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Eng geht's zu in den Stanley Cup Playoffs

von Bernd Roesch / NHL.com

Es gibt Tore, die sind einfach nur schön, es gibt Tore, die einen hohen Stellenwert für den Schützen haben, weil es vielleicht sein erstes ist oder er damit eine persönliche Bestmarke aufstellt, und dann gibt es selbstverständlich auch jene Treffer, die vielumjubelt die Mannschaft zu einem Titel führen.

Die Stanley Cup Playoffs sind mitten im Gange, doch bis das Tor zum Titelgewinn fallen wird, werden noch einige Wochen ins Land ziehen. Es werden harte Wochen für jene Teams, die sich in den vier Conference Habfinals durchsetzen können. Jene acht Mannschaften, die aktuell noch ums Weiterkommen kämpfen, liefern sich enge Duelle. Von den 47 Partien in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs gingen sieben in die Verlängerung, in dreien musste mit einer zweiten Overtime noch eine weitere Zusatzschicht eingelegt werden. In knapp 15 Prozent der Erstrundenspiele fiel die Entscheidung also erst nach der regulären Spielzeit.

Die zweite Playoffrunde gestaltet sich noch spannender: Von den bisher 15 Partien endeten zwei Drittel mit einem Tor Unterschied, bei sechs davon - 40 Prozent! - fiel das spielentscheidende Tor erst in der Overtime. Insgesamt mussten die Kontrahenten acht Zusatzdrittel absolvieren bis ein Sieger feststand.

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Nur jene Spieler, die mental und körperlich zu 100 Prozent fit sind, können eine solche Belastung, bei der sie an ihre Leistungsgrenze gehen müssen, verkraften und sind damit auch ihrem Team eine Hilfe. Overtime bedeutet auch, dass Fehler nicht verziehen werden.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag fanden in der Western Conference zwei Playoffpartien statt, in beiden Serien stand es 2-1. Der Druck auf die hinten liegenden Teams war enorm groß. Statistisch gesehen scheiden über 90 Prozent der Mannschaften aus, die von den ersten vier Spielen einer Playoffserie drei verloren haben.

Die Ausgangslage der Dallas Stars war vor ihrem Auftritt im Scottrade Center gegen die St. Louis Blues nicht rosig, waren sie doch in Spiel 3 von den Hausherren vorgeführt worden und unterlagen mit 1-6. Ihre Situation wurde auch nicht besser, als sich nach gut zehn Spielminuten Vladimir Tarasenko gegen sechs(!) Stars durchsetzen und den Führungstreffer markieren konnte. Am Ende hatten aber die Gäste aus Texas, die sich zurück in die Partie kämpften, die Nase vorn. 2-2 Unentschieden stand es nach 60 Spielminuten. Die Entscheidung musste also in der Verlängerung fallen.

Das Momentum war auf Seiten der Gäste, die gezeigt hatten, dass sie sich von einer Schlappe nicht beeindrucken lassen. "Wir wussten, dass es nicht einfach wird. St. Louis zählt zu den besten Mannschaften in der NHL, die denken vielleicht schon über den Stanley Cup nach, und sie sind einer der schwersten Gegner", meinte Stars Center Radek Faksa, der Schütze zum 1-1 Ausgleichstreffer. Er fügte hinzu, dass sein Team 'Charakter gezeigt habe' und dass sie sehr glücklich seien, heute ausgeglichen zu haben.

Zum Matchwinner der Gäste avancierte Cody Eakin. Dieser Treffer, der erste des 24-jährigen Stürmers in den diesjährigen Playoffs, war der bedeutungsvollste in seiner noch jungen Playoffkarriere. Dem Lob seiner Mannschaftskollegen war er sich damit sicher. "Es begann mit der herausragenden Spieleröffnung unseres Kapitäns in der neutralen Zone und dann war es ein klasse Schuss", beschrieb Vorlagengeber Patrick Sharp das so wichtige Siegtor. "Wir waren zuversichtlich, wir waren aufgeregt angesichts der Chance mit einem Sieg im Rücken nach Dallas heimzukehren. Es spielte keine Rolle wie hoch wir Spiel 3 verloren haben, es war eine Niederlage und die mussten wir hinter uns lassen."

Den Blues ist angesichts ihrer Stärke zuzutrauen, dass sie diese Overtime-Heimniederlage genauso wegstecken können, wie jenes 3-4 gegen die Chicago Blackhawks in der zweiten Verlängerung von Spiel 5, doch sie werden in den noch ausstehenden Partien auf einen Gegner treffen, der Lunte gerochen hat.

4-3 lautete auch der Endstand eines wahren Marathonmatches, das sich die Nashville Predators und die San Jose Sharks am Donnerstag in der Bridgestone Arena lieferten. Nach über 111 Minuten effektiver Spielzeit beendete Mike Fisher den bisher längsten Eishockeythriller in den diesjährigen Playoffs. Es war schon weit nach Mitternacht, Ortszeit 1:03 Uhr am Freitagmorgen, als sich um den Schützen des erlösenden Treffers, es war sein zweiter in dieser Partie, eine Spielertraube aus Teamkollegen bildete, die mit dem letzten Funken Energie, der noch in ihren Körpern verblieben war, aufs Eis stürmten.

Schon in der regulären Spielzeit einer Playoffpartie wird von den Spielern das Maximale abverlangt, so dass es fast unmenschlich erscheint, was die Spitzensportler auf beiden Seiten in dieser Nacht vollbracht haben.

Der Schweizer Verteidiger Roman Josi stand in der Begegnung insgesamt 49:42 Minuten auf dem Eis, sein Verteidigerkollege Shea Weber nur 35 Sekunden weniger. Die Schmerzen, die eine solche Marathonleistung verursacht, sind aber dank der Belohnung in Form eines Sieges schnell vergessen.

"Ein solcher Sieg treibt dich an. Er gibt dir einen zusätzlichen Schub", sagte Predators Verteidiger Mattias Ekholm und freute sich, dass es jetzt 2-2 steht: "Jetzt ist alles wieder offen. Es ist immer schön, wenn du gewinnst, doch auf diese Art und Weise ist es besonders schön."

Die Predators konnten gegen die auswärtsstarken Sharks beide Heimpartien gewinnen, so dass es bei den Kaliforniern nun gilt die Wunden zu lecken, die tief sitzen dürften. Kommende Woche werden wir genau wissen, ob diese Partie, als jene in die Playoff-Geschichte 2016 eingehen wird, die einer ganzen Serie die Wende geben konnte.

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