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Chara als Musterbeispiel eines Eishockey-Profis

Bruins-Kapitän steht sinnbildlich für den Charakter der Spieler - Blues beeindruckt

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de

Eishockey steht für Schnelligkeit, Technik, Härte, Leidenschaft und Tore. Doch sind es auch schmerzbefreite Helden, die diesen Sport so unglaublich schön machen. Zdeno Chara von den Boston Bruins erwies sich in Spiel 5 des Stanley-Cup-Finals 2019 gegen die St. Louis Blues als Musterbeispiel für einen Spieler, der genau für diese Attribute steht.

Es waren 15 lange Sekunden, in denen die Trommelfelle im TD Garden zu platzen drohten. Der Stadionsprecher verkündete die Starting-Six. Als er die Nummer 33 ankündigte, verstand man in der Arena sein eigenes Wort nicht mehr. Chara wurde vom eigenen Anhang frenetisch gefeiert. Der baumlange Slowake (2,05 Meter groß) hat sich mit seinem Einsatz in Spiel 5 unsterblich gemacht. "Es war beeindruckend, wie laut es geworden ist. Es ist Wahnsinn, dass wir das Spiel nicht für ihn gewinnen konnten", sagte Mitspieler Jake DeBrusk nach der 1:2-Niederlage.

Video: STL@BOS, Sp5: Fans geben Chara berauschenden Empfang

Die Verletzung zog sich Chara in Spiel 4 zu, als ein Puck von seinem Schläger auf den Mund abgefälscht wurde. Der Bruins-Kapitän konnte daraufhin nicht weiterspielen, fehlte auch am nächsten Tag im Training. Bostons medizinische Abteilung hatte einen Einsatz abgelehnt. Offiziell erlitt Chara eine "Gesichtsverletzung". Erst kurz vor Spiel 5 bekam Chara dann vom Ärztestab grünes Licht. Der Verteidiger schnürte also seine Schlittschuhe, zog ein Vollvisier an und spielte Eishockey.

"Es ist großartig, dass er gespielt hat und auch noch so wie immer. Es zeigt, was für ein Anführer er ist. Das ist wichtig und hat uns viel bedeutet. Es zeigt den Charakter, den er hat. Er führt das Team und jeder folgt ihm", berichtete Stürmer Marcus Johansson. "Er ist ein harter Junge, er würde niemals aufgeben. Das war großartig, sehr emotional für jeden. Das hat uns einen Schub gegeben", bestätigte Torwart Tuukka Rask. "Es ist beeindruckend. Das hat uns angetrieben. Er ist ein Anführer, ein Krieger", stimmte Center Patrice Bergeron mit ein. "Er hat trotz dieser Verletzung gespielt. Er wollte da raus und für das Team da sein. Das zeugt von seinen Führungsqualitäten", zeigte sich auch Verteidiger Brandan Carlo beeindruckt.

Dem Bruins-Trainer Bruce Cassidy erging es da nicht anders. "Seine Verletzung ist schlimmer als viele andere. Die Ärzte haben mit einigen Warnungen grünes Licht gegeben. Er hat dann entschieden, zu spielen. Das war inspirierend für uns. Das sagt viel über seinen Charakter aus. Er hat selbst gesagt, dass er nicht der einzige ist, der mit einer Verletzung spielt. Sie haben angeschlagene Spieler, wir auch."

 

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Chara dient als Musterbeispiel für Spieler, die diese Sportart so besonders machen. Denn er ist nicht der Einzige, der trotz Schmerzen aufs Eis geht. Akteure, die ohne Blessuren bis ins Stanley-Cup-Finale gekommen sind, dürften eine Seltenheit sein. Auch andere Spieler sind angeschlagen oder verletzt, lassen sich dies aber nicht anmerken und spielen einfach weiter.

"Du musst einen Preis zahlen. Wir haben viele Spieler, die das schon getan haben", bestätigt Johansson. "Es ist ziemlich hart da draußen. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen", sagte auch Carlo.

Die Playoffs 2019 sorgten für einige Beispiele: Joe Pavelski, Kapitän der San Jose Sharks, wurde in der Serie gegen die Vegas Golden Knights in der 1. Runde gleich mehrfach verletzt. Erst erzielte er ein Tor mit dem Mund, ließ sich während des Spiels nähen und kehrte nach der Drittelpause aufs Eis zurück. Später zog er sich nach einem Crosscheck eine Druckplatzwunde samt Gehirnerschütterung zu - und gab ein paar Spiele später ein Comeback. Bei den Carolina Hurricanes verletzte sich Andrei Svechnikov nach einem Faustkampf mit Alex Ovechkin am Kopf und kehrte ebenfalls wieder zurück. 

Und selbst bei den beiden Finalisten wurde schon Blut vergossen und Schmerzen ertragen: Blues-Verteidiger Vince Dunn bekam in der Sharks-Serie selbst einen Puck ins Gesicht und kehrte erst in Spiel 4 gegen die Bruins zurück. Bostons Joakim Nordstrom blockte in Spiel 2 gegen St. Louis gleich drei Schüsse in einem Unterzahl-Wechsel - darunter auch zwei schmerzhafte Einschläge auf dem Schlittschuh. Der Penalty Killer aber spielte schmerzgekrümmt weiter.

 

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Eishockey ist kein Sport für Zartbesaitete - so teilten die Blues schon 754 Checks in den Playoffs 2019 aus - die Bruins kommen auf 686 Hits. Unbesungen sind auch die Helden, die Schüsse blocken: Boston kommt auf insgesamt 327 Blocks, St. Louis auf 323.

In den Playoffs und besonders im Stanley-Cup-Finale nehmen beide Teams in Kauf, den "Heiligen Gral" am Ende nach oben stemmen zu dürfen. Großen Respekt für die Auftritt Charas zeigten übrigens auch die Blues: "Jeder weiß, wie hart Chara ist und was für eine Krieger-Mentalität er hat. Das hat ihrem Team am Anfang Momentum gegeben", sagte Trainer Craig Berube. "Seine Mitspieler haben ihn angesehen und waren einfach nur beeindruckt", hatte Stürmer David Perron beobachtet. "Ich respektiere so einen Spieler. Was er durchgemacht hat, ist unglaublich.", sagte auch Center Tyler Bozak

Für Spiel 6 wechselt das Heimrecht zurück nach St. Louis. Bully ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 2 Uhr MESZ (live bei NHL.tv, DAZN, Sport1+ und Teleclub Sport) im Enterprise Center.

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