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Jaromir Jagr hat auch 25 Jahre später den Dreh raus

von Dave Stubbs / NHL.com

Seine Tore 14, 15 und 16 der 27, die er in der Saison erzielt hatte, gelangen Jagr bei Pittsburghs 6-2 Heimsieg über die Boston Bruins. Zwei erzielte er im Powerplay, das dritte bei nummerischem Gleichgewicht auf dem Eis gegen Bruins Torwart Norm Foster. 25 Jahre später ist der Stürmer der Florida Panthers nahe daran einen weiteren Meilenstein zu setzen. Es wird ein Leichtes sein für Jagr, dem Weitgereisten, auf der internationalen Bühne beheimateten,leicht Ergrautem, der sich vom spektakulären Junior zum introvertierten Spieler in Nordamerika zum betagten Statesman des Eishockeys, der genau bestimmt wie das Spiel zu laufen hat, diesen zu erreichen.

Mit seinen 737 Saisontoren liegt Jagr vor dem Auswärtsspiel bei den Washington Capitals am Dienstag nur vier Punkte hinter dem drittplatzierten Brett Hull auf der ewigen Torjägerliste. Weitere fünf Tore und Jagr belegt allein den dritten Platz hinter Gordie Howe (801) und Wayne Gretzky(894).

Mit 1.835 Scorerpunkten liegt Jagr 15 hinter Howe, der Nr. 3 auf der ewigen Scorerliste, und 52 hinter der Nummer 2 Mark Messier. Auf Gretzky fehlt ihm eine ganze Menge: Jagr liegt 1.022 Punkte hinter dem 'Great One'.

Nur wenige glaubten 1990/91, dass Jagr 25 Jahre später in diese Höhen vorstoßen könnte. Noch weniger dachten, dass er so lange auf dem Zenit bleiben würde.

In seiner Rookie-Saison hatte der an Heimweh Leidende, der englischen Sprache nicht mächtige Tscheche 15 Spiele lang, in denen ihm nur ein

Scorerpunkt gelungen war, Ladehemmung. Zuhause in Kladno war er ein großes Talent, ein Sniper, der davon träumte jenseits des Atlantiks ein ganz Großer werden zu können. Jagr hatte auf der NHL-Bühne eine zeitlang Probleme, doch dann holten die Penguins in einem Trade mit den Calgary Flames den tschechischen Center Jiri Hrdina. Der noch junge Jagr wurde besser und spielte eine Schlüsselrolle bei den Penguins auf ihrem Weg zum Stanley Cup Gewinn in dieser Saison. Mit drei Toren und zehn Assists stand er im langen Schatten von Superstar Mario Lemieux.

In der folgenden Saison gewann Jagr seinen zweiten Stanley Cup. Er erzielte in 21 Playoffpartien elf Tore und 13 Assists. Ist es eine Fügung oder Zufall, dass Jaromir ein Anagram von Mario Jr. ist?

Jetzt, viele Jahre später: Zwei Stanley Cups, Mitglied des Triple Gold Club als Gewinner des Stanley Cup, von olympischen Gold und einer Weltmeisterschaft, fünffacher Art Ross Trophy Gewinner als punktbester Spieler der NHL, Gewinner der Hart Memorial Trophy als wertvollster Spieler, zweifacher Gewinner des Ted Lindsay Award, gewählt von Mitspielern als MVP der NHL, zehnfacher All-Star. Für ihn ist ein Platz in der Hockey Hall of Fame bereits reserviert.

Jagr bleibt eine schillernde Persönlichkeit bei den Panthers, ein Vorzeigeathlet für nachfolgende Generationen, einer der wenigen Spieler, die hervorstechen.

Bei seinen Interviews letzte Woche, während des Honda NHL All-Star Game 2016 in Nashville, wurde ersichtlich, dass er auch ein guter Comedian ist: Journalisten und das Fernsehen waren hungrig nach seinen Bemerkungen.

