Skip to main content

Ducks haben nach Trainerwechsel einige Baustellen

von Stefan Herget / NHL.com

Als die Anaheim Ducks am 13. Dezember 2015 nach 29 Saisonspielen mit 27 Punkten und einer Bilanz von 11-13-5, sowie einem Torverhältnis von 56-73 und damit mit im Schnitt weniger als zwei erzielten Toren pro Spiel Letzter der Western Conference waren, sah alles danach aus, als wenn das als Mitfavorit auf den Stanley Cup Gewinn in die Saison gestartete Team kurz vor einem Trainerwechsel stehen würde.

Ducks General Manager Bob Murray hielt jedoch trotz vieler Kritik von Außen an Bruce Boudreau, der die Ducks im November 2011 von Randy Carlyle übernommen hatte, fest. Er war überzeugt, dass Boudreau über genug Erfahrung und Talent verfügen würde, das Ruder wieder herum zu reißen und behielt recht.

Anaheim blieb in der Folge nur noch in zwölf Spielen ohne Punktgewinn und erzielte in den verbleibenden 53 Spielen über drei Tore im Schnitt, so dass am Ende sogar mit 103 Punkten noch die Pacific Division gewonnen werden konnte. Die Ducks erreichten so die dritte Saison in Folge die 100 Punkte Marke und die vierte die Meisterschaft in der Division.

Doch wieder gab es in den Playoffs mit dem Aus in der ersten Runde gegen die Nashville Predators eine Enttäuschung. Nur 2015 konnte Boudreau die Erwartungen annähernd erfüllen und die Ducks scheiterten denkbar knapp in sieben Spielen an den Chicago Blackhawks in Western Conference Finale.

Schließlich erwischte es Boudreau doch noch und Murray setzte ihn unmittelbar nach dem Aus gegen Nashville auf die Straße. Nach dem Motto ‚Alte Besen kehren gut’ wurde in dieser Woche dessen Vorgänger Carlyle als sein Nachfolger verpflichtet. Der 60-jährige Trainer hatte mit Anaheim den größten Erfolg ihrer Geschichte gefeiert und 2007 den Stanley Cup geholt. Zuletzt war er bis im Februar 2015 bei den Toronto Maple Leafs aktiv.

Murray weiß, was er mit Carlyle bekommt, hat er mit diesem doch seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2008 über drei Jahre zusammengearbeitet. Auf der anderen Seite ich dem Coach auch nicht alles fremd.

Er übernimmt eine Mannschaft mit einem guten Stamm, die vermutlich in der kommenden Saison erneut eine gute Rolle spielen kann. Die Topstürmer Ryan Getzlaf, Corey Perry und Ryan Kesler sind noch vertraglich gebunden und nehmen fast 24 Millionen US-Dollar des Gehaltsetats ein.

Alle drei hatten zuletzt nicht ihre beste Spielzeit und das Trio ist bereits 31 Jahre alt. Wichtige Aufgabe für Carlyle wird sein, sie wieder in Schwung zu bekommen. Es ist sicher zu früh, das Alter kritisch zu sehen, doch sollte es mit ihnen in naher Zukunft nicht gelingen, einen weiteren Stanley Cup Sieg einzufahren, wird ein Schnitt nötig sein.

Für Jakob Silfverberg und Andrew Cogliano werden noch einmal fast sieben Millionen Etat fällig. Baustellen im Sommer werden die Weiterverpflichtung vom 23-jährigen restricted Free Agent Rickard Rakell, der weitestgehend an der Seite von Getzlaf und Perry in der ersten Reihe immerhin 43 Punkte verbuchte, aber bisher nur 894.000 verdiente. Jamie McGinn (39 Punkte; 2,95 Millionen) und David Perron (36 Punkte; 3,813 Millionen) werden zu unrestricted Free Agents.

In der Verteidigung steht das Top-Paar Cam Fowler und Kevin Bieksa mit jeweils vier Millionen weiter unter Vertrag. Der 24-jährige Fowler zeigte jedoch trotz 28 Punkten in der Offensive einige Schwächen in der Defensive und könnte ein Objekt für einen Tausch mit einem anderen Verteidiger sein.

Aber auch aus dem 34-jährigen Bieksa muss Carlyle zukünftig mehr herausholen. Positiv fiel Rookie Josh Manson auf, der schnörkellos spielte. Definitiv überbezahlt aufgrund ihrer gezeigten Leistungen sind Clayton Stoner mit 3,25 Millionen und Simon Despres mit 3,7 Millionen. Bei Letzterem ist anzuführen, dass er wegen einer Gehirnerschütterung nur 32 Spiele absolvieren konnte, jedoch in diesen nicht überzeugend spielte, wie er es noch die Saison zuvor tat.

Neben dem Deutschen Korbinian Holzer gehören Sami Vatanen und Hampus Lindholm zu den ab Juli vertragslosen Verteidigern. Während bei Holzer ein neues Angebot fraglich sein dürfte, werden sich die Ducks um die weiteren Dienste von Vatanen und Lindholm bemühen, denen die Zukunft gehören könnte. Mit auf dem Plan dafür wird Shea Theodore stehen, der nach seiner Berufung aus der AHL in seinen 19 NHL Spielen acht Punkte verbuchte und durchaus zu überzeugen wusste.

Nachdem bei den Torhütern nur noch John Gibson unter Vertrag steht, könnte Frederik Andersen, der zum restricted Free Agent wird und sicher mehr als seine bisherigen 1,15 Millionen verdienen will, Bestandteil eines Trades sein. Kaum denkbar, dass die Ducks weiterhin mit zwei hochdotierten Schlussleuten arbeiten.

Für die Saison 2015-16 sind 16 Spieler mit ungefähr 52,6 Millionen Gehälter unter Vertrag, somit verbleiben ca. 20 Millionen für mindestens sieben weitere Spieler. Gerade im Sturm müssen sich die Ducks noch wesentlich verstärken. Mal sehen, was der Sommer bringt.

Mehr anzeigen