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So fühlt sich kein Verlierer an

Die Maple Leafs sind gegen Washington ausgeschieden, doch die Zukunft gehört ihnen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Millionen Eishockeyfans, ob in den Stadien, live vor dem TV oder dem Computer, waren begeistert von der Eastern Conference Erstrundenserie zwischen den Toronto Maple Leafs und den Washington Capitals. Das vermeintlich ungleiche Duell zwischen dem haushohen Favoriten aus der US-Hauptstadt und jener Mannschaft, die sich erst am letzten Spieltag der regulären Saison ihrer Playoffteilnahme sicher sein konnte, bot den Zuschauern spannende, prickelnde Partien, die sie in den Bann zogen und vor der sie keine Sekunde lassen wollten.

Die kurzen Spielpausen aufgrund von Werbeunterbrechungen kamen nicht nur den Protagonisten auf dem Eis sehr willkommen, sie dienten auch der Entspannung des Publikums von diesem Thriller. Die Kontrahenten trugen ihren Anteil dazu bei, dass in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2017 18 Partien erst in der Verlängerung entschieden wurden. Fünf der sechs Aufeinandertreffen zwischen Washington und Toronto endeten Unentschieden nach der regulären Spielzeit. Das junge Team von Headcoach Mike Babcock überbot damit bei Weitem die in sie gesetzten Erwartungen, obwohl sie mit 2-4 Siegen den Kürzeren zogen.

Allzu oft wird am Ende eines sportlichen Wettbewerbs nur dem Sieger die Achtung des Umfelds zuteil, der Unterlegene wird allzu schnell vergessen. Der Gewinner erntet das gesamte Lob und in seinem Glanze sonnen sich Anhänger und Pressevertreter, die Verlierer ziehen mit hängenden Köpfen ab, wenn sie Glück haben, bekommen sie vielleicht noch ein paar tröstende Worte mit auf den Weg. Im Falle des Playoff-Aus der Maple Leafs sah das gänzlich anders aus. Als sich die Spieler der Maple Leafs und die der Capitals nach Washingtons 2-1 Sieg in Spiel 6 aufstellten, um sich die Hände zu reichen, skandierten die Fans von den Rängen mit dem Gespür für die Situation und der Zuversicht im Herzen voller Inbrunst 'Go Leafs Go'.

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Durch die Bank hat die Mannschaft gezeigt, dass sie es mit jedem Gegner aufnehmen kann, auch wenn er noch so unschlagbar erscheint. Von den 17 Spielern, die bei den Maple Leafs in allen sechs Erstrundenbegegnungen zu Einsätzen kamen, waren 15 an mindestens einem Treffer beteiligt. Sieben Rookies machten ihrer erste NHL-Playofferfahrung, sechs von ihnen punkteten und fünf erzielten sogar ihr erstes Playofftor.

Allen voran stand Auston Matthews. Der 19-Jährige Center traf jeweils in den letzten vier Auftritten und führt mit fünf Zählern die teaminterne Wertung der Maple Leafs zusammen mit dem ebenfalls erst 23 Jahre jungen Verteidiger Morgan Rielly (1 Tor, 4 Assists) an. Ein Highlight, das noch länger in Erinnerung bleiben wird, war Matthews 1-0 Führungstor in der 48. Spielminute von Spiel 6. Der Puck sprang vom Plexiglas hinter dem Tor zurück und landete auf dem Schläger des Stürmers der Maple Leafs. Die Verzögerung, das Ziehen nach rechts und der Abschluss, aus kurzer Distanz hoch über die linke Schulter von Washingtons Torwart Braden Holtby, war ein Bewegungsablauf.

Den Maple Leafs fehlte nicht mehr viel, um ein Spiel 7 zu erzwingen, letztendlich erwiesen sich die Capitals, halt noch um eine halbe Nummer zu groß.

"Ich glaube nicht, dass wir anschließend noch häufig den Puck in unseren Reihen hatten", sagte Babcock nach der Partie und zollte dem Gegner seinen Respekt: "Wir hatten die Chance in die Overtime zu gehen, hier in unserem eigenen Stadion, doch wir konnten sie nicht unter Druck setzen. Sie haben uns in Bedrängnis gebracht, sie waren einfach besser."

Man muss kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass die große Zeit der Maple Leafs noch kommen wird - vielleicht bereits nächste Saison. Der Blick der Maple Leafs geht auch schon nach vorne. Torontos Torwart Frederik Andersen gab gegenüber NHL.com nach dem Ausscheiden trotz Enttäuschung die Richtung vor: "Ich fühle mich jetzt schon leer, obwohl wir an der Aufgabe gewachsen sind und wir Grund hätten auf uns stolz zu sein. Es ist fantastisch hier zu sein, Teil dieser Mannschaft zu sein. Die Unterstützung, die wir hier bekamen, war unglaublich."

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Maple Leafs Stürmer Nazem Kadri sah ebenfalls das Positive: "Wenn man bedenkt, wo wir vor einem Jahr waren [Toronto belegte am Ende der Saison 2015/16 den letzten Platz] und wo wir nun stehen, dann ist das schon etwas Großartiges. Was in den vergangenen Wochen alles passiert ist, kann man kaum wiederholen."

Torontos Zukunft sieht rosig aus, von A bis Z, von Auston Matthews über Mitchell Marner und William Nylander bis Zach Hyman. So heißen die kommenden Stars der Liga und sie tragen allesamt mit Stolz das Ahornblatt der Maple Leafs auf der Brust.

Selbst einer der weltweit besten Spieler dieses Sports, Capitals Teamkapitän Alex Ovechkin, war sich nach der gewonnenen Serie sicher, dass die Maple Leafs noch für Furore sorgen werden: "Hut ab vor ihnen. Sie haben uns einen harten Kampf geliefert. Sie haben Zukunft. Sie verfügen über gute junge Spieler und sie werden im kommenden Jahr und in den darauffolgenden Jahren Erfolge feiern können."

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