Skip to main content

Das Traditionsteam der Maple Leafs im Umbruch

von Uwe Werkmeister / NHL.com

Rund 40 Prozent der Spiele in der aktuellen NHL Saison sind bereits gespielt, Zeit einmal wieder beim Traditionsteam vom Ontariosee, den Toronto Maple Leafs, vorbeizuschauen.

Was tut sich im kanadischen Osten, ein Jahr bevor das Team seine 100. Saison in der NHL bestreiten wird? Was bewirkten der Verkauf von Phil Kessel und der Austausch von General Manager und dem Trainerteam?

Nachdem im Sommer das große "Stühle rücken" insbesondere im Management, aber auch auf der Eisfläche stattgefunden hat, war es ein Ziel der neuen Führung, möglichst viele interessante Tauschobjekte auf das Eis zu bringen, um darüber Draftpicks zu ergattern und diese dann behutsam aufzubauen.

3 Aspekte "stören" in dieser Theorie.

Obwohl nur neun Spieler des aktuellen Kaders einen Vertrag über die Saison hinaus besitzen, gehören zu denen mit Jonathan Bernier (4,15 Mio.$/Jahr), Joffrey Lupul (5,25 Mio.$/Jahr) und Dion Phaneuf (7 Mio.$/Jahr) drei Spieler, mit denen die Teamleitung nicht wirklich zufrieden ist.

Bernier ist im Formtief und konnte erst nach elf Partien seinen ersten Saisonsieg einfahren, Lupul ist schwankend in seinen Leistungen und pendelt je nach Tagesform zwischen der 2. und der 4. Reihe und Phaneuf weiß zwar seinen Körper einzusetzen, gilt aber schon lange als schwerfällig und langsam und deutlich überbewertet.

Der 2. Punkt sind die Fans. Geben diese dem neuen Management die Zeit, die es braucht um den Erfolg zu installieren?

Von jeher ist der Maple Leafs Fan euphorisch bei Erfolgen, aber auch kritisch und ungeduldig nach Niederlagen. 13 Jahre war das Air Canada Centre am Stück ausverkauft, just in dieser Saison konnten erstmals einige Tickets für die Heimspiele nicht an den Mann gebracht werden.

Der letzte Aspekt belastet alle kanadischen Teams. Es geht um den (einmal wieder) schwächelnden kanadischen Dollar.

Seit Juli 2014 hat er gegenüber dem US-Dollar 23% an Wert verloren. Die Einnahmen der sieben Teams aus dem Norden Amerikas werden in der heimischen Währung generiert, Ausgaben wie beispielsweise Spielergehälter, aber in harten US-Dollars beglichen. Somit kommt es zu einem finanziellen Ungleichgewicht zwischen den US-Teams und den Teams aus Kanada.

Wie ist sie nun, die aktuelle Situation bei den Toronto Maple Leafs während der kurzen Spielpause zu Weihnachten?

Der Start im Oktober (1-7-2) war mäßig. Nur ein Spiel konnte gewonnen werden, schon zu Beginn der Saison lag das Team hinter den eigenen Ansprüchen und natürlich auch hinter denen der Fans zurück.

Im November (7-4-3) war ein Aufwärtstrend nicht zu verkennen. Die Mannschaft wirkte eingespielter als im Vormonat. Unter anderem konnten die stark in die Saison gestarteten Dallas Stars zwei Mal bezwungen werden.

Der Dezember (aktuell 4-3-2) verläuft bisher recht wechselhaft. Zwei Niederlagen wurden durch zwei folgende Siege kompensiert, darauf hin verlor das Team zwei Mal in Overtime, um anschließend die Los Angeles Kings mit 5-0 zu bezwingen. In diesem Spiel gelang dem Österreicher Michael Grabner mit vier Punkten (2 Tore, 2 Assist) ein neuer Karrierebestwert.

Das darauf folgende Spiel in Denver wurde mit 7-4 gegen die Colorado Avalanche gewonnen. Bemerkenswert hier, dass es dem Team gelang, sowohl im Heimspiel, als auch im Spiel in Colorado eine fast 100%-ige Powerplay-Bilanz zu erzielen. Sieben von acht Versuchen wurden in Tore umgemünzt. In der Nacht vor der Weihnachtspause verloren die Maple Leafs allerdings gegen die Arizona Coyotes mit 3-2.

