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Ein schönes und unvergessliches Erlebnis

von Stefan Herget / NHL.com

Als europäischer Eishockeyfan sieht man sie im Fernsehen auf ESPN America oder im Internet live im NHL Gamecenter. Einige hatten auch schon die Möglichkeit, sie auf einer Reise vor Ort im Stadion von der Tribüne aus spielen zu sehen. Für 18 Fans aus Deutschland und zwei Schweizer ergab sich im Rahmen der jährlich im Frühjahr stattfindenden Leserreise von Eishockey.com das seltene Erlebnis, die deutschen NHL-Spieler Jochen Hecht, Alexander Sulzer (beide Buffalo Sabres) und den Stanley Cup Gewinner Dennis Seidenberg (Boston Bruins) nach ihren Spielen hautnah und exklusiv zu treffen.

Die Spieler konnten dabei deutlich unter Beweis stellen, dass ihnen die Fans sehr viel wert sind, so bereitwillig und geduldig wie sie Autogramme gaben und für Erinnerungsfotos zur Verfügung standen. So manches davon wird einen besonderen Platz erhalten. „Das unterschriebene Foto von Seidenberg wird bei mir im Wohnzimmer aufgehängt“, sagt zum Beispiel Ralf Kling, der aus der Nähe von Mannheim kommt und in seinem Adler Trikot von Dennis gleich erkannt wird. Er verdeutlicht noch den Stellenwert des Bildes für ihn mit dem Nachsatz: „Ich muss nur noch einen passenden Rahmen dafür finden.“

Seidenberg Autogramme sind in Deutschland nicht erst durch seinen Gewinn des Stanley Cups im letzten Jahr sehr begehrt, sondern auch deshalb, weil der ehemalige Mannheimer Spieler, seit mehreren Jahren bereits dauerhaft in den USA lebt und es daher keine Möglichkeit gibt, ihn im Urlaub in Deutschland zu erwischen.

Guido „Egge“ Fiebag aus Krefeld lässt ein Bild vom letztjährigen Finale für seine Fangalerie zu Hause unterschreiben. Er war im Mai extra für Spiel 1 und 2 aus Deutschland nach Vancouver angereist und hatte viel Geld für die Eintrittskarten investiert. „Ich habe zwar Christian Ehrhoff mit Vancouver die Daumen gedrückt und es war schade für ihn, dass es nicht geklappt hat, aber ich beglückwünsche dich und habe es natürlich auch dir gegönnt“, gibt er Seidenberg gegenüber unumwunden zu. Dieser nimmt es mit einem Lächeln zur Kenntnis.

Das was Dennis Seidenberg als zweiter Deutscher nach Uwe Krupp im Jahr 2011 erreicht hat, davon können Jochen Hecht und Alexander Sulzer derzeit nur Träumen. Die sich abzeichnende ausbleibende Qualifikation für die Playoffs hinderte die beiden nicht sich den Fans zur Verfügung zu stellen.

Bei den kurzen Gesprächen wurden durchaus fachliche Fragen gestellt, wie zum Warum der Saisonverlauf der Buffalo Sabres so enttäuschend verlief. Aber ebenso wurden Erkundigungen nach dem Gesundheitszustand von Hecht, der im Januar eine Gehirnerschütterung erlitt, eingeholt. Die Spieler standen auf jeden Fall Rede und Antwort.

Die Gefühle des Alexander Sulzer waren etwas zweigeteilt. Einerseits hatte er seit seinem Wechsel von Vancouver nach Buffalo Ende Februar erstmals viel Eiszeit bekommen und konnte sich beweisen, andererseits stand sein neues Team kurz vor dem Playoffaus. Für den gebürtigen Allgäuer, der in Kürze Vaterfreuden entgegensieht, läuft es also derzeit nur fast perfekt. „Die Stimmung in der Kabine ist heute sehr gedrückt“, verdeutlicht Sulzer die Situation nach der Niederlage in Toronto.

Fragen gab es aber nicht nur von den Fans an die Spieler, sondern die Eishockeyprofis wollten auch wissen, wo die einzelnen Leute herkamen und das Feld war vom Süden nach Norden, Westen und Osten bunt gemischt. Neben einzelnen Fans, die immer wieder mit deutschen Fahnen und DEL Trikots in den NHL Arenen auftauchen und ihre Landsleute anfeuern, finden ab und zu solche „Meet and Greet“ (Treffen und Grüßen), wie es im Englischen heißt, mit Fangruppen statt.

„In dieser Saison war schon eine Gruppe aus Mannheim in Buffalo und eine aus Augsburg da“, teilt Seidenberg mit, der sich über Begegnungen dieser Art sehr freut, auch wenn es für den Spieler durchaus stressig werden kann. Gerade auf Auswärtstouren bleibt zwischen dem Spielende und der Busabfahrt nicht viel Zeit. Für die Zwänge des engen Terminkalenders muss ein gewisses Verständnis da sein, doch die Fans sind über den kurzen Moment von guten 10 bis 15 Minuten froh, die Stars hautnah zu sehen und Erinnerungsstücke wie unterschriebene Pucks, Bilder, Spielerkarten oder Trikots mit nach Hause zu nehmen.

Sulzer war zum Beispiel gerade mit allem Autogrammen fertig und noch in Gesprächen, als jemand aus dem Hintergrund rief: „Der Bus von Buffalo fährt in zwei Minuten!“ Dann hieß es schnell Abschied nehmen, nichtwissend, dass man sich bereits einen Tag später beim AHL-Spiel der Toronto Marlies im Publikum wiedersehen würde, weil Sulzer seinen bayerischen Kollegen Korbinian Holzer besuchte.

In der Regel regiert bei den Treffen Zurückhaltung und sogar ein wenig Ehrfurcht das Geschehen und nicht alle sind so forsch, wie der elfjährige Wayne Sonnenschein aus Berlin, der Jochen Hecht fragt: „Für welches Team spielst du noch mal?“ Ein bisschen Spaß auch einmal muss sein.

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