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Fünf europäer, von denen wir in der zweiten saisonhälfte großes erwarten

von Jeff D'Alessio / NHL.com
Hinweis: Die Originalfassung dieses Artikels wurde am 14. Januar 2012 veröffentlicht.

Etwa um diese Zeit im letzten Jahr machten sich die schwedischen Sedin-Brüder bereit für eine fulminante zweite Saisonhälfte und verhalfen Vancouver zum ersten Conference-Sieg in 17 Jahren.

Welche europäischen Stürmer werden die reguläre Saison 2011/12 mit einer ähnlich herausragenden Leistung beenden und ihre Teams damit optimal für die Playoffs aufstellen?

Die Sport-News haben acht NHL-Experten um ihre Meinung gefragt. Hier sind ihre fünf Kandidaten.
 
MILAN MICHALEK
Tschechische Republik
Linker Flügel, Ottawa Senators

 
In Zahlen: Schon jetzt hat Michalek vier Tore mehr geschossen (23) als in 66 Spielen in der letzten Saison (18). Und das, obwohl er wegen einer Gehirnerschütterung für fünf Spiele pausieren musste.

Wieso er? Die überraschenden Senators werden noch mehr von Michaleks Magie brauchen, wenn sie Boston in der Northeast Division vom Thron stoßen wollen. Sie haben harte – Ottawa ist das Team der Liga mit den meisten Comebacks im dritten Drittel – und leichte Siege eingefahren – z. B. das 5-1 gegen Pittsburgh am Dienstag, bei dem Michalek gleich zwei Tore holte.

Und es ist kein Zufall, dass Ottawa seit Michaleks Rückkehr aufs Eis am 27. Dezember besonders überzeugend ist. Die Senators haben seitdem eine Glückssträhne, die angesichts des am 29. Januar in Ottawa stattfindenden All-Star Games zu keiner besseren Zeit hätte kommen können.

Michalek wird zum ersten Mal dabei sein, außerdem seine Teamkollegen Jason Spezza und Daniel Alfredsson. Der 27-Jährige Tscheche hat genau soviel zur Teilnahme dieser beiden beigetragen wie die Fans, die ihnen ihre Stimmen gegeben haben.

„(Michaleks) Spiel scheint eine verjüngende Wirkung auf Daniel Alfredsson und Jason Spezza zu haben“, sagt Flyers Analyst Keith Jones, der früher selbst rechter Flügelspieler in der NHL war.

Und der Spaß habe gerade erst begonnen: „Wenn er in der zweiten Saisonhälfte weitere 20 Tore holt, dann ziehen die Senators wieder in die Playoffs ein – und werden im Frühling vielleicht noch für ein bisschen Spannung sorgen.“
 
EVGENI MALKIN
Russland
Center, Pittsburgh Penguins

 
In Zahlen: Nach seiner durch eine Operation am rechten Knie verkürzte Saison 2011 hat der Conn Smythe-Gewinner von 2009 eine echte Ein-Mann-Show abgeliefert. Er rangiert nach Toren (17), Vorlagen (28) und Punkten (45) in den Top 20 und ist mit 5 spielentscheidenden Toren in dieser Wertung Dritter.

Wieso er? Als ein humpelnder Sidney Crosby 2008/09 einen großen Teil der Saison auf der Bank verbrachte, übernahm Malkin das Kommando und sicherte sich nach Punkten Platz 2 in der NHL, nach Vorlagen Platz 6 und Platz 1, was Standing Ovations in der Mellon Arena anging.

Neue Saison, gleiche Geschichte – nur dass diesmal keiner weiß, wann Crosby zurückkehrt. Oder ob er noch derselbe überragende Spieler ist, wenn er denn kommt.

„Er hat bewiesen, dass er unter Druck Leistung bringt“, sagt Jets Analyst Brian Engblom, der selbst als Verteidiger mit Montreal dreimal den Stanley Cup gewonnen hat. „Wenn er muss, kann er die Offensive alleine stemmen – und das muss er. Ich wäre nicht überrascht, wenn er nochmal 45 Punkte holen würde, selbst wenn das in der zweiten Hälfte der Saison eine deutlich schwierigere Aufgabe ist.“

Malkin rangiert derzeit in der NHL an zweiter Stelle, was die Punkte je Spiel angeht (1,32). Damit liegt er nur knapp unter seiner Leistung von 2009 (1,38), als er die Art Ross Trophy gewann, mit der derjenige Spieler ausgezeichnet wird, der die reguläre Saison mit den meisten Punkten abschließt.

Pittsburgh ist ohne Crosby (Gehirnerschütterung), ohne Jordan Staal (Knie) und mit einem humpelnden James Neal (Fußverletzung) auf jeden Punkt angewiesen.

Craig Button, früher Geschäftsführer der Flames und heute Analyst für das NHL Network dazu: „(Malkin) ist nie vor den Herausforderungen zurückgeschreckt, die an einen zentralen Spieler gestellt werden und mir fällt kein anderer Spieler ein, der eine größere Wirkung auf sein Team hat.“

Würde die Saison heute enden, wären die Penguins auf der falschen Seite der Playoff-Blase. Alle Augen – und die Spielpläne der gegnerischen Trainer – werden in der zweiten Saisonhälfte auf Malkin gerichtet sein. Kann er Pittsburgh alleine zum sechsten Mal in Folge direkt in die Playoffs führen?

