Skip to main content

Jeder kann jeden schlagen

von Bernd Roesch / NHL.com

Bei der IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft 2014 sind 28 der 56 Vorrundenpartien absolviert. Ein erstes Resümee lässt sich bereits ziehen. Jeder kann jeden schlagen! Wer hätte vorher geglaubt, dass die französische Auswahl zum Auftakt des Turniers Team Canada mit einem 3-2 Sieg nach Penaltyschießen ein Bein stellen kann? Für die Franzosen war es nach 1931 erst der zweite Sieg in der Geschichte der Eishockey-Weltmeisterschaften über das Mutterland des Eishockeys. Ein Tag den auch Pierre-Edouard Bellemare wohl nie mehr vergessen wird. Er bezwang Kanadas Torwart James Reimer und war damit der Einzige, der seinen Versuch im Shootout verwandeln konnte. Der Cheftrainer der Ahornblätter, Dave Tippett, sah die Niederlage als gute Lehrstunde für seine jungen Spieler an. In den folgenden zwei Partien gegen die Slowakei (4-1) und die Tschechische Republik (4-3) leisteten sie sich keinen Ausrutscher mehr, wenngleich man sagen muss, dass die drei Punkte gegen Tschechien am Ende sehr glücklich zustande gekommen waren. Sie waren vor allem der überharten Gangart des Gegners geschuldet, der sich im Mittelabschnitt einfach zu viele Strafzeiten eingeheimst hatte. Sollten die Tschechen im weiteren Turnierverlauf disziplinierter agieren, dann ist mit ihnen noch zu rechnen. Sie haben bei ihren bisherigen Auftritten gezeigt, dass sie spielerisch mit den großen Titelaspiranten mithalten können.

Auch die Schweden hatten 24 Stunden zuvor schon Probleme mit Jagr&Co. bekommen. Sie gewannen erst nach Penaltyschießen mit 4-3. Es sollte der einzige Punktverlust der Tre Kronor bleiben und somit führen sie zur Halbzeit die Tabelle der Gruppe A vor Kanada sowie den punktgleichen Tschechen und Norwegern an. Auch der Kampf gegen den Abstieg verspricht in dieser Gruppe ein ganz spannender zu werden, da bisher alle Mannschaften zumindest einen Sieg einfahren konnten.

Einen richtig guten Lauf hat die russische Auswahl mit ihrem Superstar Alexander Ovechkin unter ihrem neuen Headcoach Oleg Znarok. Die Sbornaja ließ bisher keine Zweifel darüber aufkommen, dass die Titelvergabe nur über sie gehen wird. Vier Spiele, vier Siege gegen Finnland (4-2), gegen das US-Team, deutlicher als erwartet mit 6-1, gegen die Schweiz (5-0) und gegen den Abstiegskandidaten Nummer 1, die Kasachen (7-2), bescheren Russland mit aktuell sechs Zählern Vorsprung den ersten Platz in der Gruppe B. Angesichts von 22 erzielten Treffern ist es nicht wenig verwunderlich, dass mit Viktor Tikhonov (4 Tore, 5 Assists) von SKA St. Petersburg, Capitals Stürmer Alexander Ovechkin (3 Tore, 5 Assists) und Sergei Plotnikov (4 Tore, 3 Assists) von Lokomotiv Yaroslavl gleich drei russische Angreifer die Scorerwertung dieses Turniers anführen.

Einen guten Start in das Turnier legte die neuformierte DEB-Auswahl hin. In ihren ersten Auftritten passte sowohl die Einstellung, wie auch das spielerische Konzept, das ihnen gegen die Kasachen und auch gegen Lettland ein Chancenplus einbrachte. Heraus sprangen hierbei zwei Siege und fünf Punkte. Gegen die Kasachen dominierten sie weitestgehend das Spiel, steckten auch einen frühen Rückstand schnell weg und kamen noch vor der ersten Pause durch Matthias Plachta zum Ausgleich. Der starke kasachische Schlussmann Vitali Yeremeyev verhinderte mit seinen 43 Paraden in der regulären Spielzeit eine vorzeitige Entscheidung zu Gunsten der Deutschen. Diese besorgten dann Alexander Barta und Thomas Oppenheimer mit ihren Treffern im Shootout zum 2-1 Endstand. Dank Oppenheimer konnte die Mannschaft von Pat Cortina das Abstiegsgespenst frühzeitig vertreiben. Der 25-jährige Stürmer von den Hamburg Freezers zeigte sich erneut nervenstark beim Mann gegen Mann. Vier Minuten vor Spielende verwandelte er einen Strafschuss gegen Lettlands Torwart Kristers Gudlevskis zum vielumjubelten, aufgrund des Spielverlaufs hochverdienten 3-2 Sieg. In den folgenden zwei Auftritten konnten die Deutschen ihre Erfolgsserie ohne zu enttäuschen nicht fortsetzen, sondern übernahmen den Part des Aufbaugegners. Zuerst gegen die bis dato noch punktlosen Finnen, denen sie sich am Ende, aufgrund derer Effizienz im Abschluss, relativ deutlich mit 0-4 geschlagen geben mussten, dann folgte das mit großer Spannung erwartete Nachbarschaftsduell gegen die Schweiz. Für die Schweizer war nach drei Niederlagen gegen Russland, die USA und gegen Gastgeber Weißrussland ein Sieg fast schon Pflicht, um nicht in den Abstiegsstrudel gerissen zu werden. Es entwickelte sich eine hochinteressante Partie mit großen Torchancen auf beiden Seiten. Deutschland zeigte sich gegenüber dem Finnland-Spiel verbessert, agierte wieder deutlich offensiver. Den ersten Treffer erzielten jedoch die Eidgenossen durch Damien Brunner, einer ihrer drei NHL-Legionäre. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich und der erneuten Führung der Eidgenossen, war es erneut New Jerseys Flügelstürmer, der die Abwehr der Deutschen düpieren konnte und dann die Scheibe wunderbar für den vor dem Kasten freistehenden Kevin Romy vorlegte, der Rob Zepp keine Abwehrchance ließ. Mit seinem zweiten Treffer an diesem Nachmittag, seinem vierten in diesem Turnier, gelang Thomas Oppenheimer vor der zweiten Pause noch eine Ergebniskorrektur. Der Ausgleich, so sehr er auch in der Luft lag, sollte jedoch in einer Partie, die keinen Verlierer verdient gehabt hätte, nicht mehr fallen.

Für die deutsche Auswahl gilt es nun diesen Rückschlag wegzustecken und sich voll auf die anstehenden, wahrlich nicht leichten Aufgaben gegen Weißrussland, Russland und die USA zu konzentrieren. Die Schweizer Nati muss noch gegen Finnland, Kasachstan sowie Lettland antreten und darf sich so gut wie keinen Ausrutscher mehr leisten, um nicht das Viertelfinale zu verpassen.

Mehr anzeigen