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Greiss der Playoff-Rückhalt der Islanders

von Nicholas Cotsonika / NHL.com

TAMPA --Es ist nur etwas mehr als einen Monat her: An diesem Schauplatz und nach dem Match gegen eben diese Lightning stellten sich die Leute die bange Frage, ob Thomas Greiss mit der aktuellen Situation klarkommen würde.

Nach der Verletzung von Jaroslav Halak war er zum Stammtorhüter der New York Islanders befördert worden. Vier Spiele in Folge hatte er nun verloren und gerade bei den Tampa Bay Lightning in der Amalie Arena sechs Gegentreffer hinnehmen müssen. Zwar ließen ihn seine Vorderleute an diesem 25. März schmählich im Stich. Dennoch wünschte sich Greiss, dass er ein paar weniger Tore kassiert hätte. Die Zeitung Newsday titelte daraufhin kritisch: "Goalie Thomas Greiss hat seine Chance bei den Islanders nicht genutzt."

Nun, spätestens jetzt in den Stanley Cup Playoffs hat er sie endgültig genutzt. Greiss trug entscheidend dazu bei, dass die Islanders in der ersten Runde im Osten Roberto Luongo und die Florida Panthers in sechs Spielen ausstachen. Drei Siege feierten die Islanders nach Verlängerung, zwei davon in der zweiten Nachspielzeit.

Am Mittwoch beim Zweitrunden-Auftaktmatch war Greiss erneut der Turm in der Schlacht. Im letzten Drittel machte er eine ganze Reihe von Chancen der Lightning zunichte und hatte so großen Anteil am 5-3-Auswärtserfolg.

Der 30-jährige, der fast seine ganze bisherige NHL-Karriere über als Backup diente, liegt nun auf dem dritten Platz der Playoff-Wertung, was den Gegentorschnitt (1,94) und die Fangquote (94,1 Prozent) betrifft. "Er war wie eine Wand. Absolut solide", lobte Islanders-Verteidiger Travis Hamonic den Deutschen.

Zu Saisonbeginn suchten auch die Islanders nach einem zuverlässigen Backup und nahmen dafür Greiss unter Vertrag. Die Islanders waren die vierte NHL-Organisation, bei der er seinen Dienst antrat. Bei keiner seiner anderen Stationen war Greiss auf mehr als 25 Einsätze pro Saison gekommen.

Er begann die Hauptrunde zunächst wie vorgesehen als Backup hinter Halak. 26mal startete er im Tor und kam dabei auf eine Fangquote von 93 Prozent. Aber es besteht natürlich ein großer Unterschied, ob man Reserve- oder Starttorhüter ist, was das Arbeitspensum, den Druck oder die mentale Herangehensweise an eine Partie betrifft.

Nach Halaks Verletzung am 8. März hatte Greiss bei seinen nächsten sieben Einsätzen von Beginn an gewaltig zu kämpfen. Er kassierte mindestens drei Gegentreffer pro Partie. 1-5-1 lautete seine Bilanz. Negativer Höhepunkt war eben jene eingangs erwähnte Dienstreise zu den Lightning.

"Ich denke, dass jeder in einer Spielzeit einmal eine schwierige Phase durchmacht. Man kann nicht jeden Abend Bestleistungen bringen. Aber Thomas hat sein Tief überwunden und spielt jetzt großartig. So muss er weitermachen", sagt Islanders-Verteidiger Johnny Boychuk.

So gut Greiss gegen die Panthers auch gehalten hatte: Ben Bishop – so die Experten-Meinung – könne er nicht das Wasser reichen. Der hatte die Lightning schließlich vorige Saison ins Finale des Stanley Cups geführt und wurde zum zweiten Mal in seiner Laufbahn für das Finale der Vezina Trophy nominiert. Aber Bishop spielte wie mit angezogener Handbremse und ließ vier von 13 Schüssen passieren. Es war wieder Greiss, der für seine überzeugende Leistung von allen Seiten gelobt wurde. "Er hat sich gut mit unserer Verteidigung verständigt und hervorragend gehalten", würdigte Islanders-Coach Jack Capuano seinen Schlussmann.

Greiss ist als umgänglicher Kerl bekannt, der im Spiel aber kompromisslos zur Sache geht. So auch am Mittwoch im letzten Drittel. Die Islanders ließen es nach ihrer 4-1-Führung etwas zu ruhig angehen, so dass Tampa bis auf ein Tor herankam. In dieser Phase bewahrte Greiss kühlen Kopf, verteidigte sein Gehäuse aggressiv gegen die anstürmenden Lightning und hielt 15 von 17 Schüssen.

Drei Paraden stachen heraus. Lightning-Stürmer Nikita Kucherov versuchte Greiss mit einem Bauerntrick zu überwinden. Doch der roch den Braten, machte sich breit und wehrte mit dem rechten Schoner ab. "Ich habe einfach mein rechtes Bein hinübergestreckt. Das war´s eigentlich schon", beschrieb Greiss die Aktion aus seiner Perspektive. Ebenfalls mit dem rechten Schoner rettete er gegen Lightning-Angreifer Jonathan Drouin aus Nahdistanz. Außerdem wehrte er mit dem Blocker einen Schuss von Verteidiger Nikita Nesterov ab.

"Man schlägt sich so gut man kann. Kein Goalie der Welt lässt sich gerne bezwingen, egal wie hoch das eigene Team vorne liegt. Du versuchst einfach alles zu halten", so Greiss. Auf den Lorbeeren vom Mittwoch will er sich nicht ausruhen. Sein Fokus liegt bereits auf dem zweiten Match am Samstag. "Das erste Spiel ist vorbei. Ab jetzt heißt es nach vorne schauen und sich auf das zweite Duell konzentrieren."

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