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Larkin in Lauerstellung um die Calder Trophy

von Rob Vollman / NHL.com

Zum Start der NHL Saison 2015-16 beschränkten sich die Calder Trophy Prognosen zumeist auf die Stürmer Connor McDavid von den Edmonton Oilers und Jack Eichel von den Buffalo Sabres – die zwei ersten Picks des 2015 NHL Entry Drafts.

Nun, fünf Monate später taucht ein weiterer Name in den Diskussionen auf: Red Wings Stürmer Dylan Larkin.

Seine Statistiken jedenfalls machen ihn zu einem heißen Anwärter:

-Mit 38 Punkten führt er die Red Wings an und liegt unter den Rookies an zweiter Stelle hinter Artemi Panari von den Chicago Blackhawks, welcher bisweilen 52 Punkte verbuchen konnte.

-Mit 35 Punkten bei 5:5 führt er ebenso die Red Wings an und liegt ligaweit an neunter und unter den Rookies hinter Panarin an zweiter Stelle.

-Mit 18 Toren liegt er Teamintern in Front und unter den Rookies gleichauf mit Panarin an der Spitze.

-Mit 143 Torschüssen führt er die interne Statistik der Red Wings an und liegt in der Rookie Statistik an zweiter Stelle hinter Jack Eichel von den Buffalo Sabres (160).

-Mit Plus-26 ist er der Ligaführende. Teamintern teilen sich Stürmer Pavel Datsyuk und Verteidiger Danny DeKeyser den zweiten Platz mit Plus-13.

Um herauszufinden, ob er tatsächlich Chancen auf die Trophy hat oder ob die wohlklingenden Zahlen lediglich auf den Leistungen seiner Sturmkollegen oder gar auf Scheibenglück basieren, gebietet sich ein tieferer Blick.

Für Larkins Erfolg spricht, dass seine blendenden Statistiken vorhersehbar waren, sofern man seine Leistungen an der University of Michigan vergangene Saison berücksichtigt. Kaum ein 18 jähriger schafft es NCAA Division I Hockey auf solch einem Niveau zu spielen. Seine dortigen Leistungen mussten gewissermaßen von weiterem Erfolg in der NHL zeugen.

1985 erfand Bill James ein statistisches System für Baseball, welches im Jahr 2004 von Gabriel Desjardins erstmalig für Eishockey angewendet wurde. Mit Hilfe dieses Systems können Schätzungen darüber getroffen werden, wie viele Punkte ein Spieler, der aus einer anderen Liga kommt, in der NHL erzielen wird.

Der an Nummer 15 im NHL Draft 2014 gezogene Larkin erzielte vergangene Saison 47 Punkte in 35 Spielen für Michigan. Durchschnittlich 1,34.

Laut der Umrechnungsformel (0,35) liegt die Prognose für Larkin bei durchschnittlichen 0,47 Punkten pro Spiel in seiner ersten NHL Saison.

Damit käme er hochgerechnet auf die gesamte Spielzeit auf 40 Punkte.

Seine 38 Punkte nach 53 gespielten Partien bescheren ihm einen aktuellen Punkteschnitt von 0,73.

Aufgrund seines jungen Alters übertrifft er die statistischen Prognosen bei weitem. Üblicherweise sind es viel ältere Spieler, die in der NCAA antreten und damit die Marke für die Umrechnungsformel setzen. Mit 18 Jahren über einen Punkt pro Spiel zu erzielen zeugt jedenfalls von außerordentlichem Talent, womit gängiger weise ein Faktor von 0,51 anstatt der üblichen 0,35 für ältere Spieler angesetzt werden müsste. Damit können 0,68 Punkte pro Spiel vorhergesehen werden, welche schon fast an seine aktuelle Ausbeute heranreichen.

Beispielhaft kann man ihn mit Jonathan Toews von den Chicago Blackhawks vergleich, welcher seinerzeit ähnliche Statistiken vorweisen konnte.