„Die Herausforderung ist groß“, sagt Blackhawk-Analyst Troy Murray, „doch Malkin hat die Fähigkeit, die Entschlossenheit und den Charakter, das geschehen zu lassen.“
 
NICKLAS BACKSTROM
Schweden
Center, Washington Capitals

 
In Zahlen: Obwohl er wegen einer Verletzung in drei Spielen aussetzen musste, bleibt der Caps-Captain der Punktegarant seines Teams – und einer der erfolgreichsten Punktejäger der Liga. Mit 29 Vorlagen steht er auf Platz 7, mit 42 Punkten auf Platz 16 der Ranglisten.

Wieso er? Ein gesunder Backstrom sorgt für einen glücklichen Dale Hunter – im Moment gibt es weder das eine noch das andere.

Backstrom saß letzten Mittwoch, nachdem er einen Ellbogen an den Kopf bekommen hatte, auf der Reservebank. Sein Coach, Hunter, möchte ihn nicht zurück ins Spiel bringen, bevor er sich nicht 100 % gesund fühlt.

Wann immer das sein wird – wir werden einen fulminanten Durchstart erleben, wie es sie in der NHL nur selten gibt, so die Prognose von Edmonton Oilers-Analyst Rob Brown.

„Er hatte eine gute Saison, ohne die Unterstützung durch einen guten (Alex) Ovechkin“, erläutert Brown, der einst mit Mario Lemieux in Pittsburgh spielte. „Ich denke, Ovechkin wir in der zweiten Saisonhälfte eine erheblich bessere Leistung bringen und damit auch zu Backstroms Ergebnis beitragen.“
 
ALEX OVECHKIN
Russland
Linker Flügelspieler, Washington Capitals

 
In Zahlen: Vierzehn Spieler haben mehr als seine 18 Tore geschossen, aber Ovechkin liegt schon heute mit vier Toren über seinem Ergebnis zur selben Zeit im letzten Jahr.

Wieso er? Er ist noch nicht wieder der Ovechkin, der 2008/09 die meisten Tore der Liga erzielte und am Ende die Trophäen in der Hand hielt. Doch ein paar Experten meinen, man solle ihm nur Zeit geben.

„Er hat das Potenzial zum besten Eishockeyspieler der Liga und in der ersten Saisonhälfte zu kämpfen gehabt“, so Flyers-Legende Brian Propp. „Ich denke, er wird alleine 43 Punkte einfahren und den Capitals ein großes Comeback sichern.“

Die guten Nachrichten: Ovechkin beginnt, sich wieder wie der Alte zu fühlen, berichteten Reporter diese Woche, „Ich habe das Gefühl, mein Spiel kommt zurück, mein Schuss kommt zurück.“

Damit könnten harte Zeiten für seine Gegner bevorstehen, die sich noch an das Feuerwerk erinnern, das die Capitals unter der Führung Ovechkins zum Ende der letzten regulären Saison abgebrannt haben.

Der NHL Network-Analyst und frühere Capitals-Coach Gary Green nennt Ovechkin „ein unverdächtiges dunkles Pferd“, das sich in der zweiten Saisonhälfte leicht als produktivster aller europäischen Spieler entpuppen könnte.

„Ich denke, es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Henrik Sedin um die meisten Punkte geben“, spekuliert Green.
 
HENRIK SEDIN
Schweden
Center, Vancouver Canucks

 
In Zahlen: Der zweimalige amtierende All-NHL First-Teamer ist auf dem besten Wege zum vierten Mal in Folge den Titel für die meisten Vorlagen zu gewinnen (mit 41 führt er die Liga derzeit an) und sich zum dritten Mal die Punktekrone zu holen (derzeit 52 und Platz 1). Nur drei andere Spieler der Canucks konnten sieben Saisons in Folge mit über 50-Punkten beenden (Stan Smyl, Markus Naslund, Thomas Gradin).

Wieso er? Diese Saison hat der 31-jährige Sedin einen Meilenstein nach dem anderen erreicht: Er hat als neunter Schwede insgesamt 700 Punkte erzielt und steht jetzt an dritter Stelle der Gesamtpunkteliste der Canucks.

Und es sieht nicht so aus, als würde er es in Zukunft langsamer angehen lassen.

„Ich wäre nicht weiter überrascht, wenn Henrik sich in der zweiten Saisonhälfte als effektivster Spieler profilieren würde“, so Green. Mit weiteren 50 Punkten in der zweiten Saisonhälfte „kann man beinahe sicher rechnen, wenn man sich die Konsistenz seines Spiels – und das seines Bruders – in den vergangenen Jahren ansieht.“

Die wichtigere Zahl für Sedin: 59 – wie die Zahl der Punkte, die die in der Northwest Division führenden Canucks bereits angehäuft haben. Das ist die beste Zahl im Westen und, im Moment, in der gesamten Liga. Die Canucks und ihr Center Sedin sehen mehr und mehr wie die Stanley Cup-Finalisten aus dem letzten Jahr aus.

Die kommen jetzt erst richtig in Schwung“, sagt Rob Brown.
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