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Ovechkin beeindruckt mehrere Generationen

Ehemalige, derzeitige und zukünftige deutschsprachige NHL-Spieler zeigen sich beeindruckt, von dem was der Russe leistet

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Alex Ovechkin hat den Meilenstein von 700 Toren erreicht. Der 34-jährige Russe machte das nächste Hundert voll und beginnt jetzt die Jagd auf die 800, die bisher nur zwei Spieler in ihrer NHL-Karriere erreichten. Gordie Howe mit 801 und der Rekordhalter Wayne Gretzky mit 894.

Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit einer Reihe von deutschsprachigen Spielern gesprochen, die zukünftig, jetzt und früher in der NHL spielen werden, spielen bzw. gespielt haben, und sie über "The Great 8" befragt.

Dabei ging es nicht nur um seine Leistung, sondern um das Vorbild, das Ovechkin mit seinem Willen und seinem Einsatz für die Jugend verkörpert. Außerdem wollten wir von den ehemaligen Spielern wissen, wie sie es einschätzen, in welchem Fokus er in seinem Land steht, ähnlich zu dem, wie sie es früher erlebt haben. Die zukünftigen Talente und derzeitigen Spieler verrieten uns, was ihn auszeichnet.

Ovechkin gehöre zu den Spielern in der NHL, die Lukas Reichel von den Eisbären Berlin besonders gerne sieht. Der 17 Jahre alte Angreifer wird im Midterm-Ranking vom NHL Central Scouting Bureau bei den internationalen Skatern auf Platz 14 geführt und sollte im NHL Draft 2020 mit ziemlicher Sicherheit zu den Ausgewählten gehören, die irgendwann in den nächsten Jahren in der NHL spielen werden. "Seine Direktabnahmen sind unglaublich, eigentlich generell sein Schuss. Es macht einfach Spaß ihm zuzuschauen, wie er seine Tore schießt", sagte Reichel.

Video: WSH@NJD: Ovechkin schießt sein 700. NHL-Tor

Für Moritz Seider, der beim NHL Draft 2019 von den Detroit Red Wings an insgesamt 6. Stelle ausgewählt wurde, ist Ovechkin ein Riesenidol, der jedes Jahr aufs Neue zeigt, wie er trotz seines Alters, noch ein Stückchen besser wird. "Das ist irgendwie beeindruckend", verdeutlichte Seider. "Viele junge Spieler kommen in die Liga rein und er ist immer noch da und zeigt jedes Jahr aufs Neue, warum er so gut ist und warum er so viele Tore macht. Es macht immer Spaß, ihn auf dem Eis zu sehen. Er ist ein unglaublicher Spieler und es wäre eine Riesenehre, wenn ich noch irgendwann gegen ihn spielen könnte. Auch ein kurzes Treffen mit ihm, wäre ein großer Traum von mir."

Der junge Seider wüsste auch genau, wie er gegen ihn spielen würde. "Ich würde versuchen seinen Schuss zu blocken", erzählte er mutig. "Es ist natürlich schon eine unglaubliche Rakete. Er spielt aber auch unglaublich hart, von daher wäre es schon interessant zu sehen, wie es ablaufen würde. Irgendwann wird es aber auch zum Alltag werden und man muss vorbereitet sein, dass man immer gegen solche Gegner und Superstars spielen wird, die man als Kind schon kannte. Man muss das dann als tägliche Arbeit ansehen."

 

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Darüber, wie es ist gegen Ovechkin zu spielen, berichtete Michael Raffl von den Philadelphia Flyers. "Die ersten paar Mal war es sehr speziell", gibt der Villacher zu, der 2013 sein Debüt in der NHL gab. "Aber jetzt weiß man einfach, wenn er auf das Eis kommt, dann wird es brandgefährlich. Er kann aus dem Nichts Tore schießen."

Ins Schwärmen kommt auch Torhüter Philipp Grubauer, der zwischen 2012 und 2018 bei den Capitals mit Ovechkin zusammenspielte: "Er ist eine lebende Legende. Er ist einer der besten Spieler auf der Welt, einer der besten Torjäger. Aber das hat er sich alles hart erarbeiten müssen. So wie er auf dem Eis Führungsspieler ist und sich als Führungsspieler entwickeln musste, so ist er auch abseits vom Eis ein guter Teamkamerad und immer für einen da. Er ist das Bindeglied zwischen Coach und Mannschaft für uns gewesen, damals in Washington."

Der Rosenheimer könnte natürlich etwas aus dem Nähkästchen plaudern, doch belässt er es bei einer klaren Aussage, wenn es um Erlebnisse mit Ovechkin geht. "Da gibt es einige, aber unser Stanley Cup Gewinn steht ganz oben", sagte er. "Die ganzen Playoffs war er unglaublich, so wie die gesamte Mannschaft. Natürlich hat er uns nicht alleine geführt, sondern zusammen mit den Assistenzkapitänen."

