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Nach der NHL zurück zum Ausbildungsverein

Vor allem in Tschechien und Finnland kehren viele Spieler aus der NHL zu ihrem Heimatverein zurück, auch als Eigentümer und Manager

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Jede zweite Woche wirft NHL.com/de in der Rubrik International Ice einen Blick über den Tellerrand der NHL. Hier können sie mehr über Spieler in Europa lernen, die nur ein Tor, einen Save, oder eine Entscheidung von einer NHL-Karriere entfernt sind, oder dort bereits Erfahrung gesammelt haben.

In der heutigen Ausgabe geht es um den Einfluss ehemaliger NHL-Spieler auf ihre Heimatvereine.

Einen Spieler in die NHL wechseln zu sehen, ist für europäische Vereine ein Moment, auf den man stolz ist. Damit machen sich Teams einen Namen, es ist ein Aushängeschild für die hervorragende Arbeit der Organisation. Doch es tut auch weh, schließlich trifft es nicht irgendeinen Spieler, man verliert nur die besten Akteure an die Elite auf der anderen Seite des Atlantiks.

Doch die Stars vergessen ihre Wurzeln nicht und kehren oft nach dem Ende ihrer aktiven Karriere zurück in die Heimat, manche hängen noch ein paar Saisons als Spieler in der heimischen Liga an, wenn sie sich in der NHL nicht mehr durchsetzen können, andere geben ihre gesammelten Erfahrungen als Trainer an die Kollegen in Europa weiter.

Es gibt auch einige Spieler, vor allem in der Tschechischen Republik und in Finnland, die ihrem Verein nicht nur ihre Expertise, sondern auch ihr hart verdientes Geld, für das sie in Übersee ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben, zur Verfügung stellen, indem sie als Eigentümer, beziehungsweise Miteigentümer einsteigen.

Eines der wohl unter Eishockeyfans bekanntesten Beispiele dafür, ist Jaromir Jagr. Der tschechische Marathon-Mann des Eishockey, der mit 45 Jahren immer noch für die Calgary Flames aktiv ist, übernahm 2011 mit einem Anteil von 70 % die Mehrheit an seinem Ausbildungsverein HC Kladno. Der Traditionsklub, der neben Jagr weitere Topspieler wie Tomas Plekanec und Tomas Kaberle hervorbrachte steht derzeit unter der Leitung von Jagrs Vater, der ebenfalls Jaromir heißt und der das Amt des Präsidenten innehat und daran arbeitet, nach dem Abstieg 2014 wieder in die Extraliga aufzusteigen. Jagr selbst hatte geplant, diese Saison für das Team auf dem Eis anzutreten, sollte er keinen Vertrag in der NHL bekommen.

Auch sein ehemaliger Mitstreiter Martin Straka, mit dem er bei den Pittsburgh Penguins aktiv war, ist sich nicht zu schade, nach seiner NHL-Karriere etwas an den Verein zurückzugeben, der ihn aufgebaut hat. Der Stürmer aus der Schule des HC Plzen feierte 2008/09 bei den New York Rangers seinen Abschied aus der NHL und kehrte prompt in die böhmische Stadt zurück, wo er umgehend eine Doppelrolle übernahm. Neben dem Amt des Kapitäns auf dem Eis, übernahm er auch in der Organisation als General Manager die Zügel. Nach seiner ersten Spielzeit in dieser Funktion, stieg Straka als Eigentümer ein. Fünf Jahre später hängte er die Schlittschuhe endgültig an den Nagel, bleibt seinem Verein aber bis heute als Eigentümer, Manager und mittlerweile auch Cheftrainer treu.

Doch nicht nur unter tschechischen Kufencracks ist die Heimatverbundenheit besonders groß, auch im hohen Norden träumen offenbar viele Spieler davon, ein Team ihr Eigen zu nennen. Pasi Nurminen, der 2001 bis 2004 auf 125 Einsätze für die Atlanta Thrashers kam, hält seit seinem Karriereende 2005 Anteile an seinem Ausbildungsverein, den Pelicans Lahti und übernimmt dort Aufgaben im Trainerstab.

Ein weiterer Kandidat ist Sami Kapanen. Noch während seiner Einsatzzeit in der NHL, in Diensten der Philadelphia Flyers, übernahm er die Kontrolle über KalPa, bei denen er in Kuopio sein Handwerk lernte. Er war letztendlich 2014 zuletzt für den Verein auf dem Eis und ist heute der Cheftrainer des Klubs.

In Turku ist man besonders stolz auf seine Eishockeyschule, kein Wunder also, dass auch beim finnischen Rekordmeister (gemeinsam mit Tappara Tampere, je zehn Titel) TPS Eigengewächse nach und während ihrem Einsatz in Übersee Engagement für den Verein zeigen. Gleich drei Größen des finnischen Eishockeys stiegen bereits vor zehn Jahren gemeinsam bei ihrem Heimatklub ein.

Die Brüder Mikko Koivu und Saku Koivu, sowie Torwart Miikka Kiprusoff gehören zu den bekanntesten und erfolgreichsten finnischen Spielern aller Zeiten. 2007 erwarben sie gemeinsam Anteile an TPS. Mittlerweile sind Saku und Kiprusoff nicht mehr als Spieler aktiv, damit haben sie mehr Zeit sich anderweitig für TPS einzusetzen. Während Kiprusoff als Torwarttrainer für die Absicherung in der Profimannschaft sorgt, kümmert sich Koivu als Director of Player Development um die Athleten und den Nachwuchs.

Die meisten dieser Spieler mögen zwar nicht mehr selbst über das Eis flitzen, doch ein Leben ohne den schnellsten Teamsport der Welt, ist für sie kaum vorstellbar. Während andere Menschen davon träumen nicht mehr arbeiten zu müssen, können sie sich das kaum vorstellen. Nicht nur das, sie beweisen auch, dass sie mit dem Erfolg nicht ihre Wurzeln, den Verein und die Menschen vergessen haben, die ihnen zu ihrer Karriere verholfen haben. Sie zeigen, dass sie keine Söldner sind und sie helfen ihren alten Vereinen, weiterhin Spieler hervorzubringen, an deren Talent und Fähigkeiten sich Fans auf der ganzen Welt erfreuen können. Die Erfahrungen, die die Stars in der besten Liga der Welt sammeln, kommen so auch dem europäischen Eishockey zugute und bauen die heimischen Vereine und Ligen weiter auf. Ein wichtiger Einfluss auf die Zukunft des hiesigen Eishockeys.

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