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GMs sind Strippenzieher unter Dauerstrom

Oilers Peter Chiarelli, Canadiens Marc Bergevin und Penguins Jim Rutherford stehen unter Druck

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Sie sind die Hintermänner der Branche, haben die Schalthebel in der Hand und stehen dabei ständig unter Strom! Sie müssen sich gegenüber den Eigentümern ihres Teams verantworten. Sie sind befugt Trainer zu entlassen oder ihnen den Rücken zu stärken. Sie haben das letzte Wort, wenn es darum geht Verstärkungen zu verpflichten oder für Spieler, die nicht mehr ins Konzept passen, ein adäquates Angebot auszuhandeln. Sämtliche sportliche Entscheidungen, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Möglichkeiten, laufen letztendlich über diesen Schreibtisch - den eines NHL-General Managers.

Besonders stark im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht momentan Peter Chiarelli von den Edmonton Oilers. Der 53-jährige Rechtswissenschaftler und langjährige Manager der Boston Bruins (2006-2015) wurde von den Oilers im Anschluss der Spielzeit 2014/15 engagiert, als diese, nach neun verpassten Stanley Cup Playoffs, mehr oder weniger am Boden lagen. Innerhalb der folgenden zwei Jahren fällte Chiarelli stets die richtigen Entscheidungen und die Oilers fanden schnell den Weg aus dem Souterrain der Western Conference an die Conference-Spitze. Zu schnell? Als Tabellenzweiter der Pacific Division und als viertbestes Team im Westen zogen sie in die Playoffs 2017 ein. Vielumjubelt wurde die junge Truppe schon als kommender Cup-Contender gefeiert und ihr Manager in den Himmel als Heilsbringer gelobt.

Wer sollte sie jetzt noch stoppen? Das konnten sie nur sich selbst! Die Oilers belegen, abgeschlagen auf die Playoffplätze, den drittletzten Rang im Westen und schon werden im Umfeld kritische Stimmen bezüglich des Führungspersonals laut.

Chiarelli steht felsenfest hinter Cheftrainer Todd McLellan. "Ich denke gar nicht daran Todd zu entlassen", erzählte er Sportsnet und fügte hinzu, dass er mit dem Trainer weiterarbeiten möchte, da er ihn für einen guten Coach halte. "Ich ziehe überhaupt nicht in Betracht ihn zu feuern. Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden, um aus der Situation, in der wir uns befinden, herauszukommen."

"Jeder von uns muss sich hinterfragen, da beziehe ich mich genauso mit ein", zeigt sich Chiarelli selbstkritisch, im Bewusstsein, dass letztendlich nur die Ergebnisse auf dem Eis zählen.

Auf einem ähnlich schmalen Grad, knapp neben dem Abgrund, bewegt sich GM Marc Bergevin mit seinen Montreal Canadiens. Das frankokanadische Traditionsteam belegt in der Eastern Conference den drittletzten Tabellenplatz, nachdem es das Vorjahr noch als Divisions-Champion und zweitbeste Mannschaft des Ostens abgeschlossen hatte.

Auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Montreal zeigte sich der ehemalige NHL-Verteidiger, der über die Erfahrung von knapp 1200 NHL-Spielen verfügt, kämpferisch: "Wir haben uns noch lange nicht aufgegeben und das Handtuch hingeworfen, doch es steht uns zweifelsfrei noch eine Menge Arbeit bevor." Bergevin vermied es die Schuld bei Einzelnen zu suchen: "Es gibt nicht nur einen Grund, warum wir da stehen, wo wir stehen, sondern viele Faktoren."

Angefangen bei Spielern, die nicht von Saisonbeginn an, die von ihnen gewohnte Leistung abrufen konnten, wie ein Carey Price und Max Pacioretty, die verletzungsbedingt ausfielen wie ein Shea Weber oder sich auf ihrer neuen Position noch nicht zurechtfanden wie ein Jonathan Drouin.

Bergevin ließ am Sonntag per Twitter wissen, dass er durchaus differenziert: "Ob ich Fehler gemacht habe? Ja! Habe ich Gutes vollbracht? Ja! Das ist eben die Realität eines General Managers. Ich bin aber stolz auf unser Geleistetes."

Ohne zu viel in Bergevins Aussage hineininterpretieren zu wollen, in der Vergangenheit gaben ähnlich klingende Statements Führungskräfte ab, denen klar war, dass sich ihre Zeit langsam dem Ende nähert.

Deutlich weniger Sorgen um seinen Job als General Manager, muss sich Jim Rutherford von den Pittsburgh Penguins machen, wenngleich die Erwartungen an ihn und das Team, nach zwei Stanley Cup Meisterschaften in Folge, deutlich höher sind als in Edmonton oder Montreal. Die Penguins ließen es im bisherigen Saisonverlauf an Konstanz missen. Daraus resultiert, dass sie, anstatt in den oberen Tabellenregionen um die Presidents' Trophy mitzuspielen, sich mitten im harten Kampf um einen Playoffplatz im Osten befinden. Die Penguins liegen zwar einen Zähler vor drei weiteren Rivalen auf dem fünften Rang in der Metropolitan Division und nehmen sogar einen Wildcardplatz ein, doch haben sie schon bis zu drei Partien mehr absolviert als ihre direkte Konkurrenz. Nach gewonnenen Punkten in Prozent nimmt der Titelverteidiger das Tabellenende seiner Division ein.

Von außen dringt der Wunsch nach Spielerverstärkungen zu Rutherford, doch der zeigte sich auf Nachfrage der Post-Gazette diesbezüglich bedeckt: "Ich werde öffentlich niemals sagen, was ich über unsere Niederlagen denke oder was für mich die Ursachen waren, warum wir einige Spiele verloren haben, doch ich glaube schon, dass ich alles ganz gut im Griff habe. Ich bin nicht der Meinung, dass einzelne personelle Veränderungen recht viel bringen werden. Wir müssen als Gruppe unser Bestes geben."

Die Anforderungen an den General Manager eines NHL-Franchise sind eben breit gestreut. Zur Planung, Organisation und Führung sind funktionale, analytische und soziale Kompetenzen nötig. Manchmal gilt es auch Pläne nicht öffentlich zu verbreiten und die Konkurrenz im Dunkeln zu lassen.

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