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Franchise mit großer Playoffgeschichte

von Bernd Roesch / NHL.com

Sie sind weltweit eines der beliebtesten Teams in der NHL und unbestritten sind sie die bekannteste Eishockeymannschaft auf dem Globus. Auch jenen, die mit dem schnellsten Mannschaftssport der Welt nicht so eng verbunden sind, ist der Name Montreal Canadiens ein Begriff. Dabei liegen die ganz großen Erfolgsstorys der Canadiens schon einige Jahrzehnte zurück. Der Rekordmeister, 24 Mal holte er sich den Stanley Cup, konnte vor über 20 Jahren, in 1993, mit einem Triumph über die Los Angeles Kings zum letzten Mal die begehrte Trophäe gewinnen.

In diesem Jahr werden vor allem die eishockeyverrückten Kanadier ihr Hauptaugenmerk auf die Canadiens werfen, sind sie doch das einzige von sieben Teams aus dem Mutterland des Eishockeysports, das sich für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren konnte. Zum letzten Mal war dieses im Jahre 1973 der Fall. Damals gab es aber unter den 16 NHL-Mannschaften neben Montreal nur noch die Toronto Maple Leafs und die Vancouver Canucks als in Kanada beheimatete Clubs.

Eishockey ist in Quebec und besonders in der frankokanadischen Metropole fast eine Religion. Für viele Habs-Fans ist es ein gutes Omen, dass nun wiederum alle Augen auf ihr Team blicken werden, denn auch vor gut 40 Jahren ging ihr Club aus dem Stanley Cup Finale mit 4-2 Siegen gegen die Chicago Blackhawks als Triumphator hervor.

Heute Nacht, wenn für sie die Stanley Cup Playoffs 2014 mit Spiel 1 gegen die Tampa Bay Lightning beginnen, kann der Kader von Michel Therrien ein erstes Zeichen setzen, um dann, auch wenn der Weg dorthin noch sehr weit und voller Mühen sein wird, am Ende ganz oben zu stehen.

146. Playoffserien haben die Habs in ihrer ruhmreichen Geschichte bestritten, 89 hiervon haben sie gewonnen, 56 verloren und eine, im Jahre 1919 gegen die Seattle Metropolitans, wurde aufgrund einer Grippeepidemie beim Stande von 2-2 abgebrochen. Die heutige Partie wird das 715. Playoffspiel der Canadiens sein. Beeindruckend ist auch hier ihre Bilanz von 411 Siegen, denen nur 295 Niederlagen und acht Unentschieden aus den Anfangsjahren, als noch die Gesamtanzahl der Tore in einer Serie über Sieg oder Niederlage entschieden hatte, gegenüberstehen.

Ihre erfolgreichsten Jahrzehnte hatten die Canadiens von Mitte der 50er über die 60er bis zum Ende der 70er Jahre, in denen sie insgesamt 15 Mal den Stanley Cup mit nach Hause nehmen konnten. Verbunden ist diese Ära auch mit ganz großen Namen des Eishockeysports. Wer kennt sie nicht die Brüder Maurice und Henri Richard? Maurice gewann von 1944 bis 1960 achtmal den Cup. Sein jüngerer Bruder Henri ist mit elf Titelgewinnen zwischen 1956 und 1973 alleiniger Rekordhalter vor seinen zeitweiligen Mitstreitern Jean Beliveau (1950-1971) und Yvan Cournoyer (1963-1979) mit jeweils zehn Cup-Gewinnen.

Auch wenn man als Habs-Fan gerne auf die Erfolge der Vergangenheit zurückblickt, kaufen kann man sich in der Gegenwart davon nichts. In dieser wartet mit den Lightning, einem Team das erst während der NHL-Expansionsphase Anfang der 90er Jahre gegründet wurde, ein ganz harter Brocken auf sie. Die Lightning verfügen über einen Kader gespickt mit jungen, schnellen Stürmern. Allen voran ihr Teamkapitän Steven Stamkos ist ein Torjäger ohne gleichen. Verletzungsbedingt konnte er nur 37 Partien bestreiten. Rechnet man seine dabei erzielten 25 Tore auf die 82 Begegnungen einer gesamten Spielzeit hoch, so wäre er mit über 55 Treffern der NHL-Toptorjäger. Mit Linksaußen Ondrej Palat (23 Tore, 36 Assists) und Center Tyler Johnson (24 Tore, 26 Assists) stehen zwei der drei besten Rookies aus der vergangenen Saison in Tampas Aufgebot.

Auch wenn die 'Bolts' auf keine vergleichbare goldene Vergangenheit verweisen können wie ihr jetziger Erstrundengegner, so haben sie doch gute Erinnerungen an ihn. 2004, auf ihrem Weg zum Stanley Cup Gewinn, trafen sie im Conference Halbfinale zum letzten und bisher einzigen Mal auf Montreal. Alle vier Partien entschieden sie für sich und sind damit die einzige Franchise gegen die die Canadiens in ihrer Geschichte noch keine Playoffpartie gewinnen konnten. Zehn Jahre danach werden sie aber auf hochmotivierte Canadiens treffen, denen bewusst ist, dass eine ganze Eishockeynation auf sie blicken wird und die wissen, dass auf sie, sollten sie die Lightning bezwingen, eine große landesweite Euphoriewelle zukommen wird.

Durchaus stolz auf das Abschneiden in der regulären Saison und auf die 100 Punkte in der Endabrechnung zeigten sich die Leistungsträger des Traditionsteams wie Schlussmann Carey Price, Teamkapitän Brian Gionta oder auch Verteidiger Josh Gorges in der lokalen Presse. Unisono verwiesen sie darauf, dass nun für sie das eigentliche (Eishockey-)Jahr beginnt.

An dessen Ende könnten sie den Geschichtsbüchern der Canadiens ein weiteres Kapitel hinzufügen.

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