Timo Meier von den San Jose Sharks hat Ovechkin schon von klein auf aus seiner Heimat, der Schweiz, verfolgt. "Sidney Crosby, Alex Ovechkin und Ilya Kovalchuk waren die Spieler, von denen ich früher auf YouTube die Highlights geschaut habe und welche Tore sie gemacht haben", weiß der Stürmer zu berichten. "Das habe ich dann immer auf der Eisfläche als kleiner Junge versucht nachzumachen. Er ist ein Spieler, der mich inspiriert und auch die Liebe zum Tore schießen geweckt hat."

Meiers Landsmann Nino Niederreiter von den Carolina Hurricanes ist ebenfalls beeindruckt, als er auf Ovechkin angesprochen wird. "Er ist ein unglaublicher Spieler", schwärmte der Stürmer. "Als ich noch in Minnesota gespielt habe, hat er gegen uns meistens einen Hattrick gemacht. Er ist einfach nicht zu stoppen. Er ist wahrscheinlich der beste Torschütze aller Zeiten. Der Gegner weiß immer, dass er Tore schießt. Er ist der Mann, den man nicht schießen lassen darf. Es ist für ihn schwierig, jeden Abend Tore zu schießen. Aber er findet immer einen Weg. Wenn er eine Möglichkeit hat, abzuziehen, ist die Scheibe meistens auch drin."

Ein weiterer Stürmerkollege ist Tobias Rieder von den Calgary Flames, der in Ovechkin eine herausragende Figur sieht. "Viele Kinder wollen so sein wie er und von daher ist er schon ein Vorbild für viele", bekannte der Landshuter. "Ich würde auch gerne 700 Tore schießen, aber das kann halt nicht jeder."

Video: Alle 700 Tore von Alex Ovechkin

Der Österreicher Michael Grabner blockt ab, als er darauf angesprochen wird, einen ähnlichen Stellenwert für sein Heimatland zu haben wie Ovechkin für seines. "Wir hatten ja Thomas Vanek lange hier in der NHL und er ist zweifelsohne das Gesicht von Österreich", grenzte er klar ab. "Aber es macht natürlich Spaß, wenn Kinder zu einem aufschauen und wir Kinder und Jugendliche in Österreich zum Eishockey bringen. In Russland gibt es sehr viele gute Spieler und Eishockey hat einen wesentlich größeren Stellenwert als in Österreich."

Auch Grabner ist beeindruckt, was sein Kollege aus Washington leistet. "Alex ist der beste Torschütze derzeit und vielleicht sogar aller Zeiten", sagte der Stürmer. "Er hat so einen unglaublichen Torschuss. Aber mehr noch, er ist ein unheimlich kompletter Spieler. Früher war er natürlich noch präsenter. Er schoss 60 Tore und hatte 500 Checks. Es ist so schwierig gegen ihn zu spielen. Dass er jetzt schon so lange so gut ist, spricht für ihn und seine Einstellung."

Ähnlich wie Grabner verweist der Schweizer Roman Josi auf jemand anderen beim Vergleich mit Ovechkin in Bezug auf den Stellenwert für sein Land. "Mark Streit, er war das Gesicht des Schweizer Eishockeys und er war es, zu dem wir in jungen Jahren aufgeschaut haben. Man kann schon den Einfluss, den Ovechkin für Russland hat, mit dem vergleichen, den Mark für uns hatte."

 

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Für den Verteidiger Josi ist die Spielweise von Ovechkin durchaus angsteinflößend. "Was er macht ist unglaublich", erläuterte er. "Er ist nicht nur ein Torjäger, sondern er spielt sehr körperlich mit unheimlich viel Einsatz. Er checkt wie ein Verteidiger und das ist beeindruckend, weil häufig sind Spieler talentiert, aber dann nicht körperlich so präsent."

Josi outete sich sogar etwas als Fan des Russen. "Ich liebe es ihm zuzusehen und finde es sehr herausfordernd, gegen ihn zu spielen", räumte er ein. "Er ist sehr speziell und es macht Spaß den Kindern daheim davon zu erzählen, dass ich gegen Ovechkin gespielt habe. Das ist cool."

Stürmer Leon Draisaitl, der als Topscorer derzeit die NHL anführt und in der vergangenen Saison in der Torjägerliste Ovechkin nur um einen Treffer unterlag, entwickelt sich immer mehr zum Gesicht des deutschen Eishockeys, ähnlich wie es die Nummer 8 der Capitals für das russische ist. Er freut sich darüber und sieht es zugleich als Ansporn. "Ich denke, dass es eine Ehre ist, diesen Titel tragen zu dürfen", erzählte Draisaitl. "Ich bin noch lange nicht da, wo ich sein möchte und habe noch viel Arbeit vor mir liegen. Ich werde in dieser Frage weiter Gas geben, um der beste Spieler zu sein, der ich selber möglicherweise sein kann."

Draisaitl hat Ovechkin logischerweise in seiner Jugend auch intensiv verfolgt. "Ovechkin ist seit Jahren eine Legende und schießt kontinuierlich seine Tore in der NHL", erläuterte der Center der Edmonton Oilers. "Er ist natürlich ein Spieler, dem ich früher viel zugesehen habe und probiert habe, das eine oder andere von ihm abzuschauen."

