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Eishockeyshow der Extraklasse zum Jahresstart

Das Bridgestone Winter Classic 2018 lieferte wieder einmal alles, eine tolle Show und großartigen Sport

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Auf dem Papier hätte ein Beobachter bei der jüngsten Ausgabe des Bridgestone Winter Classic 2018 ja vielleicht vorab meinen können, dass das Duell zwischen den ambitionierten New York Rangers und den im Tabellenkeller beheimateten Buffalo Sabres mit ziemlicher Sicherheit eine recht klare Angelegenheit zu Gunsten der Jungs vom Broadway hätte werden müssen.

Ähnliches: Rangers gewinnen Winter Classic in Zusatzschicht

Der Start vor der wieder einmal äußerst beeindruckenden Freiluft-Kulisse schien diesen Vorahnungen auch sehr rasch Recht zu geben, denn bereits nach knapp zehn Minuten im Eröffnungsdrittel führten die favorisierten Rangers im anfangs noch sonnenüberfluteten Citi Field, der Heimstätte der New York Mets aus der Baseballliga MLB, scheinbar komfortabel mit 2:0 Treffern. Paul Carey und Michael Grabner, trotzten erfolgreich der großen Kälte im weiten Rund, hatten die Blueshirts und ihren Anhang unter den gut 41.000 Zuschauern recht früh gleich doppelt jubeln lassen.

Video: NYR@BUF: Grabner versenkt Hayes' fantastischen Pass

Doch wer hier bereits eine Art von Vorentscheidung gesehen zu haben meinte, der wurde einmal wieder eines Besseren belehrt. Die unbeirrt aufopferungsvoll kämpfenden Sabres arbeiteten sich sprichwörtlich in das Spiel zurück, nutzen die ihnen gebotene große Bühne zu erfolgreicher Eigenwerbung, wollten, so wie auch Coach Phil Housley am Mikrofon der TV-Kollegen direkt bestätigte etwas für ihren Gruppenzusammenhalt tun. "Das ist eine tolle Gelegenheit heute hier für uns. Wir sind als Gruppe sehr eng, das wollen wir heute allen zeigen. Ich bin sehr aufgeregt, dass wir diese Chance erhalten." Zu diesem Zeitpunkt lag sein Team wohlgemerkt noch zurück.

Doch seine Jungs sollten den überraschend forschen Worten ihres Cheftrainers im Laufe der Begegnung dann tatsächlich immer mehr Taten folgen lassen. Zu Beginn des Mitteldrittels sorgte zunächst Sam Reinhart mit seinem sechsten Saisontreffer für neues Leben in Reihen der Jungs aus Buffalo, Rasmus Ristolainen glich in der ersten Minute des Schlussabschnitts sogar zum 2:2 aus.

Video: NYR@BUF: Ristolainen gleicht früh im 3. aus

Spätestens jetzt war der Tabellenstand beider Teams tatsächlich völlig nebensächlich, wurde aus dem scheinbar klaren Duell ein offener Schlagabtausch mit offenem Ausgang, wie ein Sportfan es sich hierzulande immer sprichwörtlich von einem guten Pokalspiel erwartet.

Beide Mannschaften hatten dabei gleich mehrfach die Chance zum Sieg. Robin Lehner und Henrik Lundqvist lieferten sich jedoch tatsächlich ein Torhüterduell der Weltklasse, keiner der Spieler auf dem Eis wollte dieses Spektakel am Ende mit hängendem Kopf verlassen müssen.

Video: NYR@BUF: Lundqvist wehrt Girgensonss Schuss ab

NHL-Eishockey der Extraklasse wurde über fast die komplette Spielzeit geboten. Trotz des einseitigen Starts in den ersten Minuten der Begegnung. Das Winter Classic hat sich in den letzten Jahren, seit der ersten Ausgabe im Jahre2008 in Buffalo, als dort die Pittsburgh Penguins rund um den damals noch jungen Top-Star Sidney Crosby erfolgreich ihre Visitenkarte abgaben, als stets verlässliches Spektakel für NHL-Fans im Kalender längst fest etabliert. Das hat auch die jüngste Auflage in New York City am Neujahrstag 2018 eindrucksvoll bewiesen.

