Skip to main content

Herausforderungen für Schweizer Mark Streit

von Bernd Roesch / NHL.com

Beim Eishockey Kids-Camp in Zuchwil von vergangener Woche sah man Kinderaugen durch die Gitter von Eishockeyhelmen strahlen und auch bei deren Eltern auf der Tribüne, die das Geschehen auf dem Eis verfolgten, war nicht nur der Stolz auf den eigenen Nachwuchs spürbar, sondern auch etwas Ehrfurcht gegenüber jenem Mann, der mit ihren Kindern auf dem Eis stand und zu den jungen Eishockeycracks sprach.

Seit über 20 Jahren ist Mark Streit Eishockeyprofi und weist eine sportliche Vita vor, die in der Geschichte des Schweizer Eishockeys einmalig ist.

Der 38-jährige Berner hat mittlerweile schon 747 NHL-Partien bestritten (716 Saisonspiele und 31 Playoffpartien).

Er war bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Teamkapitän der Schweizer Eishockeynationalmannschaft und auch bei den New York Islanders trug er von 2011/12 an zwei Spielzeiten lang das 'C' auf der Brust.

Streit hätte aufgrund seines sportlichen Könnens, das ihm im Laufe seiner Karriere Millionen einbrachte und das ihm in der Alpenrepublik zu einem verehrten Sporthelden werden ließ, durchaus Grund gehabt sich im Laufe der Jahre ein paar Starallüren zuzulegen, doch wer ihn einmal persönlich getroffen hat weiß, dass ihm ein solches Benehmen völlig fremd ist.

Ob gegenüber Fans oder der Presse, der Blueliner der Philadelphia Flyers nimmt sich immer gerne die Zeit, um ein paar Worte zu wechseln und Rede und Antwort zu stehen. Er ist eben durch und durch ein Vorzeigeprofi und man kann sich kaum einen besseren Lehrer für Kinder und Jugendliche des Schweizer Eishockeyverbandes vorstellen.

Gebannt hören die Kids beim Eishockeycamp ihrem Idol zu und führen ohne Widerrede die ihnen aufgelegten Übungen durch.

Die Nachwuchssportler lernen von dem Verteidiger jedoch nicht nur, wie sie auf dem Eis besser werden können, sondern auch, dass Talent alleine nicht genügt, sondern Zielstrebigkeit eine ebenso große Rolle für eine erfolgreiche Sportlerlaufbahn spielt.

Für Streit, der mit 21 Jahren zum ersten Mal den Weg nach Übersee wagte, verlief die Karriere nicht schnurgerade. Nach einer Saison bei den Tallahassee Tiger Sharks (ECHL), den Springfield Falcons (AHL) und den Utah Grizzlies (IHL) kehrte er Im Jahre 2000 Nordamerika den Rücken zu und ging wieder in seine Heimat zurück.

In den fünf folgenden Spielzeiten machte er bei den ZSC Lions auf sich aufmerksam und die Montreal Canadiens, die ihn beim NHL Draft 2004 in der neunten Runde an 262. Stelle gezogen hatten, gaben ihm 2005/06 eine Chance - die er ohne zu zögern annahm und zu nutzen wusste.

Über zehn Jahre hinweg konnte Streit seinen Marktwert steigern und zählt auch in der kommenden Saison mit einem Cap-Hit von $5,250 Millionen zu den Top 35 Verteidigern in der NHL.

In der vergangenen Saison geriet Streit im Umfeld der Flyers etwas unter Kritik nachdem ihm in 62 Partien nur 23 Scorerpunkte gelungen waren, seine geringste Ausbeute seit seiner Rookie-Saison 2005/06 und 29 Punkte weniger im Vergleich zur Spielzeit 2014/15.

Man darf aber nicht vergessen, dass der Berner damit immer noch hinter Shayne Gostisbehere mit 46 Scorerpunkten der zweitbeste Verteidiger der Flyers war. Streit bekam bei Überzahl weniger Eiszeit als sein junger Teamkollege und zieht man die Powerplaypunkte ab so beträgt die Differenz zwischen den Beiden nur noch neun Zähler (Gostisbehere 24, Streit 15).

Dennoch reißen die Gerüchte nicht ab, dass der Ausnahmeathlet, der über ein Jahrzehnt so viel für das Schweizer Eishockey geleistet hat und ohne dem wohl einige Manager von NHL-Teams nicht so schnell darauf aufmerksam geworden wären, welch talentierte Eishockeyspieler es in der Alpenrepublik gibt, noch in diesem Jahr von den Flyers getradet wird.

Streit befindet sich im letzten Jahr seines Vertrages und wird am Ende der kommenden Spielzeit zu einem Unrestricted Free Agent. Auch wenn sich Philadelphias Assistenzkapitän verständlicherweise darüber bedeckt hält, wie er sich seine berufliche Zukunft vorstellt, ob er noch einmal einen Kontrakt bei einem NHL-Team unterschreiben wird, man muss kein Prophet sein, um ihn früher oder später in seiner Schweizer Heimat als Familienvater und Trainer zu sehen.

Am 9. Juli hat ihm seine Freundin Fabienne Kropf, die Medienkoordinatorin des Schweizer Frauen Ski alpin Teams, in Interlaken das kirchliche Ja-Wort gegeben.

Bereits im kommenden Winter wird das frisch vermählte Traumpaar des Schweizer Sports Nachwuchs bekommen und auf den ehemals begehrtesten Junggesellen der Schweiz warten, neben jener seiner Eishockeykarriere, neue Aufgaben auf die er sich "riesig freut".

Mehr anzeigen