Mit 18 Jahren erzielte Toews 46 Tore in 34 Spielen für die University of North Dakota. In seiner NHL Rookie Saison (2007-08) erzielte er 24 Tore und 54 Punkte in 64 Begegnungen. Damit erreichte Toews einen durchschnittlichen Wert von 0,84 Punkten pro Spiel.

Jedes Jahr erzielt mindestens ein 18 jähriger mehr als ein Punkt pro Spiel in der NCAA Division I aber kaum einer ist dabei so weit in seiner Entwicklung wie Toews oder Larkin. Aufgrund körperlicher Defizite haben es T.J. Tynan und Kyle Rau überhaupt nicht in die NHL geschafft und andere wiederum wie Jason Zucker von den Minnesota Wild oder Jaden Schwartz von den St. Louis Blues wurden sehr behutsam an das Niveau der NHL herangeführt.

Abgesehen von diesen Ausnahmen hat jeder Spieler, der im College auf Larkins Niveau getroffen hat in der NHL auf dem prognostizierten Level gescored.

Es ist viel zu früh, einen 19 jährigen Larkin mit Toews, dem Kapitän der Blackhawks, dem Conn Smythe Trophy und Selke Trophy Gewinner und dem dreimaligen Stanley Cup Sieger zu vergleichen. Abgesehen davon bestätigt Toews seine Klasse auch im Defensivverhalten, am Bullykreis und im Penaltyschießen. Auf diesen Gebieten übertrifft er den jungen Larkin noch um weiten.

Natürlich lässt Larkins Plus-26 Statistik – Ligabestwert – auch auf Defensivqualitäten schließen. Obwohl die Plus/Minus Statistik etliche Schlüsse zulässt, kann man sie auch Fehlinterpretieren.

Eine Möglichkeit, die Plus/Minus Statistik aufzuwerten besteht darin, den SPSV Statistik des Spielers zu beleuchten. Die SPSV Statistik besagt, wie hoch der Schuss und Save Schnitt des Teams ist, während der Spieler auf dem Eis steht. Obwohl die SPSV% größtenteils außerhalb des Einflusses des Spielers liegt, ist es die bestmögliche Hilfe bei der Interpretation der Plus/Minus Statistik.

Im Fall Larkin: Vor dem Mittwochspiel gegen die Ottawa Senators, führten 11,3 % der Schüsse von Detroit zu einem Tor, wenn er bei fünf gegen fünf auf dem Eis Stand. Der Torhüter hielt 95,4 % aller Schüsse. Dies führt bei Larkin zu einer SPSV% von 1,067. Dieser Wert ist ligaweit unter den Spielern die mindestens zehn Spiele bestritten haben der fünfthöchste, unter denen die mindestens bei 25 Partien angetreten sind der höchste.

In den meisten Fällen pendelt sich die SPSV% langfristig bei einem Wert von ca. 1,000 ein. Beispielsweise führte Dale Weise von den Montreal Canadiens die Liga vergangenes Jahr mit einer SPSV% von 1,053 an. Diese Saison liegt er bei 0,999. Ebenso sank auch seine Plus/Minus Statistik von Plus-21 auf null, obwohl er mehr Eiszeit und eine Höhere Punktequote erreicht.

Eine weitere Quote, die sich viel stärker vom Spieler selbst beeinflussen lässt ist, wie viele Schussversuche ein Team während seiner Eiszeit erzielt. Hier sieht man, dass Detroit mit Larkin das Spiel nicht so gut unter Kontrolle hat wie ohne ihn. Demzufolge kann man Larkin abgesehen von seiner College Statistik nicht mit Toews vergleichen und seine Plus/Minus Statistik wird sich schon bald dem Durchschnitt seines Teams angleichen.

Abgesehen von seiner augenscheinlich überzogenen Plus/Minus Statistik sind Larkins Offensivqualitäten genau so gut wie erwartet. Diese sollten ihn einerseits weiterhin hoch oben auf der Liste der heißesten Calder Trophy Anwärter halten anderseits sprechen sie für die statistischen Modelle für 18-jährige Scorer in der NCAA Division I Hockey.

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