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Wie kann sich Nico Hischier am besten entwickeln?

Bei den New Jersey Devils bastelt man in diesen Tagen an einem möglichst erfolgversprechenden Kader

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Rückblickend auf die NHL-Spielzeit 2016-17 stellten sich für die New Jersey Devils viele unangenehme Fragen. Wie konnte es geschehen, dass ein so ambitioniertes Team wie die Teufel von der Ostküste der USA am Ende einer von vielen Enttäuschungen geprägten Spielzeit tief im Tabellenkeller der besten Eishockeyliga der Welt landete? 

Nur ganze 70 magere Punkte auf der Habenseite, New Jersey belegte schlussendlich lediglich einen enttäuschenden Drittletzten Platz, zusammen mit den Arizona Coyotes. Lediglich die Colorado Avalanche und die Vancouver Canucks landeten noch weiter hinten in der Rangliste der 30er-Liga.

Dabei waren die Hoffnungen nach der Verpflichtung von Stürmer Taylor Hall im letzten Sommer noch so hoch gewesen. Doch er alleine konnte es dann in der Offensive halt auch nicht richten, obwohl er mit durchschnittlich 2,29 Punkten pro 60 Minuten persönlich durchaus zu überzeugen wusste. 

Kein Stürmer der Devils übertraf jedoch die 30-Tore-Marke. Hinzu kamen enttäuschende Defensivleistungen. Nur Colorado und Arizona kassierten noch mehr Gegentore als die Teufel. Und eine schwache Offensive und eine enttäuschende Defensive führen halt nahezu zwangsläufig tief in den Tabellenkeller.

Nun steht also ein grundlegender Neuaufbau bei den Jungs aus New Jersey an. 

Im NHL Entry Draft des Jahres 2017 hatten die Devils zuletzt die Ehre des ersten Zuges. Und man entschied sich in der Vorwoche bekanntlich für den Schweizer Center Nico Hischer.

Hischier überzeugte zuletzt mit 86 Zählern in der QMJHL im Nachwuchsbereich. Es war seine erste Erfahrung in Nordamerika. Ob und inwieweit er nun auch in der NHL zu überzeugen weiß, dass muss aktuell natürlich noch abgewartet werden. 

Seitens der sportlich in Not geratenen NHL-Franchise will man ihn dabei nicht allzu sehr unter Druck setzen. Der knapp 19-jährige Stürmer soll ausreichend Zeit bekommen sich auf allerhöchstem Niveau zu entwickeln. 

Doch welche Spieler werden ihm dabei zur Seite gestellt? Wird auch die am Samstag beginnende Free Agent-Phase einen größeren Einfluss auf seine Entwicklung in nächster Zeit haben? Man kann davon ausgehen. Allerdings gaben sich Devils-Verantwortliche jüngst arg zurückhaltend, will man seitens der Franchise einen gründlichen Neuaufbau vorantreiben, der durchaus mehrere Jahre beanspruchen darf. Spektakuläre Neuverpflichtungen wird es daher wohl nicht in größerer Anzahl geben. Vielmehr wird es darum gehen dem Team möglichst viel Struktur zu verleihen ohne den jungen Talenten die Einsatzmöglichkeiten unnötig zu beschränken.

Im Idealfall wird Hischier dabei schon in der kommenden Spielzeit mit im Mittelpunkt stehen. So wie dies zuletzt auch Connor McDavid in Edmonton bei den Oilers und auch Austin Matthews in Toronto bei den Maple Leafs als Nummer 1-Picks auf Anhieb gelang.

Devils General Manager Ray Shero wird daher tatsächlich wohl überlegen müssen welche erfahrenen UFAs er zu seinem zuletzt sportlich so enttäuschenden Kader hinzufügen will, wenn er die Entwicklung der diversen jungen Talente im Kader, darunter nun eben auch Hischier, nicht ausbremsen, sondern bestmöglich beflügeln will.

Ein Name der dazu im seit Wochen schon Gespräch ist, das ist der von Kevin Shattenkirk. Einen so erfahrenen Anführer mit dazu zu bekommen, das könnte natürlich auch die angedachte Entwicklung eines Hischier mit vorantreiben.

Seine Präsenz würde der Abwehr der Devil sicherlich zu mehr Stabilität verhelfen und auch in der Umkleide des überwiegend jungen Teams eine Leader-Rolle verkörpern. Ganz billig würde seine Verpflichtung allerdings wohl nicht. 

Dabei stellt sich aber natürlich auch die grundsätzliche Frage, ob man das Schicksal einer ganzen Franchise mit der Verpflichtung einiger neuer Aktiver herumreißen kann. Ob es nun ein Nummer 1-Pick ist, oder aber ein erfahrener, etablierter Anführer ist. Die Erfahrung zeigt, dass so etwas in der Regel mehr Zeit beansprucht.

Und vor diesem Hintergrund erscheint es auch fraglich, ob eine Verpflichtung von Ex-Devils-Spieler Ilya Kovalchuk Sinn machen würde, der nach Jahren in der russischen KHL nun offenbar eine Rückkehr nach Nordamerika vorstellen kann. Würde man um ihn herum eine junge Mannschaft aufbauen wollen? Würde seine Erfahrung am Ende auch einem 18-jährigen Hischier helfen können? Die Diskussionen werden unter Devils-Fans seit Tagen emotional geführt. Noch ist die Antwort, zumindest in der Öffentlichkeit, aktuell noch völlig offen.

Viele Beobachter vertreten durchaus die Meinung, dass eine solche polarisierende Präsenz im Team den Druck von Hall und Hischier etwas fernhalten könnte. Doch es gibt auch zahlreiche kritische Stimmen im Umfeld der Franchise, die sich noch an seinen etwas unrühmlichen Abgang aus New Jersey vor einigen Jahren in Richtung russischer Heimat erinnern.

Außer den derzeit häufig genannten Namen von Shattenkirk und Kovalchuk, wurde in den Fanforen der Devils zuletzt auch der Name des ehemaligen 40-Tore-Mannes Thomas Vanek als möglicher Neuzugang in New Jersey gehandelt. 

Auch er könnte Hischier sicherlich bei der Integration in der Liga mit seiner Erfahrung helfen. Zuletzt verbuchte Vanek noch 17 Tore und 31 Assists in 68 Spielen, die er für Detroit und Florida absolvierte. 

Auch die Namen von Martin Hanzal (Wild), Alexander Radulov (Canadiens), Justin Williams (Capitals), und/oder Joe Thornton (Sharks) geisterten vielfach in New Jersey herum, wenn es um die Hinzunahme von erfahrenen Stürmern geht.

Sie alle hätten grundsätzlich selbstredend ausreichend viele Erfahrungen auf internationalem Top-Niveau vorzuweisen um dem jungen Schweizer und den anderen großen Talenten im sehr jungen Team einen möglicherweise entscheidenden Schritt weiter helfen zu können.
In der Defensive wurden dabei neben Shattenkirk vor allem Spieler wie Dmitry Kulikov (Sabres), Dan Girardi (Rangers), Karl Alzner (Capitals), Andrei Markov (Canadiens), oder auch Francois Beauchemin (Avalanche) diskutiert.

Ausreichend freie Reserven in Sachen Salary Cap haben die Devils aktuell jedenfalls noch vorzuweisen. Von rund 25 Mio. US$ wird da berichtet. 

Für wen man zumindest einen Teil davon nun womöglich noch investieren wird, auch um einen Nico Hischier dann besser entwickeln zu können? Ab Samstag werden wir auch diesbezüglich dann schon ein Stück weit schlauer sein.

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