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NHL.com/de über Crosby und Ovechkin

Das Redaktionsteam diskutiert, wer von den beiden Superstars besser abschneidet

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2018/19 wird das Team von NHL.com/de jeden Freitag in der Rubrik "Writer's Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Wie steht es zwischen Sidney Crosby und Alex Ovechkin?

Die Diskussionen, wer nun besser sei, flankieren die NHL seit Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins und Alex Ovechkin von den Washington Capitals zur Saison 2005/06 in die Liga kamen. Ovechkin ein klassischer Power-Stürmer, der gerne Tore schießt gegen Crosby den eleganten Techniker, der sein Team anführt.

Lange Zeit schien es so, dass Crosby schon aufgrund seiner drei Stanley Cup-Titel, und den Goldmedaillen bei Weltmeisterschaft, Olympischen Spielen und beim World Cup of Hockey, die Nase deutlich vorne hätte, doch spätestens seit Ovechkin seinen ersten Stanley Cup im Sommer 2018 gewinnen konnte, haben die Freunde und Unterstützer des Russen wieder an Oberwasser gewonnen. 

Zum 48. Mal kam es am Mittwoch in einem regulären Saisonspiel zur Begegnung zwischen Crosby und Ovechkin, den zwei besten NHL-Spielern der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte.

 

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In der Gesamtbilanz der Aufeinandertreffen liegt Crosby mit 68 Scorerpunkten (22 Tore, 46 Assists) vor Ovechkin mit 50 Scorerpunkten (30 Tore, 20 Assist). 29 Mal verließen die Pittsburgh Penguins das Eis als Sieger (29-17-2), wobei sie sieben Partien erst in der Zusatzschicht für sich entschieden.

Von den vier direkten Duellen in den Stanley Cup Playoffs konnten die Penguins drei gewinnen und die Capitals in 2018 das erste Mal. In den 26 daraus resultierenden Playoff-Spielen gegeneinander, verbuchte Crosby 14 Siege und 30 Punkte (15 Tore, 15 Assists), Ovechkin kommt auf zwölf Siege und 35 Punkte (17 Tore, 18 Assists).

Die Autoren von NHL.com/de, diskutieren darüber, wer ihrer Meinung nach die Nase vorne hat:

Robin Patzwaldt: Aus meiner Sicht kann man bei dieser Frage die Statistiken bemühen wie man will, unsere Einschätzungen sind immer auch ein Stück weit subjektiv. Beide Spieler haben unzweifelhaft Großes geleistet und begeistern uns seit langer Zeit immer wieder aufs Neue. Das Spannendste an diesem Vergleich sind die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden. Crosby ist der smarte, überall geschätzte Typ 'Schwiegermutter-Liebling', Ovechkin gibt seit Jahren eher den Rebellen, den Spieler mit der unangepassten, lockeren Art. Schon sein äußeres Erscheinungsbild bildet quasi den kompletten Gegensatz zu Crosby ab. Und auch wenn der Kapitän der Penguins in den Augen der Mehrheit vielleicht sportlich die Nase in diesem Vergleich vorne haben dürfte, ich persönlich mag Ovechkin als Spieler lieber, schätze eben besonders auch seine unangepasste Art, sein Auftreten abseits der Eisflächen. Es tut der Liga einfach gut, wenn solch eine Persönlichkeit mit zu ihren absoluten Leistungsträgern gehört. Deshalb würde ich 'Ovi' wählen in diesem Vergleich.

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Stefan Herget: Fakt ist, dass man erst am Karriereende einen Schlussstrich wird ziehen können. Alles, was davor liegt, sind nur Momentaufnahmen, denn mit zunehmendem Altem der beiden, wird sich zeigen, wer das bisher schon gezeigte Niveau wird halten können. Für mich ist es absolut faszinierend, was Ovechkin in dieser Saison leistet, nachdem viele nach dem Stanley Cup Sieg und den anschließenden Feierlichkeiten vermuteten, dass er in dieser Saison durchhängen wird. Also entgegen auf Instagram geposteten Fotos, war Ovi wohl auch im Training. 

