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NHL.com/de diskutiert Verletzungen

Das Redaktionsteam schreibt wie der Ausfall von Leistungsträgern weggesteckt werden kann

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2018/19 wird das Team von NHL.com/de jeden Freitag in der Rubrik "Writer's Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Inwieweit können Verletzungsausfälle kompensiert werden.

Auston Matthews, Victor Hedman, Jonathan Quick, Roberto Luongo, Pekka Rinne, Brady Tkachuk oder Joe Thornton: Die Liste von namhaften Spielern, die für eine gewisse Zeit ihren Mannschaften fehlen werden oder gefehlt haben, ist bereits zu Beginn der Saison lang. Letztendlich entscheiden auch solche Phasen, die jede Mannschaft während einer regulären Saison, mal heftiger, mal weniger heftig, erleben muss, ob es zu einer Spitzenplatzierung und einer guten Ausgangsposition für die Stanley Cup Playoffs reicht oder nicht.

 

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Wie können Trainer und Team Verletzungsausfälle kompensieren und ihre erreichte Punktequote hochhalten? Warum gelingt es der einen Mannschaft besser als der anderen? Die Autoren von NHL.com/de teilen hierzu ihre Meinung:

Stefan Herget: Grundsätzlich sollte jeder Spieler, der sich regelmäßig auf dem Eis befindet, eine wichtige Rolle in der Mannschaft erfüllen und sein Ausfall schwer wiegen. Trotzdem gibt es natürlich Spieler, die einen größeren Part einnehmen als andere und sie sind deswegen weniger leicht zu ersetzen. Ich denke da zum Beispiel an Steven Stamkos von den Tampa Bay Lightning, der vor zwei Jahren nahezu die komplette Spielzeit ausfiel und die Lightning trotz vieler weiterer guter Spieler den Einzug in die Playoffs verpassten. Ein entscheidender Punkt ist meiner Meinung nach, wie gut und tief der Kader besetzt ist, um die Lücke füllen zu können. Nicht selten steigt ein Spieler aus den hinteren Reihen in eine vordere hoch und entfaltet dadurch sein ganzes Talent, das er vorher wegen geringerer Eiszeit nicht so zeigen konnte. Ein guter Trainer zeichnet sich also auch in solchen Momenten aus, wenn es ihm gelingt den richtigen Spieler auf die Position des zu ersetzenden Spielers zu bringen und dadurch die negativen Auswirkungen des Ausfalls zu reduzieren.

Bernd Rösch: Ausfälle von Spielern der Extraklasse sind auf Dauer nie zu ersetzen, wobei es hier meines Erachtens weniger auf die Punktausbeute ankommt, denn auf die Stellung im Kader. Auch Top-Scorer, die nicht verletzt sind, machen im Laufe ihrer Karriere Zeiten durch, in denen ihnen deutlich weniger Tore und Assists gelingen als gewohnt. Allein ihre Präsenz auf dem Eis hilft der Mannschaft eine solche Phase leichter zu überstehen. Ein verletzungsbedingter Ausfall eines Führungsspielers wiegt da viel schwerer.

Ebenso eine große Rolle spielt die Position des Spielers. Auf der Torhüterposition ist selten eine Organisation so gut besetzt, dass sie den Ausfall eines dominanten Stammtorwarts adäquat ersetzen kann. Hinzukommt, dass ein wiedergenesener Goalie häufig mehr Zeit benötigt, um wieder zu seiner alten Stärke zu finden. Jedes Team hat hingegen in seinem Kader Stürmer, die im Angriff vielseitig eingesetzt werden können, also sowohl auf der Außenbahn wie auch im Zentrum.

Christian Rupp: Der Ausfall eines wichtigen Spielers ist immer auch die Chance für einen anderen. Der Ersatzmann erhält dann nicht nur mehr Eiszeit, sondern muss auch mehr Verantwortung übernehmen und in eine Schlüsselrolle schlüpfen. Ein gutes Beispiel hierfür lieferten die San Jose Sharks in der letzten und laufenden Saison: Mit Joe Thornton brach jeweils einer der Häuptlinge wegen einer Knieverletzung weg. Als Ersatz sprang der Schweizer Timo Meier ein. Der Power Forward wurde entsprechend in die Top-6-Reihen befördert und war fortan fester Bestandteil in den Special Teams (Powerplay sowie Penalty Killing). Meier zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen zurück, mauserte sich zu einem gestandenen NHL-Spieler. Zuletzt verzückte der 22-jährige Herisauer die Liga mit der längsten Punkte-Serie aller Spieler (neun Spiele, acht Tore, fünf Assists) und er traf in fünf Partien in Folge mindestens einmal. Ein verletzter Star kann also einen anderen Stern aufgehen lassen.

 

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Axel Jeroma: Durch den Salary Cap ist es einem Team kaum möglich Ausfälle von Starspielern wegzustecken und einige Talente, die die Lücke wenigstens annähernd füllen können in der Hinterhand zu haben. Von daher ist eine Mannschaft, die Verletzungspech hat, immer davon betroffen. Aber wie Bernd schon andeutete, wenn den Los Angeles Kings ein Jonathan Quick als Torhüter ausfällt, dann wiegt das schwerer, als wenn zum Beispiel ein Verteidiger oder Stürmer ersetzt werden muss. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass es Spieler gibt, die sich häufiger verletzen als andere. Die Anfälligkeit für Verletzungen spielt also über den Verlauf einer Karriere eine große Rolle. Auston Matthews ist sicher ein überragender Spieler, wie er es in seinen jungen Jahren bereits gezeigt hat, doch er fällt schon zum zweiten Mal für längere Zeit aus. Das kann für eine Mannschaft durchaus ein Faktor sein.

Stefan Herget: Entscheidend in diesem Zusammenhang ist für mich noch die medizinische und physiotherapeutische Betreuung der Mannschaft. Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Bereich das "Verletzungspech" sehr stark beeinflusst werden kann. Schließlich lassen sich durch gute Behandlungen Verletzungen gerade muskulärer Art entweder vermeiden oder sie führen dazu, dass Spieler wieder schneller fit werden. Kompetentes Fachpersonal ist in diesem Bereich somit das A und O. Nicht selten fragt man sich, warum das eine Team mehr mit Verletzungen zu kämpfen hat als das andere. Es ist eben nicht nur das vielzitierte Pech, sondern auch eine Frage des ausgewogenen Trainings, der Behandlungen und der Prävention.

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