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Zwei Extreme: Canadiens und Blue Jackets

von Stefan Herget / NHL.com

Ein Blick auf die ligaweite Tabelle und es fallen zwei Extreme auf: Die Montreal Canadiens grüßen von oben mit der perfekten Bilanz von sechs Siegen aus ebenso vielen Partien und die Columbus Blue Jackets stehen ganz unten mit null Punkten aus der gleichen Anzahl von Spielen.

Während Montreal nach fast zwei Wochen Spielbetrieb als einzige Mannschaft ohne Niederlage dasteht, kann Columbus genauso ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen, nämlich noch ohne Sieg zu sein.

„Ich weiß nicht, ob wir uns auf jemand anderen verlassen, wenn wir gelassen in Spiele gehen, in der Erwartung etwas Schlechtes passiert“, sagte ein frustrierter Blue Jackets Stürmer Scott Hartnell nach der 1-4 Pleite am Samstag gegen die Chicago Blackhawks. „Das ist mein Empfinden, wenn wir beginnen zu spielen. Wir warten nur ab, anstatt es anzugehen und die richtigen Dinge zu tun. Das wird eine alte Leier. Das wird frustrierend. Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll. Es ist ein schwieriger Start. Es ist erschreckend. Viele Leute hatten uns auf der Rechnung am Ende mitzumischen, die Playoffs zu erreichen und wir machen eine wirklich gute Arbeit, das jetzt schon zu ruinieren.“

Optimismus hört sich anders an. In der Tat wurde Columbus nach seinen Verpflichtungen im Sommer von vielen Experten sehr positiv eingeschätzt. Nun ist die von Todd Richards trainierte Mannschaft auf dem Weg zum schlechtesten Saisonstart in deren Geschichte.

Ein Lichtblick war Torhüter Curtis McElhinney, der in seinem ersten Saisoneinsatz 26 Saves, darunter einige spektakuläre, verbuchen konnte und seine Farben so lange im Spiel hielt. Nach einem annehmbaren ersten Drittel, brachen die Gäste im Mittelabschnitt jedoch völlig ein und die Blackhawks konnten mit 15 Torschüssen in dieser Periode eine 2-0 Führung erzielen.

„Ich glaube wir sind nach dem ersten Drittel von unserem Spiel abgekommen“, sagte Brandon Saad, der im Sommer von Chicago nach Columbus wechselte und zu einem der Hoffnungsträgern gehört, aber in seiner Rückkehr ohne Punkt blieb. „Aus irgendwelchen Gründen waren wir im zweiten und dritten Drittel von der Rolle.“

Ursachenforschung, die Richards nun mit seinem Stab vornehmen muss, um schnell eine Kurskorrektur hinzubekommen, denn die kommenden Aufgaben zu Hause gegen die New York Islanders am Dienstag und bei den Minnesota Wild am Donnerstag werden nicht leichter.

Knapp 1.000 Kilometer Luftlinie nordöstlicher von Columbus sieht die Welt etwas anders aus. Der bisherige Startrekord in der langen Geschichte der Canadiens aus Montreal lag bei vier Siegen zum Saisonauftakt. Diesen haben sie also in der vergangenen Woche übertroffen und schon lechzen sie nach mehr.

Doch was sind die Ursachen für den Aufschwung der Kanadier, wenn gleich sechs Spiele gerade einmal nur sieben Prozent der gesamten regulären Saison sind, also die Aussagekraft aufgrund der Schnelllebigkeit kaum verbindlich ist?

Die Verpflichtungen vom Frühjahr und Sommer ergänzen sich derzeit nahezu perfekt in die bestandenen Strukturen von Trainer Michel Therrien. Brian Flynn, Torrey Mitchell, Devante Smith-Pelly und Jeff Petry zur Trading Deadline, gefolgt von Alexander Semin und Tomas Fleischmann zur Free Agent Phase heißen die Neuen. Alex Galchenyuk wechselte zudem auf die Center Position und fühlt sich dort offenbar pudelwohl.

Nicht zu vergessen ein Carey Price zwischen den Pfosten, der scheinbar nahtlos an seine sehr guten Leistungen aus der abgelaufenen Saison anknüpft, die ihm als ersten Torwart seit Dominik Hasek 1997-98 die Hart Trophy für den wertvollsten Spieler der regulären Saison und konsequenterweise auch die Vezina Trophy für den besten Torhüter einbrachten.

„Ich mag die Tatsache, dass die Jungs mit sehr viel Stolz ihre Verantwortung übernehmen“, sagte Therrien nach der Partie gegen die Detroit Red Wings am Samstag. „Ich mag die Tatsache, dass sie mit sehr viel Stolz eine Gruppe von Spielern sind, die extem hart arbeiten. Wir haben einige Veränderungen im Verlauf des Sommers vorgenommen und wir glauben, dass diese der Mannschaft sehr viel helfen. Wir haben die Philosophie unserer Mannschaft ein wenig geändert.“

Beispiele dafür sind, dass die Canadiens nun deutlich gewillter sind spielerisch in die gegnerische Zone einzudringen als in Anwendung des taktischen Mittels den Puck tief zu spielen, um ihn sich dann zu erkämpfen.

Ein weiteres Problem der Vergangenheit scheint ausgemerzt, nämlich nach erkämpften Führungen, die Initiative dem Gegner zu überlassen und sich auf seinen Torhüter Price und eine Defensivausrichtung zu verlassen, dass diese den Vorsprung über die Zeit bringen werden.

So entfachte Montreal vor zwei Tagen nach der 2-1 Führung in der 47. Minute durch Petry ein wahres Feuerwerk mit am Ende 20 zu 5 Torschüssen im Schlussabschnitt. „Egal, ob wir eine Führung haben oder zurückliegen, wir wollen immer Druck ausüben“, sagte Galchenyuk. „Wir greifen immer an und machen es so für die andere Mannschaft schwer, selbst aktiv zu werden.“

Nicht zu vergessen die Ausgeglichenheit im Kader, die Therrien ermöglicht, nahezu konstant vier Reihen zu fahren. Das verteilt die Eiszeit optimal, hilft Kräfte zu sparen, was sich am Ende einer Begegnung, aber auch im Saisonverlauf auszahlt. Wie sehr, wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

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