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Finnland setzt sich gegen Russland durch

von Bernd Roesch / NHL.com

Der Ice Palace in der russischen Hauptstadt ist für die zwei anstehenden Halbfinale der IIHF Eishockeyweltmeisterschaft 2016 hergerichtet. Im ersten Halbfinale traf die finnische Auswahl auf Gastgeber Russland. Zwei Mannschaften, die bei diesem Turnier durchgehend überzeugen konnten und vollauf verdient unter den besten vier Mannschaften dieser Weltmeisterschaft stehen. Finnland zog ungeschlagen in das Viertelfinale ein und die russische Nationalmannschaft leistete sich nur im Auftaktspiel gegen Tschechien einen 0-3 Ausrutscher, in den noch folgenden sieben Vorrundenbegegnungen gab es für ihre Gegner nichts mehr zu holen. In den Viertelfinalspielen setzten sich die heutigen Konkurrenten souverän gegen Dänemark (5-1) und die DEB-Auswahl (4-1) durch.

Die Erwartungen vom Großteil der Zuschauer an ihre Sbornaja waren hoch. Unter frenetischem Jubel zog die russische Auswahl in die ausverkaufte Arena ein und sie legten auch gleich los wie die Feuerwehr. Finnland wartete in der neutralen Zone und ließ die Russen kommen. Ein Konzept, das zunächst nicht aufging. Anton Belov prüfte nach 119 Sekunden zum ersten Mal den finnischen Schlussmann Mikko Koskinen und nur wenig später versenkte Sergei Shirokov (3.) seinen eigenen Rebound zur frühen 1-0 Führung.

Die Gäste hatten Probleme ins Spiel zu kommen. Es dauerte über elf Minuten bis die Finnen bei Überzahl zu ihrem ersten Torschuss kamen während Artemi Panarin auf der Strafbank saß.

Noch im ersten Spielabschnitt wurden die Suomi mit zunehmender Spieldauer besser, blieben abwartend und lauerten auf Konterchancen, die sich ihnen jedoch zunächst nicht boten. Somit ging es mit einer leistungsgerechten Führung der Hausherren in die erste Drittelpause.

Eine Riesenmöglichkeit den Vorsprung auszubauen hatte nach 3:35 Minuten im Mittelabschnitt Alex Ovechkin. Er konnte alleine aufs Tor zulaufen und packte einen tollen Move aus. Koskinen ließ sich aber nicht ausgucken, so dass der Stürmerstar der Capitals seinen Schuss neben das Ziel setzte. Kurz danach zieht Alexei Marchenko eine Strafe wegen Beinstellens und die finnische Auswahl lässt sich nicht zweimal bitten. Nachdem sie ihre Aufstellung im Angriffsdrittel gefunden hatten, passt Mikael Granlund in die Mitte, wo Sebastian Aho(26.pp) zwischen den Bullykreisen wartet und mit seinem präzisen Schuss Sergei Bobrovski keine Abwehrchance lässt.

Dieser Gegentreffer zeigte Wirkung beim Team von Oleg Znarok. Immer wieder bissen sich die Hausherren gegen aufopferungsvoll kämpfende und clever verteidigende Finnen die Zähne aus. Die Angriffsmaschinerie der Sbornaja begann zu stottern. Auch ihr Überzahlspiel ließ Wünsche offen. Doch es kam noch schlimmer. Das dritte Powerplay der Russen war gerade ohne zählbare Ausbeute verstrichen, als die Finnen mit einem Spielzug zum Zunge schnalzen das 2-1 markieren konnten. Jussi Jokinen(36.) kam im Angriffsdrittel von der linken Seite, spielte den Puck zurück zu Patrik Lainen, der abwartete bis sein Sturmkollege hinter dem Tor herumgelaufen war, und passte dann quer zu ihm rüber. Jokinen hatte somit das leere Tor vor sich und netzte zum 2-1 ein. Gut zwei Minuten später machte Ovechkin seinem Frust Luft und musste auf der Strafbank Platz nehmen. Die Skandinavier können aber nicht nur effektiv verteidigen, sondern auch ein Powerplay aufziehen. Erneut hatte Aho(39.pp) kein Erbarmen und es stand 3-1.

Die Russen mussten im Schlussabschnitt kommen, fanden aber keine Möglichkeit, diese kompakt stehende Defensive zu knacken. Die Finnen gewannen einen Großteil der Zweikämpfe und sollte wirklich einmal ein russischer Spieler aus einer aussichtsreichen Position abziehen können, dann wurde der Schuss entweder geblockt oder Koskinen war Endstation. Knapp vier Minuten vor Spielende wurde es noch einmal brenzlig. Juuso Hietanen handelte sich eine Strafe wegen hohen Stocks ein. Ein Gegentreffer zu diesem Zeitpunkt hätte noch einmal zum großen Zittern geführt. Bobrovski verließ seinen Kasten zu Gunsten eines weiteren Feldspielers und die Sbornaja versuchte mit 6 gegen 4 zum Anschlusstreffer zu kommen, schaffte es aber nicht sich im Angriffsdrittel festzusetzen. Als die Strafe gegen Hietanen abgelaufen war, standen noch 103 Sekunden auf der Uhr.

Die russische Nationalmannschaft rannte kopflos an und muss sich nun mit dem Spiel um Platz 3 begnügen. Finnland wird im Finale am Sonntag auf den Sieger des zweiten Halbfinalspiels zwischen den USA und Kanada treffen.

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