Mit dieser Ausbeute belegen die Toronto Maple Leafs in der Atlantic Devision den 8. und letzten Platz, fernab von realistischen Playoff-Hoffnungen. Sowohl bei den geschossenen Toren, als auch bei den Gegentoren sind sie ligaweit im hinteren Drittel anzutreffen.

Die "Special Teams" rangieren, sowohl was das Powerplay, als auch das Penalty Killing betrifft, im Mittelmaß der NHL.

Von den Offensivkräften konnten bislang Leo Komarov, Tyler Bozak, James van Riemsdyk und auch Pierre-Alexandre Parrenteau überzeugen. Bei Nazem Kadri warten die Anhänger der Ahornblätter wohl auch in diesem Jahr vergeblich auf den endgültigen Durchbruch.

Fast schon traditionell schwach sind wiederum die Offensivleistungen der Verteidiger im Team. Nach 33 Partien stehen gerade mal acht Tore für die gesamte Defensive zu Buche. Diese Bilanz weisen schon einige der (Offensiv)-Verteidiger der Liga alleine auf.

Eine neue und überraschende "Baustelle" zeigt sich im Tor. Waren sie vor der Saison noch der Annahme, mit Jonathan Bernier und James Reimer ein überdurchschnittliches Goalie-Paar an den Start zu bringen, hat sich hier die Situation dramatisch verschlechtert.

Jonathan Bernier konnte in 13 Saisonspielen erst zwei Siege einfahren (2-8-3). James Reimer (7-4-4) ist bereits zum zweiten Mal in der Saison verletzt und der für ihn aus der AHL gerufene Garret Sparks, ein Hoffnungsträger in seinen Spielen (3-1-0), verletzte sich am 17. Dezember im Spiel gegen die San Jose Sharks ebenfalls.

Nun lasten alle Erwartungen auf Bernier, dem zwischenzeitlich bei den Toronto Marlies (Farmteam der Leafs in der AHL) in drei aufeinanderfolgenden Spielen jeweils ein Shootout gelang. Seine Wiederkehr in das NHL-Team am 15. Dezember verlief jedoch mäßig. Bei nur 27 abgegeben Schüssen der Tampa Bay Lightning gab es eine 4-5 Niederlage nach Verlängerung. Bernier ist mit einer Fangquote von 88,9% weit hinten in der Ligaststistik.

Seit Saisonbeginn spielt die NHL in der Verlängerung, nach Unentschieden in der regulären Spielzeit, im Format 3 gegen 3 Spieler. Ziel ist es, weniger Spiele durch Penalty-Schießen zu beenden. Diese Form der Spielentscheidung ist in Nordamerika seit jeher unbeliebt. Zehn Mal musste bislang bei den Leafs-Spielen eine Verlängerung entscheiden, sieben Mal unterlag das Team, drei Spiele wurden im Penaltyschießen gewonnen, ein Sieg im 3 gegen 3 gelang bisher demnach noch nicht.

Wie sind die Aussichten für die Fans der Blau-Weißen Traditionsmannschaft?

Das Trainerteam scheint die Mannschaft im Griff zu haben. Die Morning-Skates verlaufen mittlerweile fast militärisch.

Wo es in der Vergangenheit mehr darum ging, lockere Runden auf dem Eis zu drehen, einige Torschüsse abzugeben und mit Teammitgliedern zu flachsen, werden heute Spielzüge und -situationen trainiert. Durch das weite, leere Rund ist neben den Geräuschen der Schlittschuhe und Schläger nur die Stimme des Trainers zu hören.

Mit William Nylander und Mitch Marner stehen zwei junge Erstrunden Draft-Picks bereit. Diese sollen spätestens in der nächsten, der Jubiläumssaison, in das Geschehen der NHL eingreifen.

Nebenbei halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass die Teamleitung an einer Verpflichtung von Steven Stamkos arbeitet.

Zumindest hat der seinen auslaufenden Vertrag bei den Lightning noch nicht verlängert. Mit einem Trade von Stamkos nach Toronto gelänge es dem Management, nach außen ein wichtiges Zeichen zu setzen und einen der Superstars der Liga an sich zu binden.

Es bleibt also spannend in der "Leafs Nation", wir werden den Weg weiter verfolgen.

Mehr anzeigen