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Deutschland scheidet gegen Russland aus

von Alexander Gammel / NHL.com

Im Viertelfinale war für die Deutsche Nationalmannschaft am Donnerstag von Anfang an klar: Gegen Gasgeber Russland sind sie in Moskau der klare Außenseiter. Doch sie hatten in der Vorrunde bereits gezeigt, dass sie vor den Favoriten keine Angst haben und das zurecht. Sowohl gegen die Slowakei, als auch die USA konnte man sich durch erstklassige Leistungen durchsetzen.

Russland fing erwartet stark an, und bereitete sich auf ein Offensivfeuerwerk vor. Das wollten die Deutschen, allen voran Torwart Thomas Greiss und Stürmer Patrick Reimer, so nicht hinnehmen. Nicht die Russen sondern der Nürnberger Rekordtorschütze Reimer brachte nach 4:45 zum ersten Mal die Torsirene zum klingen. In der Folge Totenstille im Moskauer Eispalast. So hatten sich die Anhänger der Sbornaja das Viertelfinale nicht vorgestellt und das merkte man an der Stimmung und dem Spiel der Gastgeber.

Zwar waren die Russen weiterhin dominant, aber nicht so zwingend wie man erwartet hätte, da Deutschland kämpfte und körperlich gut dagegen hielt.

Doch im zweiten Drittel drehten sie dann richtig auf. Nur 40 Sekunden nach Beginn des zweiten Spielabschnitts traf Topscorer Vadim Shipachiov zum Ausgleich, vorbereitet durch Dadonov und Belov.

Jetzt kam die „Rote Maschine“ richtig in Fahrt. Nach 27:17 traf erneut die Kombination Dadonov-Shipachiov, diesmal machte Dadonov den Abschluss. Weitere sieben Minuten später war es wieder Shipachiov, der eine Traumkombination mit Telegin abschloss. Trotz dem 3-1 muss betont werden: Greiss war im Deutschen Tor überragend, er hielt die Mannschaft weiterhin in Schlagdistanz.

Die Truppe unter Bundestrainer Marco Sturm gab aber nicht auf, kämpfte weiter und erarbeitete sich immer wieder Chancen. Im dritten Drittel schienen sie auch wieder etwas besser mithalten zu können.

Allerdings war es dann Superstar Alex Ovechkin, der nach 2:45 im dritten Drittel seinen ersten Treffer des Turniers machte und auf 4-1 erhöhte. Deutschland gab sich weiter Mühe, erarbeitete sich auch noch ein paar Chancen, konnte den Spielstand aber nicht mehr ändern.

Es blieb beim 4-1 für den Gasgeber Russland, was aber nicht an mangelndem Kampfeswillen der Deutschen lag, die sich gut verkauften und in diesem Turnier unerwartete Qualitäten zeigten.

Nach dem Spiel wurden noch die drei wertvollsten Spieler von Team Deutschland in diesem Turnier ernannt. Diese Ehre ging an den überragenden Torhüter der New York Islanders Thomas Greiss, an Christian Ehrhoff, der während des Turniers immer stärker wurde und die Mannschaft aus der Verteidigung heraus antrieb und an Stürmer Patrick Hager, der mitverantwortlich für die überraschend starke Offensive der Mannschaft war.

Das Turnier kann trotz der Niederlage als Erfolg für die Deutsche Nationalmannschaft gewertet werden. Sie erzielten nicht nur überraschend gute Ergebnisse, vor allem gegen klar favorisierte Teams, sondern konnten durch neu entdeckte Qualitäten in der Offensive auch mit attraktivem Eishockey überzeugen. Die erste WM unter Bundestrainer Marco Sturm zeigte ein Deutsches Team, das Lust auf mehr macht und seinen Anhängern durchaus Hoffnung für die Zukunft unter dem jungen Trainer macht.

Die Sbornaja tritt damit im Halbfinale zum Topduell gegen Finnland an. Die Finnen waren bisher überragend in diesem Turnier, besonders durch ihre kaum bezwingbare Abwehr. Die wird nun durch die extrem gefährliche Offensive der Russen auf die Probe gestellt. Egal wie es ausgeht, bei dem Duell am Samstag sollte man auf jeden Fall ein spannendes Spiel auf höchstem Niveau erwarten.

Im Parallelspiel in St. Petersburg trafen zwei echte Größen im Welteishockey aufeinander, Schweden trat gegen Kanada an, einer der Turnierfavoriten. Man erwartete hier eigentlich ein knapperes Spiel als bei der Partie Deutschland gegen Russland, hat doch Schweden ebenfalls technisch und läuferisch starke Spieler, die zur Weltelite gehören.

Doch es sollte ein absolutes Debakel für die Eishockeynation Schweden werden. Bereits im ersten Drittel mussten sie ein Torschussverhältnis von 12-6 erdulden. 81 Sekunden vor Ende des Drittels klingelte es dann zum ersten Mal. Mark Scheifele fälschte auf Vorlage von Reilly und Stone am Schwedischen Schlussmann Jacob Markström vorbei ab. Nach dem ersten Drittel schien das Spiel für die Skandinavier aber noch zu retten, schließlich galt es nur ein Tor aufzuholen.

Doch das zweite Drittel sollte alles nur schlimmer machen. Viel schlimmer. Nach 6:05 traf Matt Dumba im Powerplay von der blauen Linie, erneut waren Stone und Scheifele beteiligt. Weiter sechs Minuten später versenkte Marchand dann den Puck, der von der Bande zurückkam, erneut gab es Punkte für Dumba und Scheifele. Nur 11 Sekunden später erhöhte dann auch noch der junge Max Domi auf 4-0.

Die Tre Kronor hatten Kanadas Torhüter Cam Talbot zwar zu ein paar Glanzparaden gezwungen, waren insgesamt aber zu harmlos und konnten auch aus ihren besten Chancen kein Kapital schlagen. Neun Minuten vor Spielende durfte Mark Stone dann auch noch selbst treffen und Derick Brassard stellte zwei Minuten später den 6-0 Endstand her.

Kanada trifft im Halbfinale damit zum Nordamerikanischen Bruderduell auf die USA. Die Ahornblätter gehen am Samstag nach dem bisherigen Turnierverlauf beider Teams als klarer Favorit in das Spiel, sie verloren bisher nur gegen Finnland. Die USA hatte deutlich größere Probleme, konnten in der Vorrunde nur gegen die drei „Kleinen“ Frankreich, Ungarn und Weißrussland gewinnen und mussten eine bittere Niederlage gegen Deutschland hinnehmen.

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