Und natürlich, um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, lässt sich die Größe eines einzelnen Spielers bei einem Mannschaftssport, wie es Eishockey nun einmal einer ist, nicht nur an den Teamerfolgen abmessen, weil dazu eben noch andere wichtige Puzzleteile dazu gehören. Als Beispiel möchte ich das Duell in den Stanley Cup Playoffs 2016 nennen, als Crosby lediglich zwei Assists dazu beitragen konnte, dass die Penguins in sechs Spielen gegen die Capitals gewannen, für die Ovechkin zwei Tore sowie fünf Assists verbuchte und der dominante Spieler war. Es fehlte ihm schlicht die Hilfe seiner Mitspieler, die Crosby einfach hatte. Nichtsdestotrotz halte ich Crosby für den besseren Führungsspieler, der seine Teamkollegen anleitet und eben, weil es ein Mannschaftssportart ist, für das entscheidende Kriterium zu seinen Gunsten.

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Christian Rupp: Die Anzahl der Stanley-Cup-Siege ist eher als Ritterschlag, denn als Qualitätsnachweis zu betrachten. Denn selbst der beste Individualist ist nichts ohne seine Mannschaft. Was Sidney Crosby und Alex Ovechkin auszeichnet, ist, dass sie ihre Teams führen. Crosby gelang dies bei den Pittsburgh Penguins bereits von Anfang an. Ovechkin galt hingegen lange als egoistischer Scharfschütze, mit dem die Washington Capitals wohl nie den Stanley Cup gewinnen würden.

Aus dieser Schublade katapultierte sich "Ovi" allerdings selbst heraus: In der Vorsaison ging der Caps-Kapitän mit gutem Beispiel voran, blockte plötzlich Schüsse, fuhr Checks, arbeitete emsig nach hinten mit und ging als wahrer Anführer auf dem Weg zum ultimativen Erfolg voraus.

Doch wer ist nun der Bessere? Auf diese Frage kann ich keine Antwort geben. Beide sind unterschiedliche Spielertypen: Crosby der geniale Center, Ovechkin der eiskalte Flügelstürmer. Beide wiesen eine großartige Entwicklung nach. Beide sind mit schier unvergleichbarem Talent gesegnet. Beide stehen voll im Fokus der Öffentlichkeit. Die Größe eines Spielers wird meiner Meinung nach aber nicht nur an spielerischen Fähigkeiten gemessen, sondern auch an der Persönlichkeit. Ein abschließendes Urteil kann hier wohl erst nach dem Karriereende der beiden Superstars abgegeben werden.

Video: WSH@CAR: Ovi im zweiten Spiel in Folge mit Hattrick

Axel Jeroma: Ich möchte einen Aspekt vertiefen, der in der Diskussion teilweise schon angeklungen ist: die Rolle der beiden als Kapitän. Von Crosby ist bekannt, dass er nicht nur das Team auf dem Eis anführt, sondern um einen guten Draht zu jedem einzelnen Mannschaftskollegen bemüht ist. Das gilt in besonderem Maße für die jungen Spieler, für deren Anliegen und Fragen er immer ein offenes Ohr hat. Was diese Beziehungsarbeit angeht, schätze ich ihn stärker ein als Ovechkin, Empirisch belegen kann ich meine These jedoch nicht. Ich denke, es ist für Ovechkin zumindest ein kleiner Nachteil, dass Englisch nicht seine Muttersprache ist und er in einer anderen Kultur aufgewachsen ist. Sportlich gehören beide ohne Frage zu den Größten ihrer Branche, denen nach dem Karriereende ein Platz in der Hockey Hall of Fame sicher ist.

Bernd Rösch: An Zahlen und Trophäen, von denen beide schon reichlich in ihrer Karriere in Empfang nehmen durften, ist nicht abzulesen, wer nun der bessere Eishockeyspieler ist. Es gibt keinen Besseren neben ihnen, sie sind die Besten!

Video: DET@WSH: Ovechkin schießt den 21. Hatty für die Caps

Ovechkin war seinerzeit als er in die NHL kam die beste Wahl für die Capitals und Crosby für die Penguins die Idealbesetzung. Ein Crosby hätte sich vermutlich zu seinem Karrierebeginn schwerer als Ovechkin bei den Capitals getan, die nicht über solche Eishockey-Koryphäen verfügten wie die Penguins. Erinnert sei hier an Mario Lemieux, der als Mentor einen wesentlichen Anteil an der positiven Entwicklung von Crosby hatte. Ovechkin war zu Beginn seiner NHL-Karriere viel mehr auf sich selbst angewiesen, was vielleicht auch seinem Charakter eher entsprochen hat.

Letztendlich haben beide aus ihrem Talent und ihren Möglichkeiten das Maximale herausgeholt. Das war nur möglich, da sie sich auch in puncto Arbeitseifer und Ehrgeiz nichts schenken.

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