Evan Bouchard 09302026

Die Saison der Edmonton Oilers war noch keine 50 Minuten alt, da flogen bereits einige Caps auf die Eisfläche des Rogers Place. Die Anerkennung galt dem Verteidiger Evan Bouchard, der im Heimspiel am Dienstag gegen die Vancouver Canucks eine historische Leistung erbrachte. Wenige Augenblicke zuvor hatte er aus der Distanz den Anschlusstreffer zum 4:5 erzielt. Dies war bereits sein dritter Treffer an diesem Abend. 

Der 26-Jährige ist der dritte Verteidiger der NHL-Geschichte, dem in einem Saisoneröffnungsspiel ein Hattrick gelang. Seine Vorgänger sind schon lange nicht mehr aktiv. Dies waren Mark Howe (3-1-4, am 9. Oktober 1980 mit den Hartford Whalers) und Bert Corbeau (3-1-4, am 25. Dezember 1919 mit den Montreal Canadiens). „Das war eben einer dieser Abende“, sagte er später. „Aber ohne die Jungs vor dem Tor wäre keiner dieser Schüsse hineingegangen. Die Jungs haben vor dem Tor hart gekämpft.“

VAN@EDM: Bouchard verzeichnet den zweiten NHL-Hattrick im ersten Saisonspiel

Bouchard: Erster Verteidiger mit fünf Torbeteiligungen zum Auftakt

Die Oilers benötigten einen weiteren Treffer, um sich zumindest in die Overtime zu retten. Erneut war Bouchard daran beteiligt. Der Defensivspieler und Leon Draisaitl gaben 43 Sekunden vor Spielende den Assist für den Powerplay-Treffer von Vasily Podkolzin zum 5:5. Bemerkenswert: Mit drei Toren und zwei Assists war Bouchard an allen Toren seiner Mannschaft direkt beteiligt. Der Kanadier ist der erste Verteidiger der NHL-Historie, der in einem Saisonauftaktspiel fünf Scorerpunkte verbuchte.

Trainer Mike Babcock lobte Bouchard: „Er kann außergewöhnliche Spielzüge kreieren, und seine offensiven Fähigkeiten sind, gelinde gesagt, etwas Besonderes. Auch seine Pässe beim Spielaufbau waren stark. Insgesamt hatte er einen guten Abend.“ Doch allzu groß war die Freude über den historischen Abend von Bouchard nicht, denn in der Overtime entschieden die Canucks das Spiel für sich. Ryan Shea verlor im Spielaufbau unter dem Druck von Paul Cotter den Puck an der Bande. Cotter spielte zu Max Sasson, erhielt den Rückpass und entschied die Partie.

Dies rückte den historischen Abend von Bouchard in ein anderes Licht. „Man kann keinen Spieler mit fünf Scorerpunkten haben und trotzdem das Spiel verlieren“, sagte Babcock. „Das ergibt einfach keinen Sinn. Wir können über die individuelle Klasse und das Talent unserer Spieler sprechen, aber als Mannschaft müssen wir die Dinge richtig machen.“ 

Effektiver als Draisaitl und McDavid 

Bouchard war effektiver als Leon Draisaitl (ein Assist) und Connor McDavid (zwei Assists), konnte sich aber trotzdem nicht über seinen außergewöhnlichen Abend freuen. Er blickte ernst und verzog keine Miene, als er nach Spielende umringt von Journalisten in der Kabine stand und die Partie analysierte. „Man hat gemerkt, dass es unser erstes Spiel der regulären Saison war. Wir müssen deutlich mehr Wert auf die Details legen. Wenn man so viele Überzahlangriffe des Gegners und sechs Gegentore zulässt, reicht das nicht“, sagte Bouchard. 

Defensive als Schwachstelle der Oilers

Tatsächlich war das Defensivverhalten die große Schwachstelle beim Saisonauftakt. Zu Beginn des Schlussdrittels kassierten sie drei Gegentore innerhalb von 4:05 Minuten Spielzeit. Für Trainer Babcock kam der Einbruch durchaus überraschend. „Insgesamt fand ich, dass wir gut angefangen haben. Aber dann haben wir die Dinge nicht mehr richtig gemacht, den Puck verloren und falsche Entscheidungen getroffen. Am Ende haben wir sechs Gegentore kassiert.“

Babcock verwies darauf, dass die Mannschaft in den vier Vorbereitungsspielen insgesamt nur fünf Gegentore zuließ. „Darüber muss man nachdenken. Wenn wir bereit sind, zu arbeiten und die Dinge richtig zu machen, werden wir viel Erfolg haben. Wenn wir aber so spielen wie heute, werden wir den Spielen ständig hinterherlaufen“, so der Trainer.

„Das war lächerlich“: Babcock übt Kritik

Besonders bitter verlief der Abend für Torwart Tristan Jarry, der bei 23 Schüssen auf das eigene Tor sechs Mal hinter sich greifen musste. Dies ergibt eine Save-Quote von lediglich 73,9 Prozent. Dementsprechend selbstkritisch gab sich der Goalie: „Es gab Momente im Spiel, in denen ich besser hätte agieren können. Das hätte uns in eine bessere Position gebracht.“

Auf die Aussage von Jarry angesprochen, räumte der Trainer die Mitschuld des Torhüters ein, wollte ihn aber trotzdem nicht zum Sündenbock machen: „Das war ziemlich offensichtlich, und das weiß jeder. Deshalb können wir das Thema auch abhaken. Unser Teil besteht darin, deutlich besser zu spielen. Das heute war lächerlich.“ 

Auch die Special Teams der Oilers gaben kein gutes Bild ab. Bei vier Powerplays gelang zwar ein Tor, allerdings ließen die Oilers auch in der 10. Minute den Unterzahl-Treffer durch Cotter zu. „Unser Überzahlspiel war überhaupt nicht effektiv. Ehrlich gesagt war das etwas überraschend, weil es zuvor ziemlich gut funktioniert hatte“, sagte Babcock in Anspielung auf die Preseason. 

Die Gäste aus Vancouver waren effektiver, hatten zwei Powerplays und konnten eines davon durch Elias Pettersson verwerten. Im 5-gegen-5 trug sich zudem der Österreicher Marco Rossi in die Torschützenliste ein. 

Kurzum: Aus Sicht von Edmonton gibt es viel Verbesserungspotenzial. Immerhin lässt die Revanche nicht lange auf sich warten. Bereits am Donnerstag (10 p.m. ET, Freitag 4 Uhr MESZ) kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen der Oilers und Canucks, dann allerdings in Vancouver.

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