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Fünf Fragen an Bruce Cassidy

Der Trainer der Bruins über die Nachfolge von Claude Julien, den Teamerfolg u.m.

von Dan Rosen @drosennhl / NHL.com Chef-Autor

NHL.com's Interviewreihe namens "Fünf Fragen an..." läuft über die Saison hinweg. Wir sprechen mit Schlüsselfiguren des Sports und stellen ihnen Fragen um Einblick in ihr Leben, ihre Karriere und die neuesten Schlagzeilen zu erlangen.

Die neueste Ausgabe mit Boston Bruins Trainer Bruce Cassidy:

Cassidy sprach darin mit uns über die Offesive der Bruins, den Rest der Saison u.vm.
Hier ist 'Fünf Frage an….' mit Bruce Cassidy:

Die Zahlen lügen ja nicht, seit Sie das Amt des Trainers bei den Bruins übernommen haben. Und sie sind gut. Mehr Tore. Das Powerplay ist besser. Was hat sich verändert, seit Sie von Claude Julien übernommen haben?

"In der Phase haben wir uns auf die Offensive konzentriert. Wir haben uns das Powerplay im Speziellen angesehen, die Rolle von Brad Marchand analysiert. David Pastrnaks Schuss hat sich stark weiterentwickelt. So haben wir neue Waffen hinzu gewinnen können. Bergeron war immer schon stark. Torey Krug hat sich toll weiterentwickelt seither. Wir sind nicht nun mehr so berechenbar. Auch beim Fünf gegen Fünf haben wir uns verändert. Wir sind in Gänze unberechenbarer geworden, denke ich. Die Jungs werden mehr nach ihren Fähigkeiten eingesetzt. So haben sich auch unsere Statistiken verbessert. Zumindest in den letzten rund 20 Spielen. Und mehr Torchancen münden bei entsprechendem Talent in der Regel dann auch in mehr Toren.

Hatten Sie das von Saisonbeginn an im Fokus, oder ist das erst nach dem Trainerwechsel neu ausgegeben worden. Wie lief das genau ab?

"Nun, ich hatte zuvor in erster Linie ein Auge auf die Defensive. Das war also nicht in meinem Verantwortungsbereich. Wenn man mich fragt, dann sage ich natürlich immer meine Meinung. Aber ich stecke meine Nase nicht ungefragt in Dinge die außerhalb meines Bereichs liegen. Jetzt wo es in meinem Bereich liegt, da macht man sich dann natürlich auch die entsprechenden Gedanken, überlegt sich was konkret zu tun ist um Verbesserungen herbeizuführen. Als Cheftrainer ist die Rolle da eben eine ganz andere. Da hat man mehr Verantwortung und Einfluss. Nach der Amtsübernahe hat sich auch für mich viel verändert. Nun hat man im Training auch mehr Einflussmöglichkeiten und einen ganz anderen Blick auf das Ganze. Danach habe ich die Jungs dann auch mit meinen Gedanken und Überlegungen konfrontiert."

Lassen Sie uns doch einmal an Ihrer Rolle als für die Defensive zuständiger Assistenztrainer teilhaben. War das nicht manchmal recht frustrierend, wenn man so eingeschränkte Möglichkeiten hat, die eigenen Ideen nicht so wie gewünscht umsetzen konnte?

