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Free Agency Tag 1: Gut und schlecht gemacht

von Bernd Roesch / NHL.com

Zum Auftakt der Free Agent Periode am Freitag, den 1. Juli ging es wild her. Insgesamt einigten sich 61 Spieler auf ein neues Vertragsverhältnis. Mit Thomas Vanek, Michael Grabner und Yannick Weber waren darunter auch drei Spieler aus Österreich und der Schweiz. Alle drei dürften sehr zufrieden sein mit der Wahl ihrer neuen Arbeitgeber und umgekehrt zählt das genauso. Vanek und Grabner werden kommende Spielzeit bei den Detroit Red Wings und New York Rangers jeweils für ein Original Six Team stürmen und für Weber gibt es bei den Nashville Predators ein Wiedersehen mit seinem Schweizer Nationalmannschaftskollegen Roman Josi.

Welche Mannschaften sind die großen Gewinner aus dem Vertragspoker, der schon in der vergangenen Woche begonnen hatte und einige Überraschungen parat hatte?

Was wurde nicht alles über die Zukunft von Steven Stamkos spekuliert, nachdem er bereits vor einem Jahr bekundet hatte, dass er sich am freien Markt umschauen werde, sobald sein Vertrag bei den Tampa Bay Lightning ausgelaufen ist. Potenzielle Arbeitgeber, die auch über den notwendigen finanziellen Spielraum verfügen, um sich die Dienste von einem der besten Stürmer in der NHL zu sichern, wurden ins Gespräch gebracht. Detroit und Toronto wurden als neue Wahlheimat des 26-Jährigen hochgehandelt. Es wurde debattiert, ob Stamkos, der es in seiner achtjährigen NHL-Karriere, die 2008/09 bei den Lightning begann, auf beeindruckende 562 Scorerpunkte in 569 Partien gebracht hat, zum bestbezahlten Spieler der Liga werden könnte. 10,5 Millionen Dollar pro Jahr, wie die von Chicago Blackhawks Stürmer Jonathan Toews und Patrick Kane, sollten doch mindestens für den Teamkapitän der Lightning herausspringen?

Es gab wochenlang viel Wirbel, der sich letztendlich in Luft auflöste. Stamkos bleibt für weitere acht Jahre den Lightning treu und lässt sich seine Loyalität mit $68 Millionen versüßen, was einem jährlichen Gehalt von $8,5 Millionen entspricht und damit deutlich unter dem Marktwert liegt. Tampas General Manager Steve Yzerman konnte eben mehr in die Waagschale werfen als nur Geld, um diesen Ausnahestürmer an die Lightning zu binden - Aussichten auf einen sportlichen Erfolg, bis hin zum ganz großen Coup - dem Gewinn des Stanley Cup. Neben jenem von Stamkos, konnte Yzerman auch den Vertrag ihres besten Verteidigers, Victor Hedman, der Ende 2016/17 ausgelaufen wäre, vorzeitig um acht Jahre für insgesamt $63 Millionen verlängern. Trotz dieser zwei 'Brocken' haben die Lightning für die kommende Saison noch knapp $13 Millionen bis zur Ausreizung des Salary Cap übrig, so dass Yzerman die Frage, ob er seine beiden Restricted Free Agents Center Alex Killorn, mit 40 Zählern Tampas viertbester Scorer in der vergangenen Spielzeit, und Nikita Kucherov, mit 30 Treffern hinter Stamkos der zweitbeste Torschütze, an sich binden kann, wenig Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Ganze Arbeit hat auch das Management der Red Wings in den vergangenen Tagen geleistet. Während des NHL Drafts 2016 schaffte es Ken Holland, den Vertrag von Pavel Datsyuk, der den Salary Cap der Red Wings mit $7,5 Millione belastet hätte, an den Mann, sprich die Arizona Coyotes, zu bringen. Zusätzlich erhielten die Coyotes einen Draft Pick der ersten Runde (Nr. 16).

Am Freitag einigten sich die Red Wings mit Vanek auf einen Einjahresvertrag. Der österreichische Stürmer hatte zwar 2015/16 mit 18 Toren und 23 Vorlagen in 74 Spielen seine schlechteste NHL-Saison, ist sich aber sicher, dass er im kommenden Jahr wieder mehr reißen kann. Über 50 Scorerpunkte sind dem 32-Jährigen durchaus wieder zuzutrauen. Dementsprechend dürfte das Geld der Red Wings in Höhe seines jährlichen Salärs von $2,6 Millionen gut angelegt sein. Sehen wir uns im Vergleich dazu, die Konditionen an, zu denen David Backes in Boston unterschrieben hat. Der ebenfalls 32-jährige Rechtsaußen, ihm gelangen 2015/16 21 Tore und 24 Assists in 79 Spielen bei den St. Louis Blues, wird in den kommenden fünf Jahren bei den Bruins $30 Millionen verdienen, also jährlich $3,4 Millionen mehr als Vanek. Ohne Backes' Leistung im vergangenen Jahr schmälern zu wollen, schaut es nicht danach aus, als hätten die Bruins mit ihm ein Schnäppchen gemacht. Tiefer in die Tasche gegriffen hat Holland auch bei der Verpflichtung von Frans Nielsen. Der 32-jährige Center wird den Red Wings in den kommenden sechs Jahren $31,5 Millionen kosten. Sie bekommen dafür einen Stürmer, der in der vergangenen Saison bei den New York Islanders die drittmeisten Punkte erzielen (20 Tore, 32 Assists, 81 Spiele) und 50,1% der Bullys gewinnen konnte.

Weitere Gewinner des ersten Free Agency Tages sind meines Erachtens die San Jose Sharks, die mit Mikkel Boedker (2015/16: 17T, 34A, 80Sp) einen 26-jährigen Rechtsaußen, der noch viel Potenzial nach oben hat, für $16 Millionen über vier Jahre verpflichten konnten sowie die Calgary Flames. Die Westkanadier einigten sich mit Troy Brouwer, 30, auf einen vierjährigen $18,5 Millionen Deal. Brouwer hatte es letzte Saison bei den Blues auf 18 Tore und 21 Assists gebracht.

Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Einer davon sind die Minnesota Wild. Vanek zahlten sie aus und ließen ihn ziehen. Und wenn holten sie? Eric Staal. Einen Center, der zum Ende der vergangenen Spielzeit in 20 Partien für die New York Rangers nur zwei Tore sowie zwei Assists verbuchen konnte und der schon deutlich seinen Leistungszenit überschritten hat. Staal wird den Wild in den kommenden drei Jahren $10,5 Millionen kosten.

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