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Kein Hadern bei den Capitals und Penguins

von Bernd Roesch / NHL.com

Die Bedingungen für einen Auswärtserfolg in Spiel 4 der Eastern Conference Zweitrundenserie, das am Mittwoch im Consol Energy Center von Pittsburgh stattfand, waren durchaus gegeben. Mit einem Sieg hätten die Washington Capitals diese faszinierende Serie gegen die Pittsburgh Penguins zum 2-2 ausgleichen können.

Die Hausherren mussten ohne ihren besten Verteidiger Kris Letang auskommen, der nach einem Check gegen den Kopf von Washingtons Stürmer Marcus Johansson in Spiel 3 für eine Partie suspendiert wurde. Ohne Letang im Aufgebot hatten die Penguins in dieser Saison nur zwei von elf Partien gewinnen können (2-8-1) - keine schlechte Voraussetzung für die offensivstarken Capitals.

Selbst als die gestrige Partie nach 60 Minuten 2-2 Unentschieden stand, sprachen die Zahlen noch für die Gäste aus der US-Hauptstadt. Die Penguins hatten saisonübergreifend acht Overtime-Playoffspiele in Folge verloren, zuletzt jenes am vergangenen Donnerstag in Washington mit 3-4. Ihren letzten Overtimeerfolg konnten die Penguins am 11. Mai 2013 in Spiel 6 des Eastern Conference Viertelfinales gegen die New York Islanders, pikanterweise durch ein Tor von Brooks Orpik feiern. Der in der laufenden Serie noch für ein weiteres Spiel gesperrte Verteidiger der Capitals trug zu jener Zeit das Trikot der Penguins. Pittsburghs letzter Playoff-Overtimesieg vor heimischer Kulisse liegt sogar schon sieben Jahre zurück: Damals, am 6. Mai 2009, hieß der Siegtorschütze in der Mellon Arena zum 3-2 Letang - und der Gegner Washington.

Aus dem Vorhaben der Capitals, mit einer ausgeglichenen Serie die Reise nach Hause antreten zu können, wurde jedoch nichts. Nach knapp drei Spielminuten in der Verlängerung traf sie Patric Hornqvist mit einem Schuss vom rechten Bullykreis mitten ins Herz.

Diese Eastern Conference Halbfinalserie fesselt einen nicht nur aufgrund der Spannung bis zur letzten Sekunde in den knappen Partien - alle vier Aufeinandertreffen endeten mit nur einem Tor Unterschied. Sie fasziniert nicht nur, weil sich mit Sidney Crosby und Alex Ovechkin zwei der bekanntesten Gesichter der NHL gegenüberstehen. Nein, sie begeistert auch, weil in beiden Mannschaften ein Teamspirit vorherrscht, der sie niemals aufgeben und ihnen alles möglich machen lässt.

Penguins Trainer Mike Sullivan hatte schon vor der Partie gesagt, dass einen Letang niemand ersetzen könne. Recht hatte er: Ein Spieler allein konnte ihn nicht ersetzen, doch die Penguins sind zusammengerückt und haben gemeinsam seinen Ausfall eindrucksvoll kompensiert.

"Ich bin schon eine ganze Weile dabei, dementsprechend wusste ich wie unsere Situation aussieht. Es betraf nicht nur uns sechs [Verteidiger], die gesamte Mannschaft musste mehr tun", sagte Pittsburghs Verteidiger Trevor Daley, der Letangs Position einnahm und sogar den wichtigen 1-1 Ausgleichstreffer, als knapp zehn Minuten gespielt waren, markieren konnte.

Sullivan hatte gezwungenermaßen seine Verteidigerpaare umstellen müssen und sein Konzept ging, nachdem es in den Anfangsminuten noch Abstimmungsprobleme gegeben hatte, auf.

"Ich bin der Meinung, dass sie grandios waren", lobte Sullivan seine Defensivkräfte und fügte hinzu: "Es war nicht immer perfekt, doch wir spielen gegen einen sehr guten Gegner. Die gesamte Gruppe verrichtete einen riesigen Job."

Es war nicht zum ersten Mal in dieser Saison, dass die Penguins mit Unwägbarkeiten zurechtkamen. Sie lassen sich weder von Rückständen noch von Rückschlägen, erinnert sei hier an verletzungsbedingte Ausfälle wichtiger Spieler, beeindrucken, sondern stemmen sich mit vereinten Kräften dagegen.

Die Ausgangsposition der Capitals vor Spiel 5, das am Samstag im Verizon Center von Washington ausgetragen wird, ist nicht rosig. Sie dürfen sich nun keine weitere Niederlage mehr einhandeln. An ein solches Szenario verschwenden die Capitals erst gar keinen Gedanken. Sie dürfen mit der Art und Weise, wie sie ihre letzten zwei Auftritte gestaltet haben, zufrieden sein - nur die Resultate haben nicht gestimmt.

"Man muss sehen, dass wir durchaus unsere Chancen hatten. Wir gehen raus, geben alles, arbeiten hart und machen Druck", sagte Capitals Verteidiger Karl Alzner nach der Partie. "Das müssen wir so beibehalten."

Auch Capitals Trainer Barry Trotz bleibt optimistisch: "Sie haben etwas mehr Scheibenglück. Einige Tore wurden für uns unglücklich abgefälscht. Doch wenn wir dran bleiben, dann wird sich auch das Blatt wieder zu unseren Gunsten wenden." Trotz hegt keine Zweifel, dass seine Mannschaft an einem Strang zieht: "Wir können sehr gut mit einer solchen Situation umgehen und werden unser Augenmerk darauf richten, das nächste Spiel zu gewinnen. Dann sehen wir uns wieder zu Spiel 6 in Pittsburgh."

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