Auftritte im Staples Center und verloren nur einmal zu Hause im SAP Center, das heißt haben hier an Effektivität hinzugewonnen. Wer kann Nashville da schon viel Hoffnung auf eine Wende, beginnend am Dienstag (9 p.m. ET; USA, SN360, TVA Sports; Mi. 3:00 Uhr MESZ) in der Bridgestone Arena machen?

"Es ist gut zu wissen, dass wir diese [Führung in der Serie] haben, aber das garantiert noch gar nichts", sagte Sharks Torjäger Joe Pavelski, der bereits sechs Tore in den Playoffs erzielt hat. "Als wir in die Playoffs gestartet sind, gab es viel Gerede über unsere Heimbilanz. Wir sind nur auf das Eis, haben hart gespielt, die Fans waren großartig, brachten viel Energie in das Gebäude. Es ist gut ein paar Siege zu sehen."

Doch Pavelski weiß, dass Nashville heiß sein wird nach drei Auswärtsspielen inklusive Spiel 7 gegen die Anaheim Ducks nach Hause zurückzukehren und einen großen Kampf zu liefern. "Wir wissen, dass diese Serie nur noch intensiver wird", sagte er. "Diese Jungs kommen nach Hause. Sie waren eine Zeit lang unterwegs. Wir müssen unser Schicksal in die Hand nehmen und besser spielen als wir es heute getan haben."

In der Tat waren die Predators sehr nahe dran, die Serie durch einen Erfolg auszugleichen, denn sie waren über weite Strecken das überlegene Team. Doch die Effektivität und Abgeklärtheit der Sharks schlug eiskalt zu.

Dabei auffällig das Powerplay. San Jose hat bei drei von fünf Möglichkeiten in Überzahl in dieser Runde zugeschlagen und insgesamt mit der ersten Serie gegen Los Angeles liegt die Erfolgsquote bei 30,8 Prozent. Spitzenwert unter den in den Playoffs verbliebenen acht Mannschaften.

Für Nashville heißt es also, hart zu spielen und vollen Einsatz zu zeigen, aber von der Strafbank fern zu bleiben. Kein leichtes Unterfangen. Noch ärgerlicher sind die dummen Strafen. So kassierten die Predators am Sonntag das 0-1 durch Logan Couture 33 Sekunden, nachdem sie wegen zu vieler Spieler auf dem Eis bestraft wurden. Der Schweizer Roman Josi versuchte die Szene noch vergeblich zu retten, indem er sich kurioserweise auf die fremde Spielerbank begab.

Nashville Verteidiger Mattias Ekholm traf in der 53. Minute zum 1-1 Ausgleich. Dieser war zwar aufgrund des Torschussverhältnisses von 39 zu 25 zu Gunsten der Gäste nicht unverdient, doch Pavelski brachte in der 58. Minute die Hausherren erneut in Führung.

"Ich glaube wir waren heute Abend das bessere Team da draußen", sagte Ekholm. "Besonders im Zweiten, spät im Ersten und im Dritten. Wir waren mindestens so gut wie sie heute. Sie hatten ein glückliches Tor am Ende … Wir sollten Hoffnung daraus schöpfen, wie wir heute gespielt haben."

Der 25-jährige Schwede weiß aber, was nötig sein wird, um gegen die Sharks bestehen zu können. "Unter dem Strich müssen wir ein paar Tore mehr schießen", verdeutlichte Ekholm. "Du gewinnst keine Eishockeyspiele, indem du ein oder zwei Tore schießt."

Um Sharks Torhüter Martin Jones, der gestern 37 Saves zeigte ernsthafter in Gefahr zu bringen, muss auch das Powerplay der Predators besser funktionieren. Sie ließen am Sonntag drei Gelegenheit ungenutzt und haben in den Playoffs nur zwei Tore in 31 Überzahlsituationen erzielt.

"Ich denke wir haben bei 5 gegen 5 ein gutes Spiel gezeigt", sagte Josi. "Es spielt keine Rolle, wer 2-0 vorne oder 2-0 hinten liegt. Man braucht vier Siege um zu gewinnen, also ist ein Saisonende noch weit weg."

Sollten die Sharks allerdings ihre Auswärtsstärke mit Siegen fortsetzen und die Serie zumachen, dann wird ihr bereits gesetztes Ausrufezeichen, das mit ihnen im Kampf um den Stanley Cup durchaus ernsthaft zu rechnen ist, noch dicker und größer.

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