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International Ice: Aus für NHL-Heimkehrer

von Axel Jeroma / NHL.com

Die Rückkehr aus der NHL ins höchste heimatliche Eishockey-Gefilde hatten sich Marcel Goc und David Wolf zweifellos anders vorgestellt: Ihre Klubs, die Adler Mannheim und die Hamburg Freezers, gehören nämlich nicht zu jenen, die seit dieser Woche im Playoff-Viertelfinale den neuen Champion der DEL ausspielen. Dabei hatten sich beide Belegschaften zu Saisonbeginn berechtigte Hoffnungen gemacht, die im September begonnene Saisonarbeit mit einer launigen Meisterschaftssause Ende April ausklingen zu lassen. Die Top-Performer Goc und Wolf – wie man im Business-Sprech zu sagen pflegt - galten als Garanten dafür. Doch es kam alles anders.

Goc, dessen Transfer von den St. Louis Blues zu den Adlern mit reichlich Reklamerummel verbunden war, verbrachte mehr Zeit in der Sprechstunde beim Arzt als auf dem Eis. Bereits am zweiten Spieltag gegen den EHC Red Bull München zog er sich eine mysteriöse Unterleibsblessur zu, die sich trotz intensiver medizinischer Anwendungen monatelang nicht kurieren ließ. Ein Comeback-Versuch im Februar endete mit einer neuerlichen Krankschreibung, die der Doktor immer wieder verlängerte. So durfte der 32-Jährige auch nicht mehr eingreifen, um das bittere Aus in der Playoff-Qualifikation gegen die Kölner Haie doch noch abzuwenden. Nach zwei Niederlagen in drei Partien war der Liga der Titelverteidiger abhandengekommen.

Ein derartiges Szenario hatte man in Mannheim lange nicht für möglich gehalten. Nach 22 Spieltagen grüßten die Adler die Konkurrenz noch von der Tabellenspitze aus. Am Freitag vor dem zweiten Advent führte die Dienstreise zu den Eisbären Berlin. Sie endete mit einer 3-6-Niederlage und löste beim Meister eine Abwärtsspirale ohnegleichen aus. Es folgten sieben weitere Pleiten in Folge. Im gleichen Maße wie die heimelige Vorweihnachtsstimmung sank, stieg die Nervosität bei den Adler-Verantwortlichen. Dennoch durfte Coach Greg Ireland weitermachen.

Erst als sich im Februar abzeichnete, dass die Adler aus den sicheren Playoff-Plätzen herausfallen könnten, riss dem geschäftsführenden Gesellschafter Daniel Hopp der Geduldsfaden. Ireland bekam die Kündigung ausgestellt. Mit der Aufgabe zu retten, was wohl nicht mehr zu retten war, betrauten die Adler Craig Woodcroft. Er war Assistent unter Meistermacher Geoff Ward gewesen, der im Sommer 2015 nach nur einem Jahr in die USA zurückkehrte und seitdem bei den New Jersey Devils als Co-Trainer an der Bande steht.

Der Wechsel bei der sportlichen Führung verpuffte ohne nachhaltige Wirkung. Die Mannheimer beendeten die Hauptrunde auf Rang 10, der gerade noch zur Teilnahme an der Playoff-Qualifikation berechtigte. Doch auch gegen die Kölner Haie gelang der von vielen insgeheim immer noch erhoffte Umschwung nicht. Daher begann der Betriebsurlaub für die Spieler der Adler wesentlich früher als geplant. Die Verantwortlichen wollen das zeitige Ende in der Playoff-Qualifikation nutzen, um grundlegende Reformen einzuleiten. Oberste Priorität, so Hopp, habe zunächst die Trainersuche. Darüber hinaus werde es weitere Veränderungen geben, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Übersetzt dürfte das heißen: Der Kader bekommt neue, vermutlich jüngere Gesichter.

An Verbesserungen mitwirken möchte in der kommenden Saison definitiv auch Marcel Goc. Dann aber in mehr als lediglich drei Partien, die für ihn am Ende dieser Serie zu Buche standen. Sein Kontrakt bei den Adlern läuft noch weitere vier Jahre.

Die Hamburg Freezers mit David Wolf konnten ihre Kühlgeräte bereits nach der Hauptrunde herunterdrehen. Eine absolute Enttäuschung für den Verein und sein erwartungsvolles Umfeld. Wolf, nach einjährigem NHL-Gastspiel bei den Calgary Flames an die Alster zurückgekehrt, durchlebte eine durchwachsene Serie. In 36 Spielen kam er für einen Stürmer mit seinen Referenzen nur auf mäßige 22 Punkte (10 Tore, 12 Vorlagen). Mit 82 Minuten üppig ausgestattet war dagegen sein Strafzeiten-Konto. Gut möglich, dass die Werte in beiden Statistiken noch nach oben gegangen wären, wenn er mehr Begegnungen bestritten hätte. Wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel musste der 26-Jährige jedoch zwischendurch einige Spiele aussetzen.

„Ich hatte ein tolles Jahr in Calgary, in dem ich mich menschlich und sportlich weiterentwickelt habe, aber in Deutschland fühle ich mich einfach wohler“, sagte Wolf über seiner Heimkehr zu den Freezers, für die er vor dem Übersee-Trip schon drei Jahre gespielt hatte. Doch ob er weiterhin im Hamburger Trikot dem Puck nachjagt, ist offenbar nicht sicher.

In der Branche halten sich hartnäckig Gerüchte, dass er noch in diesem Jahr nach Mannheim zu den Adlern wechselt, trotz bis 2018 gültiger Arbeitspapiere in Hamburg. Auf diesen Umstand verweist der Umworbene höchst selbst, wenn er auf etwaige Wechselabsichten angesprochen wird. „Ich habe bei den Freezers noch einen Vertrag, den ich erfüllen will, und werde hier weiter Vollgas geben“, erklärte der Nationalspieler dem Hamburger Abendblatt. Sollte jedoch die Ablösesumme stimmen, dürfte ein Wechsel aus Sicht der Freezers kein Ding der Unmöglichkeit sein.

Die Vereinsführung der Hamburger hat ihre aktiven Angestellten übrigens noch nicht in den Urlaub verabschiedet, sondern bittet sie nach wie vor zu regelmäßigen Übungsstunden. Vermutlich um sich einen Überblick zu verschaffen, welche Akteure bei diesen Sonderschichten leidenschaftlich mitziehen. Denn in der Hansestadt gilt es als offenes Geheimnis, dass sich der Verein ob des schlechten Abschneidens von einigen Spielern trennen und frische Kräfte anheuern will.

Eine Maßnahme dieser Tage untermauert diese These: Stéphane Richer hat sein Amt als Co-Trainer niedergelegt. Der 49-Jährige will sich voll und ganz auf seine Aufgaben als Sportdirektor des Klubs konzentrieren. Richer weiß, dass er in den nächsten Wochen viel zu tun haben wird.

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