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Fünf Verteidiger als MVP ihres Teams

von Bernd Roesch / NHL.com

Wer nicht gerade ausgesprochener Verfechter eines taktisch geprägten, defensiven Spielstils ist und sich daran erfreuen kann, wenn eine Mannschaft einzig darauf bedacht ist Räume eng zu machen und den gegnerischen Spielaufbau früh zu zerstören, für den sind Tore das Salz in der Suppe. Dementsprechend bekommen flinke Stürmer, die mit viel Raffinesse ihren Gegner stehen lassen und anschließend ein Auge für den Mitspieler haben oder die schwarze Hartgummischeibe spektakulär selber im Tor versenken, immer mehr Aufmerksamkeit als Defensivkräfte.

Auch wenn es sich bei Eishockey um eine Mannschaftssportart handelt, wird gerne nach dem wertvollsten Spieler eines jeden Teams gesucht. Häufig zählt der beste Angreifer des Kaders als ihr MVP. Im Falle eines Patrick Kane bei den Chicago Blackhawks oder eines Jamie Benn bei den Dallas Stars dürfte das durchaus zutreffend sein, doch es gibt sie, jene Blueliner, die für ein Team unverzichtbar sind und sich den Titel 'wichtigster Spieler' verdient haben.

Oliver Ekman-Larsson, Arizona Coyotes

Oliver Ekman-Larsson bestreitet bereits seine sechste NHL-Saison. Dabei vergisst man gerne, dass der junge Schwede erst 24 Jahre alt ist und immer noch von Jahr zu Jahr besser wird. Vor Saisonbeginn hätte kaum jemand von den Coyotes erwartet, dass sie sich einen Playoffplatz ergattern könnten, doch nachdem gut die Hälfte der Saison absolviert ist, liegen sie auf dem zweiten Platz in der Pacific Division und Ekman-Larsson leistete seinen gehörigen Anteil dazu. In 44 Partien dieser Saison brachte es Arizonas Erstrundendraftpick vom NHL Draft 2009 auf 13 Tore und 20 Assists. Nach Scorerpunkten kann Mikkel Boedker (12 Tore, 21 Assists) noch mithalten, doch Ekman-Larssons durchschnittliche Eiszeit von 25:18 Minuten pro Spiel sind nicht zu toppen. Ekman-Larsson schafft es auch seine noch jüngeren Kollegen, wie einen Max Domi, 20, mitzureißen und eindrucksvoll in Szene zu setzen. Unverzichtbar ist Ekman-Larsson auch im Powerplay (7 Tore, 8 Assists).

Justin Faulk, Carolina Hurricanes

Von ihren letzten zehn Partien haben die Hurricanes nur zwei in der regulären Spielzeit verloren und können sich mit nur zwei Punkten Rückstand auf eine Wildcard in der Eastern Conference sogar Hoffnungen auf eine Playoffteilnahme machen, auch dank der Powerplaytreffer von Justin Faulk. Zwölfmal hat der 23-jährige Verteidiger bisher bei Überzahl getroffen und damit fast die Hälfte aller Powerplaytore der Hurricanes erzielt (48 Prozent). Mit insgesamt 14 Toren und 18 Vorlagen in 46 Spielen führt Faulk, der von den Hurricanes beim NHL Draft 2010 in der zweiten Runde an insgesamt 32. Stelle gezogen wurde, die teaminterne Scorerwertung an. Da darf man auch einmal darüber hinwegsehen, dass sein +/-Wert von -15 noch verbesserungswürdig ist.

Ryan Suter, Minnesota Wild

Ryan Suter arbeitet unermüdlich: 28:24 Minuten steht der 30-Jährige durchschnittlich pro Spiel auf dem Eis und ist damit Minnesotas unangefochtene Nummer 1 vor Jared Spurgeon (22:49). In 45 Saisonpartien brachte es der US-Amerikaner auf sechs Tore und 24 Assists. Er hat die drittmeisten Torschüsse der Wild (114) und war bereits zweimal im Powerplay sowie einmal bei Unterzahl im Abschluss erfolgreich. Sein +/-Wert von +11 ist der beste seines Teams. Suter ist drauf und dran seinen Saisonbestwert aus der Spielzeit 2011/12, als er es bei den Nahville Predators auf 46 Scorerpunkte in 79 Partien gebracht hatte, in diesem Jahr zu überbieten.

Roman Josi, Nashville Predators

Ein Schweizer Verteidiger sorgt für Aufsehen in der NHL. Heute Nacht beim 3-0 Heimerfolg über die Minnesota Wild konnte Roman Josi sein bereits zehntes Saisontor bejubeln. Der 25-Jährige bestreitet eine überragende Saison. Mit insgesamt 32 Scorerpunkten in 45 Spielen liegt er sogar noch vor Shea Weber (11 Tore, 18 Assists). Josi bekam mit 24:50 Minuten pro Spiel bisher mehr Eiszeit als sein namhafter Teamkollege (24:38) und erreichte einen um einen Punkt besseren +/-Wert. Auch zwei Gamewinner und ein Unterzahltor gingen bereits auf das Konto des gebürtigen Berners. Da die Predators auf der Verteidigerposition so gut besetzt sind konnten sie es sich sogar erlauben ihren Erstrundendraftpick vom NHL Draft 2013, Seth Jones, an die Columbus Blue Jackets für Center Ryan Johansen abzugeben.

Erik Karlsson, Ottawa Senators

Man sollte ja mit Superlativen immer vorsichtig sein, doch was Erik Karlsson Spiel für Spiel aufs Eis zaubert ist einfach unglaublich. Kein anderer Spieler in der NHL bekommt durchschnittlich mehr Eiszeit als der 25-jährige Schwede (28:39 Minuten). Kein anderer Verteidiger hat in der laufenden Saison mehr Scorerpunkte erzielen können als der zweifache Gewinner der James Norris Memorial Trophy. Mit seinen neun Toren und 37 Assists belegt Karlsson ligaweit den vierten Platz unter den Topscorern. Rechnet man seine bisherige Punktausbeute auf die gesamte Saison hoch, käme er auf 83 Zähler in 82 Spielen. Da würde dann auch nicht mehr so viel fehlen und Karlsson wäre der erste Verteidiger, seit New York Rangers Brian Leetch in der Saison 1991/92, der die 100-Punkte Marke knacken würde.

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