Er ist ein Freigeist. Jagrs Ansichten gefallen nicht allen, doch letztendlich hat er sich die Freiheiten, die er sich nimmt, verdient.

Als er bei der Fanabstimmung immer mehr Stimmen bekam, bat er spaßeshalber (wie wir annehmen) darum, dass er nicht gewählt werden möchte, da er 'nicht Sterben möge' und da er 'für so etwas zu alt sei'.

Doch in Nashville angekommen, machte Jagr klar, dass es ihm nicht darum ging sich ein paar schöne ruhige Tage am Strand zu machen. "Mein Plan war hart zu arbeiten, da es während einer Saison nur wenig Zeit gibt, um zu trainieren", sagte er. "So hoffte ich, dass ich daran arbeiten könne, um auf dem Eis besser zu werden. Die Möglichkeit hatte ich nun nicht, aber das ist OK. Ich will nicht jammern."

Ja, er war gnädig.

"Ich sollte hier sein", sagte Jagr. "Ich wurde gewählt und ich wollte nicht suspendiert werden, da ich kein Spiel verpassen möchte."

Er wurde viel beschrieben, als ein Mann der gesellig ist, als ein großer Schlingel, als eine düstere Gestalt oder so gut wie unsichtbar - je nach Laune. Eine ganz interessante Beschreibung ist 'mercurial', ein Adjektiv, das im Englischen definiert ist mit 'unbeständig', 'wandelbar', 'wankelmütig', 'flüchtig', 'wandernd'.

'Kapriziös' wäre ein anderes Wort, das passen würde.

Sein Talent, seine Finesse, enn er seine Trickkiste aufmacht, sind eine Konstante in Jagrs Karriere. Gezeigt hat er das im Jersey seiner

acht NHL Clubs und zuvor als 16-Jähriger in der heimischen ersten Profiliga. Auch im Ausland, in Russland und in Italien, hat er mit

nahezu künstlerischem Gespür Torhüter bezwungen.

"Ein vergleichbarer Spieler wäre Frank Mahovlich", sagte einst Legende Scotty Bowman in 1998 The Hockey News, als die Zeitschrift Jagr an Nummer 37 der 100 besten Spieler aller Zeiten setzte. "Wenn Frank Tempo aufnahm und er hatte einen Verteidiger vor sich, dann konnte er sich entscheiden, ob er innen oder außen vorbeizieht. Er hatte dieses Potenzial. Beide Spieler können auch sehr gut den Puck kontrollieren."

Und wie bei jedem Künstler, hat sich auch Jagrs Einstellung während seiner Karriere verändert. "Als ich noch jung war, wollte ich die Torjägerkrone gewinnen", erzählte Jagr 2013 Dallas Peter Simek in einem Portrait des D Magazin.

"Das war mein Ziel. Wenn ich sie gewonnen hatte, dann war die Saison gut verlaufen und wenn ich sie nicht gewonnen hatte, dann habe ich schlecht gespielt. So dachte ich und das war alles in meinem Kopf. Das was du dir einbildest, wird auch passieren. Alles verändert sich im Alter. Man denkt differenzierter. Man ist weniger egoistisch. Wenn du jung bist, möchtest du der Welt beweisen, dass du der Beste bist bei was auch immer. Und wenn du das meiste Geld in deinem Teams verdienst, aber nicht der Beste bist, ist die Presse hinter dir her. Es ist nicht toll, wenn man eine schlechte Saison hat. Glaube mir, es fühlt sich nicht gut an. Doch wenn man älter wird, dann differenzierst du. Ich denke nicht mehr so langfristig."

Es ist kaum möglich über Jagrs eindrucksvolle Karriere zu schreiben, sollte er Hulls 741 NHL-Tore überbieten. Er ist eine Ikone diesseits und jenseits des Atlantik, er wird zuhause in seiner Heimat als Nationalheld verehrt, er ist ein Vorbild für viele NHLer und für welche die die Hoffnung hegen einer zu werden.

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