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Pinguins mit vier Siegen wieder auf Playoff-Kurs

Das neueste Team der DEL überraschte vergangene Saison mit dem Erreichen des Viertelfinals und könnte diesen Erfolg wiederholen

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Jede zweite Woche wirft NHL.com/de in der Rubrik International Ice einen Blick über den Tellerrand der NHL. Hier können sie mehr über Spieler in Europa lernen, die nur ein Tor, einen Save, oder eine Entscheidung von einer NHL-Karriere entfernt sind, oder dort bereits Erfahrung gesammelt haben.

In der heutigen Ausgabe geht es um den Bremerhaven Fischtown Piguins.

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sucht man Auf- und Absteiger seit der Saison 2006/07 vergeblich. 2005/06 verloren die Kassel Huskies als letztes Team die Berechtigung zur Teilnahme am Spielbetrieb in der höchsten deutschen Spielklasse, die Straubing Tigers profitierten davon und sind seitdem in der DEL vertreten. Dennoch gesellten sich seitdem noch vier weitere Mitglieder zum Teilnehmerfeld der Liga, die heute noch ihre Lizenz halten. 2007 wurden die Grizzlys Wolfsburg aufgenommen, 2010 bekam der EHC München die Spielberechtigung, 2013 stießen die Schwenninger Wild Wings noch dazu und in der vergangenen Saison die Bremerhaven Fischtown Pinguins als aktuell neuestes Mitglied der Liga.

Nach der Saison 2015/16 beantragte die Anschutz Entertainment Group, Eigentümer der Hamburg Freezers, keine neue Lizenz für das Team. Die Suche nach einem Käufer für das Team blieb ergebnislos und der Verein musste seine Tätigkeit einstellen. Das war die große Chance für die Pinguins. Sie erhielten trotz Fehlens einer Aufstiegsregelung die DEL-Lizenz, um das Teilnehmerfeld wieder auf 14 Teams aufzustocken. Große Erwartungen hatte wohl kaum jemand an den Neuling aus dem Norden, er galt als krasser Außenseiter im Rennen um die Playoffs.

Doch die Zweifler sollten eines besseren belehrt werden. Am Ende schafften die Pinguins die Überraschung und eroberten mit einem hauchdünnen Vorsprung von einem Punkt vor der Düsseldorfer EG den zehnten Platz und setzten sich anschließend in zwei Spielen gegen den ERC Ingolstadt durch. Damit feierte die Mannschaft in ihrer ersten DEL-Saison auch gleich die erste Teilnahme am Viertelfinale der Playoffs. Trotz einer respektablen Leistung war dann nach vier Duellen mit dem späteren Meister EHC Red Bull München Schluss.

Nun sind die Kufencracks aus der Hafenstadt auf einem guten Weg ihren Erfolg zu wiederholen. Sie gewannen zuletzt erstmals in ihrer jungen DEL-Geschichte vier Spiele in Folge und stehen damit erneut auf dem neunten Platz. Der elfte Rang, der die verfrühte Sommerpause bedeuten würde, liegt sieben Punkte hinter ihnen. Das Feld vor ihnen ist deutlich enger, mit einem erneuten Sieg am Freitag gegen Ingolstadt wäre theoretisch sogar Platz fünf in Reichweite, mit dem man die Qualifikationsrunde umgehen würde.

Dass ein neues Team in der Liga von Beginn an so gut abschneidet, ist alles andere als selbstverständlich, tatsächlich sind die Pinguins das erste Team seit Abschaffung des sportlichen Abstiegs, das in seiner ersten DEL-Saison das Viertelfinale erreicht. Die Grizzlys Wolfsburg verpassten die Playoffs in ihrer ersten Saison deutlich, erreichten im zweiten Anlauf aber das Viertelfinale und sind seitdem fester Bestandteil der Endrunde, in den vergangenen beiden Spielzeiten landeten sie jeweils im Finale, scheiterten dort aber beide Male. München erreichte in der Auftaktsaison zwar die Pre-Playoffs, kam aber erst in der fünften Saison in das Viertelfinale. In den folgenden beiden Jahren holten sie gegen Wolfsburg den Titel. Der letzte Neuzugang vor Bremerhaven, die Schwenninger Wild Wings, schafften es noch nicht einmal in die Endrunde, die beste Platzierung am Ende der regulären Saison war der zwölfte Platz in der vergangenen Saison.

Im Gegensatz zu München und Wolfsburg operieren die Norddeutschen auch mit einem deutlich geringeren Budget. Während sich andere Mannschaften, unter anderem die drei an der Spitze der Tabelle, immer wieder auch die Dienste ehemaliger NHL-Spieler sichern, muss man in Bremerhaven danach schon genau suchen. Lediglich zwei Spieler standen schon auf der großen Bühne der NHL.

Torwart Tomas Pöpperle bekam zwei Einsätze für die Columbus Blue Jackets, konnte sich aber nicht durchsetzen, Stürmer Kris Newbury bekam über mehrere Jahre hinweg Chancen bei den Toronto Maple Leafs, Detroit Red Wings, New York Rangers und Philadelphia Flyers, nahm dabei insgesamt aber nur an 76 Partien teil (vier Tore, zehn Punkte). Bei seinem neuen Team scheint er sich jedoch wohlzufühlen, er ist mit acht Toren und 30 Punkten hinter Jan Urbas (18 Tore, 42 Punkte) der zweitbeste Scorer des Teams. Allerdings sind die Pinguins kein Team, das auf große Stars setzt, sondern über eine geschlossene Mannschaftsleistung zum Ziel findet.

Nun trennen die Bremerhavener noch neun Spiele von ihrer zweiten Teilnahme an den Playoffs. Mit weiteren Erfolgen, könnten sie sogar nicht nur die Qualifikation durch die Pre-Playoffs umgehen, sondern die schwierigsten Gegner in der ersten Runde vermeiden. An der Spitze der Liga lässt das Trio aus München, den Ice Tigers Nürnberg und den Eisbären Berlin den Rest der Liga alt aussehen und erarbeitete sich ein komfortables Polster von 16 Punkten zwischen Rang drei und vier. Besonders Klassenprimus München würden die Pinguins sicher gerne aus dem Weg gehen, was bereits mit Platz sechs zu erreichen wäre. Sollten sie es schaffen Wolfsburg noch von Rang vier zu verdrängen, was bei fünf Punkten Abstand durchaus möglich ist, würde das Heimrecht in der ersten Runde der Playoffs winken.

Das ist jedoch alles noch Zukunftsmusik, was allerdings feststeht ist, dass die Bremerhaven Fischtown Pinguins eine Bereicherung für die Liga sind. Die Art und Weise, in der sie die Umstellung auf die beste Liga Deutschlands gemeistert haben, war unterhaltsam zu verfolgen und schlichtweg beeindruckend. Mit seinem Kampfgeist sicherte sich das Team nicht nur die Unterstützung der eigenen Fans, sondern auch den Respekt vieler Gegner und Fans anderer Teams.

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