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Cupfeier muss vertagt werden

von Stefan Herget / NHL.com

Die Spannung war förmlich vor dem und im Staples Center zu spüren: Würden die Los Angeles Kings bereits heute zu Hause den Stanley Cup zum ersten Mal in ihrer Geschichte gewinnen können oder können sich die New Jersey Devils noch einmal aufraffen und ein weiteres Heimspiel erzwingen? Dass für die Kings mit einem Sieg ein weiterer NHL-Rekord, nämlich der der Edmonton Oilers von 1988 mit nur zwei Niederlagen den Cup zu gewinnen, zu schaffen wäre, durfte diese nur sekundär interessiert haben. Auf der anderen Seite konnten die Devils Hoffnung daraus schöpfen, dass sie bisher in diesem Jahr ab den vierten Spielen ihrer Serien eine Bilanz von acht Siegen bei nur einer Niederlage vorweisen konnten. Das letzte Mal, dass eine NHL-Mannschaft den Cup in der heimischen Arena überreicht bekam, waren 2007 die Anaheim Ducks.

Beim Einlauf hallten erste MVP-Rufe durch das weite Runde, das mit 18.867 Zuschauer erneut aus allen Nähten platzte, als Jonathan Quick genannt wurde. Soweit war es aber noch nicht. Zunächst musste er noch mindestens 60 Minuten Arbeit verrichten und es begann für ihn erst einmal relativ ruhig, weil Zach Parise nach knapp drei Minuten auf die Strafbank musste und die Gastgeber dabei zu ersten Möglichkeiten kamen, aber Martin Brodeur reagierte gegen Jeff Carter und Alec Martinezs Schuss glänzend. Dann verlagerte sich die Begegnung, weil erst Jarret Stoll und danach Dustin Brown auf die Strafbank mussten. Doch in der jeweiligen Überzahl wurden wieder die Schwächen der Devils offenbar: Stockfehler und schlechte Anspiele machten beste Aktionen zunichte und wenn nicht zeigte Quick erste Paraden. So verstrichen diese Powerplays erneut ergebnislos. Bezeichnend, dass von den ersten drei Torschüssen der neu ins Team gekommene Petr Sykora zwei davon abgab. Die Kings hatten keine Probleme wieder Ruhe ins Spiel zu bringen und sich aus der Umklammerung zu befreien. Zum Ende des ersten Abschnitts hatten dann die Gäste Glücksgöttin Fortuna auf ihrer Seite, als zwei Mal der Pfosten rettete und Brodeur alles tat, um seine Farben im Spiel zu halten.

New Jersey ließ zu Wiederbeginn abermals eine große Chance aus, um in Führung zu gehen, als Ilya Kovalchuk den Puck vor dem leeren Tor nicht traf. Los Angeles hielt seinerseits stark dagegen und zeigte eine gute Drangphase, wo allerdings viele Schüsse knapp vorbeigingen und im anderen Fall Brodeur seine Klasse einige Male aufblitzen ließ. Der Führungstreffer für die Hausherren lag in der Luft, doch hätte Quick bei einem Abschluss von Parise nicht super reagiert, wäre das obsolet gewesen. Auf beiden Seiten blieb es gefährlich, wobei die Aktionen der Kings zwingender wirkten. Die Devils hatten eine weitere Unterzahl abzuwehren, was ihnen gut gelangt, um anschließend wieder offensiv aktiv zu werden. Dabei liefen sie in einen Konter: Simon Gagne tauchte alleine vor Brodeur auf, doch den Schuss konnte der kanadische Schlussmann hervorragend mit einem Reflex parieren. Dafür, dass die Devils gewinnen mussten, waren sie im zweiten Drittel sehr passiv und konnten nur drei Schüsse auf Quick abgeben. Wahrlich keine Meisterleistung des Eastern Conference Champions, aber das Ergebnis gab ihnen noch alle Möglichkeiten, weil die Kontrahenten mit ihren Gelegenheit indes zu fahrlässig umgingen.

Spannung konnte man der Begegnung am wenigsten absprechen. Beide Seiten suchten nun den entscheidenden Vorteil zu erringen, mehr kam aber eindeutig von den Kings, die Brodeur zur nächsten Glanztat zwangen, als Gagne und Trevor Lewis eine Zwei auf Eins Situation hatten und Lewis schließlich den Puck nicht am Altmeister vorbeibrachte. Kurze Zeit später hätte Brodeur auf seine sehr gute Leistung fast einen Schatten gelegt, als er relativ unbedrängt Browns Stock anschoss und die Scheibe nur knapp sein Ziel verfehlte. Dann ging es Schlag auf Schlag: Zuerst brachte Patrik Elias(48.) endlich die erhoffte erste Führung der Gäste, als er nach einem Schuss von Bryce Salvador abstauben konnte. Als sich aber nicht einmal eine Minute später David Clarkson einen dummen Bandencheck erlaubte, konnte Drew Doughty(49.pp) nur sechs Sekunden später mit einem Gewaltschuss ausgleichen. New Jersey sah sich nur drei Minuten später dem Knockout nahe, doch Justin Penner verzog aus spitzen Winkel und weitere zwei Umdrehungen verpasste Anze Kopitar nach einem Save von Brodeur den Rebound. Das sollte sich rächen, denn Adam Henrique(56.) brachte im Gegenzug New Jersey erneut in Front. Mit einem Querpass von Clarkson bedient, schloss er im kurzen Eck ab. Die Hausherren waren sichtlich geschockt und Willie Mitchell erwies seinem Team einen Bärendienst, dass er 2:50 Minuten vor Schluss wegen eines hohen Stockes raus musste. Quick war nun auf dem Posten und verhinderte die endgültige Entscheidung, die aber 19,1 Sekunden vor dem Ende da war, als Ilya Kovalchuk(60.en) ins leere Tor traf.

Die Los Angeles Kings wurden trotz der Niederlage mit Applaus vom Pubilkum verabschiedet. Diesen hatten sie sich auch redlich verdient, weil das Einzige was ihnen vorzuwerfen war, dass sie mit ihren zahlreichen Gelegenheiten fahrlässig umgingen und heute das Glück gefehlt hatte, was sie zweifelsohne in Spiel 1 und 2 hatten. Zum dritten Mal in diesen Playoffs verloren die Kings damit das vierte Spiel zu Hause und müssen noch einmal nach New Jersey reisen. Die Cup Feierlichkeiten müssen zunächst verschoben werden und könnten am Samstag steigen, falls die beeindruckende Auswärtsserie zum elften Mal hält.

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