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Wild und Blackhawks vor besonderem Duell

von Axel Jeroma / NHL.com

Dienstliche Zusammenkünfte mit den Kollegen der Chicago Blackhaws bargen für die Belegschaft der Minnesota Wild in jüngster Vergangenheit reichlich Frustpotenzial. Auslöser für den Verdruss sind in erster Linie die Resultate der Playoff-Serien gegen den amtierenden Meister in den vergangenen drei Jahren. Minnesota zog dabei jedes Mal klar den Kürzeren (1-4, 2-4, 0-4).

Deswegen mag man sich bei den Wild auch gar nicht so recht an den durchaus vorhandenen Erfolgen in Hauptrundenspielen gegen Chicago erfreuen. Zwei davon gelangen in dieser Saison (5-4, 2-1), was einer Siegquote von 100 Prozent entspricht. Im Rahmen der Stadium Series kommt es am Sonntagnachmittag (Ortszeit) zum dritten Aufeinandertreffen beider Kontrahenten in der laufenden Spielzeit. Schauplatz ist das TCF Bank Stadium in Minneapolis, sonst Heimstätte der Footballer von den Vikings.

Die Voraussetzungen für eine weitere hartumkämpfte und niveauvolle Begegnung stehen gut. Minnesota kehrte von einer einwöchigen Geschäftsreise aus Kanada mit drei Siegen zurück, Chicago schlug zuletzt auswärts die hoch eingeschätzten New York Rangers mit 5-3 und grüßt als Tabellenführer der Western Conference.

Noch vor Wochenfrist sah es bei den Wild zappenduster aus. Nach einer deprimierenden Niederlagenserie zwischen 11. Januar und 13. Februar war die erneute Playoff-Teilnahme in akuter Gefahr. 13 von 14 Partien gingen in diesem Zeitraum verloren.

Als die beteiligten Angestellten der Wild nach dem 2:4 daheim gegen die Boston Bruins ein weiteres Mal mit hängenden Köpfen und ratloser Mine in die Katakomben schlichen, hatten die Klubverantwortlichen endgültig die Nase voll. General Manager Chuck Fletcher leitete umgehend das Amtsenthebungsverfahren gegen den langjährigen Coach Mike Yeo ein. Im Hinblick auf das Freiluftspektakel in heimischen Gefilden erschien ihm die Gefahr einfach zu groß, 50.000 Zuschauern im Stadion und ein Millionenpublikum vor dem Fernseher mit einer weiteren dürftigen Darbietung zu vergraulen.

Fletcher installierte stattdessen interimsweise John Torchetti von Minnesotas AHL-Kooperationspartner Iowa Wild als Kommandogeber an der Bande. Offenbar fand der neue Mann gleich die richtigen Worte, um Minnesotas Spieler wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Drei Auswärtssiege gegen die Vancouver Canucks (5-2), die Calgary Flames (5-3) und die Edmonton Oilers (5-2) belegen diese These eindrucksvoll.

Vor allem die Offensivabteilung erbrachte zuletzt einen eindrucksvollen Leistungsnachweis. Center Charlie Coyle erzielte in allen drei Partien auf kanadischem Territorium jeweils einen Treffer. Rechtsaußen Jason Pominville stand ihm mit zwei Toren und einem Assist punktemäßig in nichts nach.

Stürmerkollege Ryan Carter kann den Sonntag ob der jüngsten Siegesserie kaum erwarten. „Wenn der kalte Schweiß auf deinem Gesicht friert und dein Trikot steif wird, ist das etwas ganz anderes als in der Halle", sagte er mit dem nötigen Pathos in der Stimme. Ganz wie es sich vor einem großen Match gehört.

Die Blackhawks fielen jüngst ebenso durch unersättlichen Torhunger auf. Den bekamen diese Woche die Toronto Maple Leafs (7-2) gleichermaßen zu spüren wie die New York Rangers (5-3). So ist es wenig verwunderlich, dass mit Rechtsaußen Patrick Kane ein Blackhawk mit 83 Punkten die Scorerwertung anführt und zugleich mit 34 Treffern auf Rang zwei der Torschützenliste liegt.

Beim Erfolg in New York verzückte zudem Rookie Artemi Panarin die Fachwelt mit einem Hattrick. In Chicago gilt der im Sommer vom KHL-Klub SKA St. Petersburg zu den Blackhawks gewechselte Flügelstürmer als Publikumsliebling.

In der ersten Offensivreihe der Blackhawks fand er mit Landsmann und Center Artem Anisimov sowie Superstar Kane die perfekten Partner. „Alle drei haben ein glänzendes Spielverständnis und erzielen vor allem wichtige Tore“, lobt Blackhawks-Coach Joel Quenneville.

Chicagos Kapitän Jonathan Toews war von der New-York-Vorstellung des russischen Neuzugangs ebenfalls angetan. „Wenn Artemi aufs Eis geht, passiert etwas. Das hat man heute gesehen“, sagte er.

Die Blackhawks wollen am Sonntag auf keinen Fall einen weiteren Beitrag zur Frustbewältigung der Wild leisten. Denn bei einer Niederlage stünde es 0-3 im direkten Vergleich beider Kontrahenten. Diesen könnte Chicago bei nur noch zwei ausstehenden Vergleichen in der Hauptrunde auch nicht mehr zu seinen Gunsten umbiegen. Was wiederum für die Wild ein gutes Omen für potentielle dienstliche Zusammenkünfte mit den Blackhawks in den diesjährigen Playoffs wäre.

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