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Bishop und Hedman im Rampenlicht

von Bernd Roesch / NHL.com

Spielt er oder spielt er nicht? Das war die große Frage vor dem dritten Aufeinandertreffen der Chicago Blackhawks mit den Tampa Bay Lightning im Stanley Cup Finale 2015.

Erst eine halbe Stunde vor dem Eröffnungsbully im United Center von Chicago machte es die Runde - Ben Bishop wird im Kasten stehen. Tampas Schlussmann war zum Warmup aufgelaufen und auch auf dem Spielbogen fand sich sein Name wieder.

Am Montagvormittag wurde unter den Medienleuten noch heftig darüber spekuliert, ob Bishop, der in Spiel 2 kurz vor Schluss zweimal das Eis verlassen hatte, wieder dem jungen Ersatztorwart Andrei Vasilevskiy den Vortritt lassen muss.

Die sportliche Leitung der Lightning hatte sich völlig bedeckt gehalten, was das Wohlbefinden ihrer Nummer 1 betraf. Zu einer Stanley Cup Finalserie gehört eben immer auch ein bisschen psychologische Intervention. Dem Gegner möchte man keinesfalls in die eigenen Karten schauen lassen.

Die Antwort darauf, wie gesund er ist, gab der 28-Jährige auf dem Eis.

Im ersten Spielabschnitt, in dem die Hausherren kräftig Druck auf das Gehäuse der Lightning machten, konnte Bishop 18 Schüsse abwehren. Nur einmal, beim Ausgleichstreffer zum 1-1 von Brad Richards, wurde er auf dem falschen Fuß erwischt.

Den Schuss von der blauen Linie hätte man durchaus halten können.

Rückschlüsse auf eine eventuelle Verletzung sollte man daraus jedoch nicht ziehen.

Ist es nicht so, dass auch einem Torwart der 100 Prozent fit ist Fehler unterlaufen?

Nach der Partie, die Tampa mit 3-2 für sich entschieden hatte, gab sich Lightnings Headcoach Jon Cooper, auf den Gesundheitszustand seines Stammtorwarts angesprochen, offener als in den Tagen zuvor:

"Ich war mir erst sicher, dass er spielen wird, als wir uns auf den Weg in die Arena gemacht haben. Der 'Augentest' war ausschlaggebend. Du schaust einem Spieler in die Augen und du siehst, dass er bereit ist. Es gab keinerlei Zweifel, dieser Junge wollte ins Tor."

Bishop gelang es den Fragen nach seinem Befinden auszuweichen, so sehr sich die Reporter auch bemühten. Er stellte jedoch klar, dass schon schwerwiegende Gründe vorliegen müssten, wenn man bereit sei auf ein Stanley Cup Finale zu verzichten, und fügte postwendend hinzu, dass es ihm mit fortlaufender Spielzeit immer besser ging.

In den ersten Minuten der Partie konnte man von der Tribüne aus den Eindruck gewinnen, dass Bishop in seiner Bewegungsfreiheit doch eingeschränkt sei. Letztendlich gelang es den Blackhawks aber nicht daraus Kapital zu schlagen.

Auch Chicagos Trainer Joel Quenneville empfand, dass der Schlussmann der Lightning mit Problemen zu kämpfen hatte und bedauerte, dass sein Team zu wenige gefährliche Schüsse in Richtung des gegnerischen Tores gebracht habe.

Ganz anders sahen das Bishops Mitspieler:

Teamkapitän Steven Stamkos sagte mit einem Schmunzeln auf den Lippen:

"Ich glaube er ist vollkommen OK. Ich weiß, dass weiterhin darüber spekuliert werden wird, doch eine Antwort wird es erst am Ende der Finalserie geben. Auf mich wirkte er nicht verletzt. Er spielte sehr sehr spektakulär."

Ryan Callahan, der Schütze zur 1-0 Führung, war voll des Lobes über seinen Torwart:

"Er war riesig. Besonders im ersten Drittel, nach unserem Treffer, als sie [Blackhawks] ständig angriffen, hielt er großartig. Auch im dritten Drittel gab es einige 2-gegen-1 Situationen, bei denen er zur Stelle war und parieren konnte."

"Bish hielt uns im Spiel und in den letzten 40 Minuten haben wir eine Antwort gefunden. Sein Einsatz war schon etwas umstritten, doch er hat uns gezeigt wie gut und wie gesund er ist", sagte Tampas Verteidiger Victor Hedman nach dem knappen Auswärtserfolg, an dem auch er einen besonders großen Anteil hatte.

Hedman bereitete zwei Tore seiner Lightning mit vor, darunter den 3-2 Siegtreffer von Cedric Paquette, als nur noch knapp vier Minuten auf der Uhr standen.

"Was Hedman anpackt hat Hand und Fuß. Er war heute Nacht ein Gigant.", lobte Cooper seinen Blueliner.

Der 24-jährige Schwede, der vor sechs Jahren von den Lightning in der ersten Runde an insgesamt zweiter Stelle gedraftet wurde, befindet sich in Topform. Dabei überzeugt er nicht nur durch seine Physis und körperliche Fitness - durchschnittlich stand Hedman in den drei Finalpartien 26:10 Minuten auf dem Eis.

Trotz einer Körpergröße von 1,98m ist er ein ungemein beweglicher Spieler, der es mit den besten Angreifern der Liga aufnehmen kann. Nicht von ungefähr zeigte die erste Sturmformation der Blackhawks, der sich häufig Tampas Verteidigerduo Hedman-Stralman entgegenstellte, weniger Durchschlagskraft, als von ihr im Vorfeld dieser Serie erwartet wurde.

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