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Die Angst der Capitals vor der eigenen Courage

Das Finale zum Greifen nah und Washingtons Nerven spielen verrückt. Die Franchise ohne Titel bangt um die historische Chance

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Autor

Die Washington Capitals verloren Spiel 4 der Conference Finals der Eastern Conference in den Stanley Cup Playoffs und mussten so den Serienausgleich durch die Tampa Bay Lightning hinnehmen.

Obwohl die Capitals mit 38 zu 20 Torschüssen die deutlich aktivere Mannschaft waren konnten die Bolts nach dem Sieg in Spiel 3 auch die zweite Partie in Washington für sich entscheiden. Die schlagkräftige Offensive der Lightning nutzte die sich bietenden Chancen eiskalt aus und bescherte den Caps die ersten Zweifel.

Noch nie konnte die Franchise aus der US-Hauptstadt den Stanley Cup in die Höhe stemmen. Während in den vergangenen beiden Spielzeiten immer in der zweiten Runde gegen die Pittsburgh Penguins Endstation war, so konnte der ewige Rivale diese Saison bezwungen werden.

Der Erfolg gegen die Nemesis aus der Stahlstadt und die 2:0-Serienführung gegen das Team aus Florida im Rücken lösten bei den Caps eine Euphoriewelle aus, auf der die Hauptstädter in die Stanley Cup Finals reiten wollten.

Mit den beiden Niederlagen und somit dem Ausgleich der Bolts wackelt das Selbstverständnis der Capitals stark und die Gedanken an die Niederlagen in den Schlussrunden der letzten Jahre wachsen und gedeihen.

Video: TBL@WSH, Sp4: Kuznetsov tunnelt Vasilevskiy

Während die Bolts das Momentum nach den beiden gewonnen Aufeinandertreffen auf ihre Seite gebracht haben, gilt es für Washington den Fokus nicht zu verlieren. Gedanken an ein mögliches Ausscheiden müssen aus den Köpfen der Spieler verbannt werden.

Die Konzentration auf die große Chance um die Trophäe spielen zu können muss in jeder Faser des Körpers verinnerlicht werden. Auch gegen Tampa scheint es, als ob die Capitals mit der Rolle des Favoriten nicht zurechtkommen.

 

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Schon in der ersten Runde mussten die Caps gegen den klaren Außenseiter, die Columbus Blue Jackets, die beiden ersten Matches verloren geben, ehe eine vier-Spiele-Siegesserie den Einzug in die zweite Runde klar machte. Dort wartete der Angstgegner aus Pittsburgh, doch nach einer Niederlage in der ersten Partie wachten die Caps auf und gewannen vier der nächsten fünf. Nun selbst aus Underdog gestartet konnte das Team um Alex Ovechkin sich mit zwei Siegen in eine herausragende Ausgangsposition manövrieren, doch die Angst vor dem eigenen Erfolg scheint das Team neuerlich zu lähmen.

In Spiel 3 gaben die Capitals den Sieg durch eine Vielzahl an unnötigen Strafen selbst aus der Hand. Nach dem Aufeinandertreffen gelobten die Spieler gesammelt Besserung und wollten wieder mehr Schlittschuhlaufen. Mit nur zwei Strafen in der darauf folgenden vierten Partie konnten die Vorsätze eingehalten werden. Entgegen der eigenen Erwartung, dass die Leistung in Unterzahl stark verbessert werden muss konnte Tampa doch wieder eine der Überzahlsituationen nutzen. Steven Stamkos traf mit dem Führungstreffer zum 2:1 mitten ins Herz der Caps und auch der Siegtreffer durch Alex Killhorn fiel kurz nach Ablauf der zweiten Strafe Washingtons.

Video: TBL@WSH, Sp4: Stamkos nutzt Points Pass im Powerplay

Die Capitals konnten aus ihren vier Powerplays kein Kapital schlagen. Die Schwäche in den Specialteams schadet den US-Hauptstädtern aktuell massiv. Während die Bolts mit der Top-Offensive aus nur 20 Abschlüssen vier Treffer erzielten, scheiterten die Capitals bei 38 Versuche 36 an einem herausragend starken Andrei Vasilevskiy oder an sich selbst. Trotz der beiden Niederlagen möchte Brooks Orpik nicht von einem psychologischen Vorteil für Tampa Bay sprechen: "Ich bin einer dieser Typen, die in den Playoffs nicht an Momentum glauben. Das Blatt wendet sich ziemlich schnell. Wir müssen morgen wieder so zu spielen aber einen Weg finden um zu gewinnen. Wir müssen es wie eine Best-of-Drei Serie auf dem Weg ins Finale sehen. Wir fühlen uns derzeit auswärts besser. Vermutlich hat niemand erwartet, dass wir die Lightning sweepen. Zumindest in der Kabine hat das niemand geglaubt."

Der Rückkehrer Nicklas Backstrom fühlte sich bei seiner ersten Partie nach der Verletzungspause auf dem Eis sehr gut und war glücklich die Playoff-Atmosphäre auf dem Eis erleben zu können: "Es ist super hier zu sein. Viele in der Mannschaft habe lange auf diesen Moment gewartet. Es ist jetzt eine Best-of-three-Serie auf dem Weg in die Stanley Cup Finals. Morgen ist ein neues Spiel, eine neue Chance. Wir müssen den Reset-Knopf drücken." Um den Fokus auf die vor dem Team liegenden Aufgaben zu richten und die letzte Partie abhaken zu können ist es für den schwedischen Stürmer wichtig, zwischen den Begegnungen abschalten zu können, egal ob nach Siegen oder Niederlagen.

Video: TBL@WSH, Sp4: Vasilevskiy reißt Fanghand hoch

Wenn es am Samstag (7:15 p.m. ET; NBC, CBC, TVAS) in Florida zum nächsten Aufeinandertreffen mit den Tampa Bay Lightning kommt wird sich Lars Eller nicht von den vielen Strafen, die er bisher erhalten hat beeinflussen lassen: "Ich werde mich nicht auf ein paar Vorfälle die im Bruchteil einer Sekunde passiert sind fokussieren. Ich bin zuversichtlich, aber ich bin nicht glücklich auf der Strafbank zu sitzen, das werde ich verbessern. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen und nach vorne schauen. Wir dürfen nicht in Selbstmitleid versinken, aber wir haben viel Leadership in der Kabine. Es gibt keinen geraden Weg zum Erfolg. Die Fehler der Vergangenheit dürfen dich beim nächsten Spiel nicht beeinflussen. Das haben wir in den Playoffs bisher gut gemacht. Wir waren bereits in dieser Situation."

 

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Aufgrund der guten Leistung seines Teams und der unglücklichen Niederlage ist Caps Coach Barry vor der vorentscheidenden Partie am Samstag gut gelaunt: "Ich lächle in den letzten Tagen sehr viel. Wir blicken sehr realistisch auf die Situation. Niemand hat gedacht, dass diese Serie nach vier Begegnungen entschieden ist. Es sind zwei starke Teams auf Augenhöhe. Es ist ein harter Weg und in der ersten Runde waren wir zwei Spiele hinten und sind zurückgekommen. Wir haben drei der vier Matches gut gespielt, deswegen bin ich nicht unzufrieden. Ich bin etwas enttäuscht wegen des Ergebnisses gestern, aber freue mich auf das Aufeinandertreffen morgen. Das ist eine neue Chance. Eine Möglichkeit zu gewinnen oder zu verlieren und jeder Erfolg bringt dich näher an das große Ziel. Wir haben einen guten Gameplan für morgen, wir sind bereit, also lasst den Puck fallen."

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