Video: FLA@WSH: Ovechkin zieht rasch ab und trifft

Warum Ovechkin ein Vorbild für viele ist? Darauf hat auch Draisaitl eine passende Antwort parat: "Ovi ist eine sehr beliebte, offene und witzige Person, der die Öffentlichkeit nicht meidet. Ich denke, dass das die Fans sehr schätzen und ihn deswegen mögen, weil er die Person ist, die er ist."

Die körperliche Präsenz ist das, was den früheren NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg, neben den Qualitäten als Torjäger besonders an Ovechkin beeindruckte. "Als er jünger war, war er eine richtige Maschine und versuchte alles zu checken, was möglich war", berichtete er. "Wenn man auf dem Eis stand, musste man immer aufpassen, dass man nicht überrumpelt wurde. Im Alter spielt er etwas schlauer und versucht seine Energie etwas zu sparen. Er ist dadurch jetzt auch ein kompletterer Spieler, als er es früher war."

Seidenberg kann sich noch gut an die Serie der Stanley Cup Playoffs 2012 erinnern, als er mit den Boston Bruins als Titelverteidiger in der 1. Runde gegen Washington und Ovechkin ausgeschieden sind. "Wir haben in den Playoffs gegen sie gespielt und ich wurde zusammen mit Chara meist gegen ihn eingesetzt. Vom physischen her war es eine richtig harte Serie und wir haben auch in Spiel 7 in der Overtime verloren. Es war sehr unangenehm gegen ihn zu spielen. Speziell ein Check ist mir in Erinnerung geblieben, als ich ihn in der neutralen Zone umfahren wollte, aber er ist so schnell und kräftig, ich hatte keine Chance gegen ihn. Da habe ich dann für ein paar Minuten Sternchen gesehen (lacht). Aber es war immer ein harter und fairer Kampf gegen ihn und es hat immer Spaß gemacht gegen ihn zu spielen."

Für David Aebischer, dem ehemaligen NHL-Torhüter, ist ein ganz besonderes Tor, das Ovechkin allerdings nicht gegen ihn selbst erzielt hat, in Erinnerung geblieben. "Sein Tor, dass er gegen Phoenix gemacht hat, als er glaube ich gegen Curtis Joseph, am Rücken liegend, den Puck irgendwie ins Tor bugsierte. Das ist eine meine schönsten Erinnerungen an Ovechkin, aber ich habe es nur am Fernsehen gesehen." Das war am 16. November 2006. Trainer von Phoenix war interessanterweise kein geringerer als Gretzky.

Video: Alex Ovechkin trifft auf dem Rücken liegend

Zum Thema der Vorbildfunktion hat Aebischer auch seine eigene Meinung und antwortet ganz süffisant. "Sicher ist der Stellenwert von Ovechkin größer als meiner", sagte der Schweizer und lachte dabei. "Aber als Spieler ist es eine Ehre sein Land zu vertreten, ob bei Weltmeisterschaften oder im Ausland. Man ist ein Botschafter in einem anderen Land und versucht natürlich, ein Vorbild für andere Schweizer zu sein. Genauso will man den Einheimischen zeigen, dass man ein guter Repräsentant seines Landes ist."

Auch seine Wirkung auf die Jugend und den Nachwuchs sieht Aebischer unbestritten. "Natürlich hat er einen Einfluss auf die jüngeren Generationen, besonders in seinem eigenen Land, aber bei ihm wohl auch darüber hinaus", lenkte er ein. "Er ist sicher ein Trendsetter wie sich die Jungen nachher geben."

Nicht viel anders sieht es Marco Sturm, der die meisten Punkte eines Deutschen in der NHL verbucht hat. "Ja, er ist schon sehr, sehr lange in der Liga. Ich denke, das ist mit ein Grund, warum er so viele fasziniert, aber es ist auch sein Stil zu spielen, der früher erfolgreich war und jetzt im neuen Zeitalter auch. Früher ging es um Physis und Scoring, aber wenn man jetzt sieht, wie das Niveau mit den vielen jungen Spielern und den neuen Regeln angestiegen ist und er bringt trotzdem seine Leistung, Jahr für Jahr. Ich denke, das findet am meisten Anerkennung, weil das nicht viele Leute in der Welt können."

Den Vergleich Botschafter seines Landes zu sein, sieht er differenzierter. "Natürlich ist es eine große Ehre, einer der besten Spieler deines Landes zu sein", verdeutlichte Sturm. "Ich denke für mich persönlich, für ein Land wie Deutschland, ist es etwas Besonderes, weil es nicht so viele Spieler gibt. Ein Spieler wie Ovechkin, repräsentiert für viel mehr Fans die NHL und ist vor allem eines der Gesichter, das Einfluss auf das Spiel hat, das sagt vieles. Und über einen so langen Zeitraum, Erfolg zu haben und zu gewinnen, das ist besonders."

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