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Bei den Penguins stimmt die Chemie

von Bernd Roesch / NHL.com

Als Tom Kuhnhackl Anfang Januar ins Team der Penguins berufen wurde, hatten nur wenige damit gerechnet, dass sich der 24-jährige Deutsche, mit dem in Eishockeykreisen weltbekannten Namen, auf Anhieb so gut in das Mannschaftsgefüge integrieren könnte und in den folgenden Wochen eine durchaus wichtige Rolle spielen wird.

Wer hätte gedacht, dass die Penguins ohne einen ihrer besten Stürmer eine sensationelle Serie hinlegen könnten? Als Evgeni Malkin am 11. März beim 3-2 Auswärtserfolg gegen die Columbus Blue Jackets verletzungsbedingt das Eis verlassen musste und sich am nächsten Tag herausstellte, dass der zweifache Art Ross Trophy Gewinner aufgrund einer Oberkörperverletzung wahrscheinlich sechs bis acht Wochen pausieren muss, schien sogar eine Playoffteilnahme der Penguins in Gefahr.

Fünf Spiele später wissen wir, dass die Mannschaft von Trainer Mike Sullivan durchaus das Zeug hat ganz oben in der Liga mitzuspielen. Heute Nacht durften sie ihren sechsten Sieg in Folge feiern - und das gegen keinen geringeren als den Spitzenreiter der Liga. Im heimischen Consol Energy Center wurden am Sonntag die Washington Capitals mit 6-2 Toren abgefertigt. Für die größten Schlagzeilen war in dieser Partie Kuhnhackl verantwortlich. Der deutsche Stürmer steuerte dem Kantersieg einen Treffer, er sollte sich am Ende als Gamewinner herausstellen, und zwei Assists bei. Das Tore schießen und vorbereiten zählt in Pittsburgh eigentlich nicht zu den Hauptaufgaben des 1,87m großen Stürmers. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass der gebürtige Landshuter vor allem gegen Teams mit großen Namen zu Höchstleistungen bereit ist.

Es ist erst eine gute Woche her, als er im Madison Square Garden beim 5-3 Sieg über die New York Rangers sein erstes 2-Punkte Spiel absolvierte. In der vergangenen Nacht konnte er diese Ausbeute noch einmal toppen und mit drei Scorerpunkten eine persönliche Bestmarke aufstellen.

Lob für die dritte Sturmformation der Penguins mit Kuhnhackl, Matt Cullen and Bryan Rust gab es von oberster Stelle. "Sie waren unglaublich, sie bringen so viel Kraft und Energie in unser Spiel", beschrieb Sullivan ihren Auftritt und fügte hinzu: "Gegen sie tun sich die Gegner schwer. Wir lassen sie jeden Abend gegen die Topreihen spielen und sie machen ihren Job. Sie wissen was zu tun ist und sind wirklich gute Eishockeyspieler an beiden Enden [im Angriff und in der Defensive]. Wie sie auf Details achten, das ist wirklich eindrucksvoll."

Kuhnhackls Reihe war in der Partie gegen Washington nicht zu stoppen, sie brachte es auf insgesamt sieben Scorerpunkte (drei Tore, vier Assists). Als Rust, mit dem der Deutsche bereits im AHL-Farmteam der Penguins, den Wilkes-Barre Scranton Penguins, zusammengespielt hat, knapp zehn Minuten vor Spielende von Capitals Mike Weber überhart in die Bande gecheckt wurde, war Kuhnhackl postwendend bereit, um Weber zu zeigen, dass die Pens nicht bereits sind ein solches Fehlverhalten gegenüber einem Mitspieler zu akzeptieren. Auch für Kuhnhackl, gegen den daraufhin eine zehnminütige Disziplinarstrafe ausgesprochen wurde, war damit die Partie vorzeitig beendet. Er hatte damit ein Zeichen gesetzt, das auch Außenstehenden zu erkennen gab, dass die Chemie in dieser Mannschaft stimmt, dass sie bereit sind ans Äußerste zu gehen.

Auch Teamkapitän Sidney Crosby war entzückt von dem Auftritt des Deutschen: "Er hat das wichtigste Tor geschossen. Nur 42 Sekunden nachdem die Capitals zum 2-2 ausgeglichen haben. Es war ein toller Abschuss, ein Wahnsinnsschuss. Wer weiß wie das Spiel verlaufen wäre, wenn wir nicht gleich zurückgeschlagen hätten."

Die sich in Topform befindlichen Penguins haben sich mittlerweile bis auf den zweiten Platz in der Metropolitan Division vorgeschoben. Noch liegen sie gleichauf mit den Rangers. Beide Teams haben zehn reguläre Saisonspiele zu bestreiten, ehe es in den Stanley Cup Playoffs um alles oder nichts geht. Bei zehn Punkten Vorsprung gegenüber den Philadelphia Flyers und deren fünf auf die Detroit Red Wings, die aktuell den zweiten Wildcard Platz in der Eastern Conference belegen, dürften nur noch die größten Pessimisten daran zweifeln, dass die Penguins in diesem Jahr die Playoffs erreichen werden.

Crosby weiß worauf es in den noch ausstehenden Partien ankommt: "Wir haben weniger große Spieler, doch durch unsere schnelle Spielweise und durch unsere Arbeitseinstellung erarbeiten wir uns viele Torchancen. So müssen wir weiterhin auftreten. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt um gut zu spielen."

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