Dass es am Ende diesmal die Rangers waren, denen in der dritten Minute der erforderlichen Verlängerung durch J.T. Miller der Siegtreffer (in Überzahl) zum vielumjubelten 3:2 gelang, das war lediglich der notwendige Schlusspunkt bei diesem Spektakel, das beide Mannschaften den Millionen in aller Welt geboten hatten, und das eigentlich keinen Verlierer verdient gehabt hätte.

Kyle Okposo war daher nach dem Spiel gar nicht so niedergeschlagen, wie man vielleicht hätte vermuten können: "Wir haben das heute wie ein Playoffspiel angesehen. Die große Bühne, die vielen Fans. Da muss ein Spieler einfach etwas Besonderes anstreben und alles geben. Es ist toll wie sich das Ganze in den letzten Jahren entwickelt hat. Hier mitzuspielen ist etwas ganz Außergewöhnliches. Wir wollen daraus jetzt für die Zukunft bestmöglich lernen."

Der herausragend aufgelegte Lehner bestätigte seinen Teamkameraden in dieser Richtung: "Es war ein wirklich intensives Spiel. Es ist nur schade, dass wir am Ende eben nicht gewonnen haben. Die Strafe in der Verlängerung war leider der entscheidende Punkt heute. Die Bedingungen hier waren gut für ein tolles Hockeyspiel. Da hat jeder gesehen, denke ich. Das Tempo war von beiden Teams hoch. Schade, dass es eben nicht ganz gereicht hat für uns am Ende."

Logisch, dass auf Seiten der Sieger die Aktiven etwas mehr strahlten. Mats Zuccarello ging im Mediengespräch noch einmal etwas näher auf die ganz besondere Atmosphäre des Spiels ein: "So ein Spiel verleiht einem immer etwas Extra-Energie. Trotz der Kälte haben unsere Fans alles gegeben. Es war eine Ehre bei so etwas aktivbeteiligt gewesen zu sein. Es war natürlich toll, dass wir das Spiel am Ende mit den zwei Punkten beendet haben. Der Tag bleibt mir als ein besonders toller in Erinnerung. Ich habe die gesamte Veranstaltung sehr genossen."

Der Österreicher Grabner, selber Schütze des Treffers zum 2:0 in der zehnten Spielminute, freute sich über den gelungenen Nachmittag unter besonderen Voraussetzungen: "Die Bedingungen bei so einem Spiel sind ja grundsätzlich für alle gleich. Deshalb braucht ein Spieler da dann keine Entschuldigungen suchen wenn etwas nicht klappt, ihm einmal eine Scheibe verloren geht. Wir haben vorher auf diesen Bedingungen trainiert, deshalb war das eigentlich am Ende kein großes Problem."

Wirklich unzufrieden präsentierte sich niemand nach dem Ende der Begegnung. So betrachtet haben die unterlegenen Sabres ihre Aufgabe an diesem Abend mehr als ordentlich erfüllt, auch wenn ihnen die Krönung durch einen durchaus möglichen Überraschungssieg diesmal verwehrt blieb.

Ihre überdurchschnittliche Leistung vom Montag lässt all diejenigen, die dem hart arbeitenden Team aus dem Westen des Staates New York die Daumen halten durchaus optimistisch in die Zukunft schauen.

Auf diese Art und Weise vorgetragen macht Eishockey Zuschauern und Beteiligten einfach nur Spaß. Dafür gebührt beiden teilnehmenden Mannschaften am Bridgestone Winter Classic 2018 auch in diesem Jahr wieder ein großes Dankeschön!

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