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Alles oder Nichts

von Bernd Roesch / NHL.com

Unabhängig davon für welches Team das Herz eines Fans schlägt, es gibt im Eishockeysport kaum etwas Schöneres als ein Spiel 7 in einer Playoffserie. Die erste Runde der Stanley Cup Playoffs 2014 bietet uns übermorgen gleich zwei davon. Eventuell kommt es sogar in der Nacht auf Donnerstag zu einem dritten Showdown sollten die Philadelphia Flyers heute ihre Heimpartie gegen die New York Rangers gewinnen und nach Siegen zum 3-3 ausgleichen.

Ein Kunststück, das den Minnesota Wild und den Los Angeles Kings vergangene Nacht auf heimischen Eis gegen die Colorado Avalanche und die San Jose Sharks bereits gelungen war.

Held des Spiels im Xcel Energy Center von St. Paul war Zach Parise. Der im Sommer 2012 von den Wild mit einem US$ 98 Millionen schweren 13-Jahresvertrag ausgestattete Linksaußen, bestritt das beste Spiel seiner Karriere. 6 Minuten 29 Sekunden standen auf der Uhr als der 29-Jährige beim Stande von 2-2 die Scheibe an Avalanche Torwart Semyon Varlamov vorbeischob und mit seinem zweiten Tor in der Begegnung die Hausherren auf die Siegerstraße schoss. Patrick Roys Maßnahme Varlamov wiederum sehr früh durch einen weiteren Feldspieler zu ersetzen, war diesmal, anders als in Spiel 1 und Spiel 5, kein Erfolg beschert. Minnesota traf weitere zweimal in den mittlerweile verwaisten Kasten und Parise war am Ende des 5-2 Heimsiegs an vier Treffern beteiligt gewesen.

Keine Zweifel daran, dass Parise eine solche hevorragende Vorstellung abliefern würde hatte Minnesotas Trainer Mike Yeo: "Kerle wie er finden immer einen Weg mit einer solchen Situation wie dieser zurecht zukommen."

Die Partie kann auch als Beispiel herhalten wie sehr ein Trainer Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen kann. Im Mittelabschnitt gerieten die Wild stark unter Druck nachdem den Gästen aus einer Überzahlsituation heraus der Ausgleichstreffer gelungen war und angesichts eines Torschussverhältnisses von 14-6 sogar deren Führungstor in der Luft lag. Die Wild retteten sich in die Pause. Wilds Headcoach Yeo entschied Parise und Mikko Koivu nicht nur im Powerplay wieder in einer Reihe stürmen zu lassen, was sich auch aufgrund der Tore letztendlich als Glücksgriff erwiesen hat. Minnesota diktierte in den letzten 20 Minuten das Geschehen auf dem Eis und bewahrte sich die Chance auf den Einzug in die nächste Runde.

Von der Hoffnung darauf hatten sich die Anhänger der Los Angeles Kings schon längst verabschiedet.

Es ist gerade einmal sieben Tage her, die Kings hatten eben das dritte Aufeinandertreffen mit ihren nördlichen Nachbarn aus San Jose in der Overtime verloren, nachdem sie in den ersten zwei Partien mit 3-6 und 2-7 Toren regelgerecht untergegangen waren. Wer hätte da noch einen Cent auf den Stanley Cup Champion von 2012 gewettet? Ihre ersten zwei Matchbälle vergaben die Sharks indem sie bittere 3-6 und 0-3 Schlappen kassierten. Vor allem die zweite Niederlage im heimischen SAP Center dürfte für sie, als eines der stärksten Heimteams in der regulären Saison, Spuren hinterlassen haben. Zuvor hatten sie fünf Playoffpartien gegen die Kings zuhause nicht mehr verloren.

Einen ausgeglichenen Schlagabtausch lieferten sich die Kontrahenten in Spiel 6., bis, ja bis Justin Williams zur Mitte des Schlussabschnitts ein äußerst umstrittenes Tor zur 2-1 Führung gelungen war. Die hinter Alex Stalock liegende Scheibe bugsierte er über die Torlinie mit seinem Schläger zwischen Stalocks Schoner. Die Sharks waren anschließend so konsterniert, dass sie binnen 166 Sekunden noch weitere zwei Treffer zum 4-1 Endstand kassierten und die Kings sich freuen durften, das neunte Team zu sein, das in der langen NHL-Playoffhistorie nach einem 0-3 Rückstand in Siegen eine Serie noch ausgleichen konnte. Nur drei Mannschaften von diesen gelang es auch die siebte Partie für sich zu entscheiden, die Toronto Maple Leafs 1942, die New York Islanders 1975 und zuletzt die Philadelphia Flyers im Eastern Conference Halbfinale 2010 gegen die Boston Bruins.

Zwei ehemalige Flyers, nun in Diensten der Kings, werden sich daran besonders gut erinnern. Mike Richards und Jeff Carter können ihren Teamkollegen genau beschreiben, wie gut es sich anfühlt NHL-Geschichte zu schreiben.

Keinen Gedanken daran verschwenden möchte Kings Center Jarret Stoll: "Selbstverständlich hat man das mehrere Male schon im Fernsehen gesehen, als darüber gesprochen wurde. Wir fahren aber nach San Jose, um dort unser bestes Spiel in dieser Serie abzuliefern, das ist alles. Wir wissen, dass sie ein schwerer Gegner sind und es für kein Gastteam in dieser Arena leicht wird zu bestehn, aber wir haben das Momentum auf unserer Seite."

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