"Wenn wir uns zusammengesetzt haben, dann habe ich meine Gedankenangeboten. Natürlich hat die Kaderzusammensetzung auch etwas mit der Umsetzbarkeit zu tun. Wir hatten viele eher defensiv orientierte Verteidiger im Kader. Natürlich hatten wir auch einige eher offensiv spielende Verteidiger wie Chara. Der hat die Möglichkeiten, wie ich natürlich inzwischen weiß. Doch Torey Krug denkt eher defensiv, da hat man dann eben nicht so viele Möglichkeiten in die Offensive einzugreifen. Man muss die Spieler immer einzeln betrachten. Sonst wäre das nicht fair. Und um die Offensive haben sich bei uns davor immer Joe Saco und Jay Pandolfo gekümmert. Da hatte jeder grundsätzlich seinen Bereich. In Sachen Powerplay haben wir immer mit Claude diskutiert. Welcher Spieler soll in welcher Einheit spielen. Das Powerplay hat sich zuletzt in der NHL ohnehin stark verändert. Es ist nicht mehr so wie früher. Die Zeiten eines Todd Bertuzzi oder Johan Franzen sind da vorbei. Das effektive Powerplay der Gegenwart ist technisch versierter, blockiert nicht mehr nur die Sicht vor dem Kasten. Mein Beispiel dafür wäre Columbus. Sam Gagner, Nick Foligno und Cam Atkinson haben es technisch gut drauf. Sie sind körperlich auch nicht die Größten. Zach Parise ist auch so ein technisch starker Spieler in diesem Bereich. Er ist intelligent. Es geht inzwischen viel um Technik und Cleverness in diesem Bereich. Als Assistent kann man da nur seine Gedanken äußern. Als Cheftrainer ist das anders. Da trägt man die Verantwortung, muss entscheiden. So haben wir dann auch die Rolle von Marchand bei uns im Team verändert. Das hat uns schon weitergeholfen, würde ich sagen. Da dies mein erstes Jahr als Cheftrainer in der NHL seit einiger Zeit ist, bin ich um die Jobbeschreibung gar nicht so sehr besorgt. Ich hatte mit anderen Dingen schon genug zu tun in der ersten Phase nach der Amtsübernahme."

Schauen wir auf die Torausbeute zuletzt, dann sieht man vier Tore gegen Los Angeles, sechs gegen Dallas, vier gegen Arizona, sechs gegen Detroit, noch einmal sechs gegen Vancouver und fünf gegen Calgary. Doch dann kamen vier Niederlagen, mit insgesamt 20 Gegentoren. Haben Sie es mit der Offensive vielleicht sogar schon übertrieben und die Defensive vielleicht vernachlässigt. Und war das knappe 2:1 gegen die Islanders vielleicht genau der richtige Mittelweg zuletzt?

"Ja und nein. Die Verteidigung muss natürlich immer auch richtig mitmachen bei sowas. Das Risiko wird natürlich größer, wenn ich offensiver spiele. Man muss da das richtige Maß finden. Das ist eine Gradwanderung, geht auch mal schief. Unser 7:4 in Edmonton war so ein Fall. Die Oilers haben gut gespielt und wir hatten nicht unseren besten Tag erwischt in der Abwehr. Die waren an dem Tag einfach besser. So etwas kann vorkommen ohne dass man dadurch gleich alles hinterfragt. Gegen Ottawa haben wir einfach selber das Tor nicht getroffen. Anderson war eben extrem gut an dem Tag. Auch daraus darf man nicht gleich grundsätzliche Zweifel ableiten. Wenn man in einem Lauf ist, dann geht das Alles einfacher. Doch plötzlich geht es auch einmal in die Gegenrichtung, wann verliert mehrfach. Dann ist das Alles natürlich auch nicht mehr ganz so selbstverständlich. Die offensive Ausrichtung darf man dabei aber auch nicht komplett aufgeben. Man muss offensiv spielen ohne die defensive Struktur dabei zu verlieren. Gegen New York war das dann wieder besser. Das wollen aber natürlich grundsätzlich alle Teams. Wir bilden da auch keine Ausnahme."

Sechs der letzten sieben Saisonspiele sind daheim. Doch Heimspielewaren nicht immer ein Vorteil für die Bruins in dieser Saison. Die Bilanz lautet bisher 19-16-0. Warum ist das so?

"Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für uns. Von den letzten 10 Spielen dort haben wir immerhin 7 gewinnen können. Jetzt haben wir zwei verloren. Gegen Tampa waren wir schlecht. In den anderen Spielen war unsere Leistung in Ordnung. Gegen Ottawa haben wir schlicht nicht genug Tore aus unseren Möglichkeiten gemacht. Gegen die Rangers waren wir stark und haben 2:1 verloren. Henrik Lundqvist war da besonders stark. Wir müssen top motiviert und eingestellt in unsere Heimspiele gehen. Das ist das worauf es für mich ankommen wird. Das Energielevel muss passen, dann bin ich optimistisch für uns. Die Fans können uns helfen. Und wenn wir in Führung gehen, dann ist da diese spezielle Energie in der Halle. Mit einer Führung im Rücken spielt es sich aber natürlich immer einfacher. Zuletzt hatten wir das in den Heimspielen nur selten. Das muss sich wieder ändern. Und wenn Teams kommen wie die Predators, die 'Back to Back' spielen, dann müssen wir diesen Vorteil zu unseren Gunsten ausnutzen."

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