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DEL-Playoffs: Uwe Krupp mit den Eisbären raus

von Axel Jeroma / NHL.com

Wenn Uwe Krupp eines nicht leiden kann, dann sind das Niederlagen. Wenn sie gar nach wichtigen Begegnungen zustande kommen, steigert sich sein Verdruss mitunter dermaßen, dass er wort- und grußlos den Schauplatz des Misserfolgs verlässt. So geschehen unter anderem nach den entscheidenden Playoff-Finalspielen gegen die Eisbären Berlin 2013 und ein Jahr später gegen die Panther des ERC Ingolstadt. Beide Male verpasste Krupp als Coach mit seinen Kölner Haien den ersehnten Titel.

Am Ostermontag erlebte er wieder eine dieser schweren Stunden. Als Übungsleiter in Diensten der Eisbären Berlin zog er im Playoff-Viertelfinale 2015/16 den Kürzeren – ausgerechnet gegen „seine“ Kölner. 2-3 ging das ausschlaggebende siebte Spiel in der Hauptstadt verloren. Doch diesmal bewahrte Krupp Haltung und schritt die Ehrenformation der Haie zum finalen Handschlag ab.

Die Eisbären hatten vor den Playoffs eine solide Hauptrunde gespielt und waren nach 52 Spielen hinter dem EHC Red Bull München als Zweiter durchs Ziel gegangen. Bei den Haien dagegen wechselten Licht und Schatten. Rang sieben in der Tabelle bedeutete den Umweg über die Pre-Playoffs, in denen sie den amtierenden Meister Adler Mannheim ausschalteten. So kam es im Viertelfinale zum Duell der Eisbären gegen die Haie und damit Krupps altem Arbeitgeber.

Eine Partie mit gehöriger Brisanz für den ehemaligen Bundestrainer. Im Oktober 2014 hatten ihm die Haie-Chefs nach einem Durchhänger der Mannschaft gekündigt. Trotz des zweimaligen Einzugs in die DEL-Endspiele in den Jahren zuvor waren die Verantwortlichen nicht länger gewillt, Krupp die sportlichen Geschicke des Vereins anzuvertrauen. Für das Kölner Urgestein ein harter Schlag, der bis heute schmerzt.

Die Viertelfinal-Serie der Eisbären gegen die Haie bot alles, was einem Fan das Herz höher schlagen lässt. Nach einem 0-3 im ersten Match glichen die Berliner die Serie mit einem 1-0 in der Verlängerung in Köln wieder aus. In den folgenden vier Aufeinandertreffen gelang keinem der beiden Klubs der entscheidende Punch auf fremdem Terrain. Die Eisbären gewannen daheim mit 4-1 und 5-1, die Haie nicht minder deutlich 4-0 und 5-1.

Deshalb kam es in Berlin zum Showdown in Spiel sieben. Das begann für die Eisbären denkbar schlecht. Nach sechs Minuten kurvte Kölns Nationalspieler Patrick Hager mit einer Eleganz durch die Reihen der Eisbären wie man es sonst nur von Slalom-Star Marcel Hirscher auf der Ski-Piste kennt. Am Ende schob er den Puck mit der Rückhand durch die Beine von Goalie Petri Vehanen zur Haie-Führung ins Netz. Philip Gogulla und Alexander Weiß erhöhten im Mitteldrittel auf 3-0. Doch die Eisbären gaben sich nicht geschlagen und kamen durch Treffer von Michael DuPont und Mark Olver noch vor der zweiten Pause zum Anschluss. Die Eisbären machten im letzten Abschnitt gewaltig Druck. Aber Haie-Schlussmann Gustaf Wesslau erwies sich als Turm in der Schlacht und sicherte seinen Farben den Sieg.

"Wir hatten seit Januar immer wieder Spiele, die wir unbedingt gewinnen mussten. Wir wussten also mit so einer Situation umzugehen", analysierte Hager anschließend im Interview bei Servus-TV. Nach mäßigen Leistungen über weite Strecken der Saison spiele jetzt jeder am Limit. "So muss es sein", betonte der euphorisierte Angreifer der Kölner.

Uwe Krupp dagegen war die Enttäuschung buchstäblich ins Gesicht geschrieben. "Wenn man das letzte Match nicht gewinnt, bleibt natürlich ein fader Eindruck", sagte der Coach zu Medienvertretern. Dennoch wolle er jetzt nicht die gesamte Saison als verkorkst ansehen. Die Mannschaft habe sich in der Hauptrunde gut verkauft. In den Playoffs attestierte er den Akteuren den notwendigen Einsatzwillen. Letztlich scheiterte der siebenfache Meister – da sind sich die Experten einig – an der schlechten Chancenverwertung.

Bevor es in den Urlaub geht, steht bei den Eisbären in dieser Woche noch eine Inventur an. Die Position des leitenden sportlichen Angestellten dürfte dabei nicht zur Debatte stehen. Von den Offiziellen der Eisbären verlautete zumindest nichts Gegenteiliges. "Ich gehe daher davon aus, dass ich auch künftig Trainer der Eisbären bin", sagte Krupp zu diesem Thema. So wird der Stanley-Cup-Gewinner versuchen, für die kommende Spielzeit ein wettbewerbsfähiges Team zusammenzustellen, das in der Lage ist, bittere Niederlagen abzuwenden und ihm womöglich endlich seinen ersten Titelgewinn als Coach zu bescheren.

Die Ergebnisse des Playoff-Viertelfinales:

Eisbären Berlin – Kölner Haie 3-4 (0-3, 1-0 OT, 5-1, 0-4, 4-1, 1-5, 2-3)

Red Bull München – Straubing Tigers 4-1 (5-0, 2-1 OT, 4-0, 1-2, 2-1)

Iserlohn Roosters – Thomas Sabo Ice Tigers (Nürnberg) 2-4 (4-0, 2-4, 1-4, 1-7, 4-2, 2-3)

Grizzlys Wolfsburg – Düsseldorfer EG 4-1 (1-4, 3-2, 5-1, 1-0 OT, 4-1)

Die Partien des Playoff-Halbfinales:

Red Bull München – Kölner Haie

Grizzlys Wolfsburg - Thomas Sabo Ice Tigers (Nürnberg)

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